Militär- und Festungsmuseum

Dieser Bözberger ist Chef von über 100 Bunkern

«Diesen Panzer habe ich in den 80er-Jahren gekauft», sagt Thomas Hug über den Praga im Museum. Mario Heller

«Diesen Panzer habe ich in den 80er-Jahren gekauft», sagt Thomas Hug über den Praga im Museum. Mario Heller

Vereinspräsident Thomas Hug erklärt der «Aargauer Zeitung», warum er sich für das Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal engagiert.

Für Passanten fast unbemerkt sind Mitglieder des Vereins Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal unter der Kirche Rein daran, das ehemalige Artilleriewerk zu renovieren. Es ist heute Teil der militärhistorischen Anlagen im unteren Aaretal und den westlich davon liegenden Hügelzügen, die das Militärmuseum Full betreut. Die beiden weiteren Standbeine des Vereins sind die Festung Reuenthal und das Militärmuseum in Full.

Das Artilleriewerk Rein verlor, wie das markante Infanteriewerk Sagimülitäli oder viele andere Bunker, mit dem Ende des Kalten Kriegs seine militärische Bedeutung. «Es sind Bunker und Anlagen der ehemaligen Grenzbrigade 5 (Gz Br 5), die wir übernommen haben», sagt Vereinspräsident Thomas Hug.

Eine kantonale Arbeitsgruppe unter der Leitung des Brugger Historikers Titus Meier hat 40 davon als erhaltenswert bezeichnet. Der Museumsverein mit seinem Fachwissen bot sich als künftiger Betreuer an: «So kamen wir schliesslich zu etwa 100 Anlagen.»

Erster Bunkertag war ein Erfolg

Darunter sind der ehemalige Kommandoposten (KP) der Gz Br 5, das Infanteriewerk im Sagimülitäli oder das Artilleriewerk unter der Kirche Rein. «Die Anlagen sind Zeitzeugen, also Denkmäler, die wir in Gebrauchszustand erhalten wollen», sagt Hug.

Sie werden in Fronarbeit ausgerüstet, um sie der Bevölkerung zu zeigen. Dass der Verein hier auf dem richtigen Weg ist, zeigte der 1. Bunkertag mit rund 3500 Besucherinnen und Besuchern. Der Kanton unterstützt diese Arbeiten mit 660 000 Franken aus dem Lotteriefonds.

Impressionen aus dem Militär- und Festungsmuseum in Full-Reuenthal: 

Die Anfänge des Museums liegen rund 60 Jahre zurück. «Ich war etwa 6 Jahre alt, als ich aus dem Keller meiner Grossmutter einen Säbel mit nach Hause nehmen durfte», erinnert sich Hug. Damit begann seine Sammlerkarriere, die schliesslich zum Museum Full führte. «Diesen Panzer habe ich in den 80er-Jahren gekauft», sagt Hug und weist im Museum auf einen Praga hin.

Das Kettenfahrzeug wirkt neben modernen Kampfpanzern fast wie ein Spielzeug. Es wurde in den späten 30er-Jahren in der Tschechoslowakei hergestellt. Hugs private Sammlung wuchs immer mehr und schliesslich gründete er mit zwei Freunden den «Verein zur Förderung eines wehrtechnischen Museums».

Damit war der Grundstein für die heute umfangreichste schweizerische Präsentation von militärischen Objekten rund um den 1. und 2. Weltkrieg gelegt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Schweizer Armee reorganisiert, sie trennte sich von nicht mehr benötigten Objekten und Anlagen. «1989 konnten wir das Festungsmuseum Reuenthal eröffnen», sagt Hug.

Die im 2. Weltkrieg gebaute Anlage sollte die Deutsche Wehrmacht im Bereich der Aaremündung an einer Invasion hindern. Es war wie eine Rückkehr in Hugs Familiengeschichte: «Mein Vater war während des Aktivdienstes als Sanitätsleutnant in der Festung stationiert.»

Neue Halle geplant

Angespornt durch die vielen interessierten Besucher, aber auch das persönliche Interesse begannen die Vereinsmitglieder ab 1998 das Militärmuseum in Full aufzubauen. In Hallen der ehemaligen Chemischen Fabrik Uetikon wurden Fahrzeuge und weitere Objekte gesammelt.

Die Platzverhältnisse wurden immer enger: «Für die monatliche Ausstellung haben wir die Fahrzeuge jeweils im Freien aufgestellt.» Um die Sammlung geschützt präsentieren zu können, übernahm der Verein weitere Hallen. Das Wachstum ist nicht beendet. «Hier planen wir eine neue Halle und bis zu jener Hecke ein Fahrgelände», sagt Hug und weist auf das umgebende Land hin.

Heute zählt der Trägerverein rund 1800 Mitglieder. Hug präsidiert den Verein und ist Leiter des Militärmuseums. Vizepräsident Urs Ernst ist für die Festung Reuenthal zuständig und Titus Bürgi für die militärhistorischen Anlagen. «Wir sind ein gutes Team», stellt Hug mit Blick auf die rund 150 Ehrenamtlichen fest.

Sie führen den Museumsshop, die Gastronomie, reinigen die Ausstellung, führen die Besucher durch die Ausstellungen oder restaurieren Festungsanlagen und Fahrzeuge. «Wir zeigen keine tote Materie: Alle Fahrzeuge, Geräte und Anlagen sollen funktionsfähig sein», sagt Hug.

Dank des qualifizierten Einsatzes der Mitglieder geniesst das Militärmuseum einen guten Ruf. So konnte es die Werksammlungen der ehemaligen Oerlikon Bührle und der Mowag Kreuzlingen übernehmen. «Die Geräte dieser Firmen sind einmalige Zeugnisse der Schweizer Wehrtechnik.» Einmalig sind auch die Fahnen der ehemaligen Gz Br 5. Sie hängen als Leihgabe des Kantons Aargau, im Militärmuseum.

Finanziert wird das Museum durch Mitgliederbeiträge, Eintritte und Spenden: «Eine regelmässige staatliche Unterstützung erhalten wir nicht.» Insgesamt kann so der Aufwand von rund 750 000 Franken pro Jahr finanziert werden. «Bei grossen Projekten gehen wir bewusst auf Spendensammlung», sagt Hug. Alle Aktivitäten haben das Ziel, die militärtechnische Entwicklung des 20. Jahrhunderts darzustellen.

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