Brugg

Dieser Brugger ist seit 30 Jahren Tüftler zwischen Licht und Schatten

Claudio Cassano (50) aus Brugg hinterlässt seit 30 Jahren seine Kunstspuren und fasziniert mit seinen Leuchten.

Wie flüssige Lava in Farbtönen von Orange bis Rot schimmern drei in Bronze gegossene Leuchten im Halbdunkel der Brugger Galerie «Immaginazione». Sie haben eine beinahe sogartige Wirkung. Je länger die Betrachterin davorsteht, umso mehr Details entfalten sich im lichtdurchfluteten Buntmetall. Kleine Formen wie ein Herz, Silhouetten von Vögeln oder eine mit Stacheldraht umgebene Madonna sind zu entdecken. Weil die LEDs in den Lichtobjekten ihre Strahlen an die Wand statt nach vorne in den Raum werfen, sorgen sie für ein mystisches Licht- und Schattenspiel.

Viele von Claudio Cassanos Leuchtkörpern haben eine geradezu transzendente und geheimnisvolle Wirkung. Dabei ist der Mann mit dem von silbergrauen Fäden durchzogenen Bart eher bodenständig. Er bezeichnet sich selber als naturverbunden. Und als leidenschaftlichen Materialtüftler.

Licht- und Kunstobjekte in einem

Vor allem kann der 50-Jährige aus allem etwas machen, was ihm in die Hände fällt. Fundstücke vom Schrottplatz wie alte Köpfe von Fensterläden oder verrostete Scharniere wertet er durch seine Kreativität zu Kunstgegenständen auf. «Ich arbeite mit dem, was mir gerade zur Verfügung steht», sagt Cassano.

Recyclingmaterial ist immer noch in seinen Objekten zu finden, allerdings kamen mit den Jahren auch hochwertige Komponenten wie Halbedelsteine oder eben Bronze dazu. Diese erhitzte er auf 1080 Grad, bis sie flüssig war, und goss sie dann in ein Sandbett hinein. Die daraus entstandenen Leuchten stehen teilweise auf Stelen aus einheimischen Hölzern und wirken wie Skulpturen. Deshalb sind sie auch tagsüber schön anzusehen.

Etwas zu entwerfen, das abends Licht- und tagsüber Kunstobjekt ist und mit der Dämmerung seine Optik verändert, war einer der Initialzündfunken für Cassanos Künstlerkarriere. «Die Faszination für dieses Wechselspiel hat mich bis heute nicht losgelassen», meint er und seine dunkelbraunen Augen unter den buschigen Brauen funkeln.

Er war mal Spengler

Ursprünglich hat Claudio Cassano den Spenglerberuf erlernt. Der gebürtige Brugger, dessen Eltern einst aus der südostitalienischen Region Apulien eingewandert sind, bezeichnet seine Entwicklung zum Kunstschaffenden als Prozess, der sich über viele Jahre entwickelt hat. «Mit meinem Handwerker-Lohn habe ich mir fortlaufend Geräte für meine kreativen Tüfteleien angeschafft. Je mehr ich davon hatte, desto ausgefeilter und vielfältiger wurden meinen Techniken.» Vor allem mit den Lichtobjekten, aber auch mit unkonventionellen Möbeln aus Stahl und Holz, zeitigte er zunehmend Erfolg und konnte das Pensum in seinem angestammten Beruf reduzieren. Seit knapp zwei Dezennien kann der Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern gut von seiner Kunst leben.

Harte, konsequente Arbeit

Existenzängste hatte er nie. «Ich strecke mich immer nach der Decke. Etwas Neues schaffe ich nur dann an, wenn ich es mir leisten kann», bekundet er. Um erfolgreich zu sein, braucht es für ihn neben einer eigenen Handschrift auch harte und konsequente Arbeit: «In all meinen Objekten und Skulpturen spielt nebst der künstlerischen Umsetzung auch das Handwerk sowie die Technik eine grosse Rolle.»

Von 2011 bis 2014 führte er mit seiner Frau Regula Zimmerli eine Galerie in Saas-Fee. Doch das Pendeln zwischen Brugg und dem Wallis wurde den beiden zu zeitaufwendig. Die Offerte der Schreinerei Spicher, im firmeneigenen Areal an der Aarauerstrasse 96 auszubauen, kam deshalb wie gelegen.

Im Winter 2014 eröffneten Cassano und Zimmerli dort ihre Galerie «Immaginazione» und laden seither die Öffentlichkeit jeden Donnerstag von 16.45 bis 21.45 Uhr zu «Kunst und Apéro» ein. Keine steife Galerie-Atmosphäre, sondern Kunstgenuss in unkompliziertem Ambiente ist ihre Devise. Alle zwei Monate werden neue Gastausstellerinnen und -aussteller aus dem In- und Ausland präsentiert. Ab und zu gibt es Konzerte bekannter Musikgrössen. So treten beispielsweise am 12. Dezember Martha High & the Soul Cookers aus den USA auf.

Die Jubiläums-Ausstellung unter dem Motto «30 Jahre Kunstspuren» feiert am 6. Dezember um 18.30 Uhr Vernissage und zeigt neben Leuchtobjekten aus verschiedenen Schaffensperioden Cassanos auch Werke der deutschen Künstlerin Dorothée Rothbrust.

Die Ausstellung mit Werken von Claudio Cassano und Dorothée Rothbrust in der Galerie «Immaginazione» an der Aarauerstrasse 96a in Brugg dauert vom 6. Dezember (Vernissage) bis 31. Januar. Öffnungszeiten: Donnerstag von 16.45 bis 21.45 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr (jeweils mit Barbetrieb).

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