Peter Haudenschild ist hartnäckig und zielstrebig. Hat ihn ein Thema gepackt, hat er sich eine Meinung gebildet, dann geht er unbeirrt und unermüdlich seinen Weg, scheut keine Konfrontation, lässt nicht locker. Bei seinen politischen Gegnern macht sich der 72-jährige Professor aus Brugg zwar nicht beliebt, wenn er sie eindeckt mit Argumenten und Aussagen aus unterschiedlichen Studien, mit Unterlagen und Verordnungen von Behörden. Aber sein gewissenhafter und zäher Einsatz führt oft zum Erfolg.

Beispiele gefällig? Massgeblich beteiligt war Haudenschild in der Stadt Brugg am Referendum gegen die Umsetzung von Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen. Würden die Fussgängerstreifen aufgehoben, dann müssten Kinder, Familien, Schüler, Senioren oder Behinderte mit Nachteilen rechnen, argumentierte er. Und überzeugte. Im Februar dieses Jahres schickte die Stimmbevölkerung den Kredit an der Urne klar bachab.

An vorderster Front kämpfte Haudenschild vor rund viereinhalb Jahren mit einer Gruppierung auch für die die Verlegung der Bushaltestelle an der Schöneggstrasse. Diese wurde in der Folge verschoben und befindet sich seither unter der SBB-Unterführung, wo die Platzverhältnisse komfortabler sind und die Fahrgäste vor Wind und Wetter geschützt warten können.

Senioren haben Respekt verdient

Als FDP-Einwohnerrat sei er vor sechs Jahren quer in die Politik eingestiegen, hält Haudenschild fest. «In dieser Zeit habe ich in Brugg einiges zurechtgerückt.» Genauso entschlossen und schwungvoll möchte er im Herbst nun einen Sitz erobern im Nationalrat. Er kandidiert auf der Liste von Team 65plus, die Aargauer Seniorenliste. Senioren seien in den Parlamenten krass untervertreten, keine der etablierten Parteien habe auf ihrer Hauptliste auch nur einen Senior – trotz Bemühungen, hebt Haudenschild hervor. Dieser Fakt werde von vielen ignoriert. «Wir werden lieber als Finanz- und Gesundheitsproblem karikiert. Man bekommt ein schlechtes Gewissen, Senior zu sein.» Für ihn ist klar: «Wer nicht politisiert, mit dem wird politisiert. In dieser Situation stecken wir Senioren, obwohl wir gegen 25 Prozent der Stimmberechtigten stellen.» Er wolle, fährt er fort, «dass die Senioren endlich wieder respektiert werden als Menschen wie du und ich, als Leute, die enorm viel für die aktuelle Gesellschaft gemacht haben und noch machen und einfach ein bisschen älter sind als andere.»

Als Versicherungsmathematiker, Betriebswirtschafter auf Direktionsstufe im In- und Auslandgeschäft sowie diplomierter Pensionsversicherungsexperte «der ersten Stunde» möchte er sich in Bern speziell einbringen in den AHV-/Pensionskassenfragen, «denn es sind Kürzungen von 25 Prozent der laufenden Renten in Sicht. Unglaublich!» Weitere Schwerpunkte seien Bildung, Finanzen, Gesundheit, Sicherheit, Verkehr und Wirtschaft.

Auf Augenhöhe mit der CVP

Haudenschild bezeichnet sich als unabhängig und als typischer Vertreter einer fitten, aktiven Seniorengeneration, die selbst mitentscheiden will. «Altersguillotinen gehören radikal abgeschafft. Eine konsequent liberale Politik ist mir wichtig», sagt er. Apropos aktiv: Nach wie vor arbeitet er zu rund 25 Prozent als Sporttrainer im Akademischen Sportverband Zürich (Uni/ETH) und ist tätig als Wirtschaftsberater. Als Delegierter des Schweizerischen Seniorenrats – ein Beratungsorgan des Bundesrats – hat er zudem bereits politische Erfahrung gesammelt auf Bundesebene. Als Hobbys nennt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen neben dem Sport und der Politik auch die Kultur.

Seine eigenen Wahlchancen schätzt er als intakt ein. Das Ziel von Team 65plus sei es, mindestens auf Augenhöhe mit der CVP zu landen. «Die Politik ist immer für Überraschungen gut. Wir kämpfen bis zum Wahltag.»

Die AZ porträtiert in unregelmässigen Abständen Kandidatinnen und Kandidaten für die Nationalratswahlen am 19. Oktober.