Nach dem Regen riecht die Luft nach Erde, herb und schwer. Immer wieder ziehen Wolken über Lupfig, dazwischen blitzt die Abendsonne hervor. Im Paulusgarten sind die Menschen fleissig.

José Emmanuel Ribeiro harkt sanft durch die krümmelige Erde. Jeder grosse Brocken wird zerkleinert, dabei achtet er sorgsam, dass die jungen Pflanzen nicht verletzt werden. Er hat portugiesisches Gemüse angepflanzt. Ein Stück Heimat in Lupfig für den 43-jährigen Vater von zwei Kindern.Wie so viele andere, die ein Beet im Paulusgarten haben, hat er zu Hause keine Möglichkeit, Gemüse oder Blumen anzupflanzen. Die meisten, die hierher kommen, leben in einer Blockwohnung.

Die 35 Beete werden von 25 Personen genutzt. Vor sechs Jahren gab es den Gemeinschaftsgarten der Pauluskirche zum ersten Mal; damals initiiert von Iris Bäriswyl, Sozialarbeiterin der Kirchgemeinde Brugg. Jetzt, zum 50-Jahre-Jubiläum der Kirche, hat sich der Pfarreirat entschieden, das Projekt nochmals anzubieten.

Die Konfession ist unwichtig

Gedacht ist der Garten für jene, die Freude an der Gartenarbeit haben. Katholik sein muss man nicht, obwohl das Projekt von der katholischen Kirche angeboten wird. «Wir haben hier Muslime, Konfessionslose, Reformierte und Katholiken», sagt Dorothee Fischer, Seelsorgerin in Lupfig. «Der Garten ist gemeinschaftsstiftend.» Und nachhaltig sei das Projekt auch. Viele Gärtnerinnen und Gärtner würden in Kontakt bleiben. Zudem sei der Garten für die Bevölkerung gut sichtbar. «Die Leute sehen, dass hier etwas Tolles geschieht und machen eine positive Verbindung zur Kirche», sagt Fischer. «Der Garten beweist, dass Kirche nicht nur aus Gottesdienst besteht.»

Die 35 Beete werden von Familien gepflegt. Die Ernte dürfen sie nach Hause nehmen. Auf einem grösseren Feld hat Toni Aeschi, Präsident des Pfarreirats und Verantwortlicher für den Garten, Sonnenblumen und Zuckermais angepflanzt, auf einem Hügel wachsen Kürbisse. Hier kann jeder nehmen, so viel er will. Aus den Sonnenblumen will Toni Aeschi Öl pressen. «Letztes Mal konnten wir fünf Liter Öl gewinnen. In diesem Jahr sollen es 15 Liter werden.» Ein Problem hat er aber: Die Schnecken haben sich über die zarten Pflänzchen hergemacht. «Ich muss nochmals ansähen», sagt der 72-Jährige.

Toni Aeschi ist unermüdlich. Er steht den Gärtnern zur Seite, die noch nicht so viel Erfahrung haben. Für diese Saison hat er einen 1000-Liter-Tank organisiert, in dem Regenwasser gesammelt wird. Er ist an diesem Abend nach dem vielen Regen randvoll.

Spontan haben die Gärtner beschlossen, sich nach der Arbeit noch zum Grillieren zu versammeln. Bald brutzeln über dem Feuer Bratwürste und Cervelats. Dazu gibt es Bier. Gesprochen wird Deutsch und Portugiesisch oder mit Händen und Füssen. Irgendwie werden auch diese Grenzen überwunden.