Brugg

Dieser Banker (24) will Integration leben

Marc Seitz sagt: «Es kann nicht sein, dass Leute ausgegrenzt oder ausgestossen werden.» Bild rechts: Seitz (hinten, rot-weisses T-Shirt) an einem Fussballnachmittag mit Asylsuchenden in Birr.

Marc Seitz sagt: «Es kann nicht sein, dass Leute ausgegrenzt oder ausgestossen werden.» Bild rechts: Seitz (hinten, rot-weisses T-Shirt) an einem Fussballnachmittag mit Asylsuchenden in Birr.

Marc Seitz engagiert sich ehrenamtlich in der Region. Besonders am Herz liegen ihm die Sportnachmittage mit Asylsuchenden.

Trägt Marc Seitz seine Arbeitskleidung, würde man nicht auf den ersten Blick vermuten, dass sich der junge Mann ehrenamtlich engagiert. Der 24-Jährige ist Banker, genauer gesagt Privatkundenberater und stellvertretender Geschäftsstellenleiter der Raiffeisen in Wildegg. «Ich bin kein typischer Banker», sagt Seitz von sich. Er sitzt in der Cafeteria der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch, wo er auch studiert. Momentan sind Semesterferien und es befinden sich kaum Leute im Gebäude.

Seitz studiert berufsbegleitend im fünften Semester Business Administration beziehungsweise International Management, sozusagen Betriebsökonomie auf Englisch. Bereits seinen Berufsschulunterricht hat er in Englisch absolviert. Die Sprache spricht Seitz seit seiner Kindheit. Wegen des Jobs des Vaters zog die Familie nach London, wo Seitz die Vorschule besuchte. Nach einem Abstecher nach Köln kehrte die Familie wieder in die Schweiz zurück, nach Birmenstorf, wo Marc Seitz die Primarschule und anschliessend in Baden die Bezirksschule besuchte. Vor einem halben Jahr ist Seitz nun nach Brugg gezogen. Bis vor kurzem hat er bei einer Grossbank gearbeitet, jetzt ist er für die Raiffeisen tätig.

Nachmittage in Birr eingestellt

Mit Zahlen kommt Seitz schon immer gut zurecht, weshalb nach der Schule eine Banklehre nahelag. Sozial engagiert war er damals nur im Rahmen von Spenden an verschiedene Organisationen. «Ich wollte mich irgendwann direkt beteiligen», sagt Seitz. Genau in dieser Zeit flattert ihm ein Brief des Jugendrotkreuzes Kanton Aargau ins Haus, das nach jungen Freiwilligen sucht. Seitz beachtet den Brief zuerst kaum, schaut ihn dann nach Monaten wieder an und meldet sich. «Ich bin sportlich, da lagen die Sportnachmittage mit Asylsuchenden nahe», sagt er, der schon Karate und Fussball ausgeübt hat und jetzt Baseball spielt.

Einmal pro Monat finden in Aarau, Baden, Rekingen und zuletzt auch in Birr Sportnachmittage für Asylsuchende statt. Seitz leitet vorwiegend die Nachmittage in Baden und Birr. Vor allem mit den Asylsuchenden in Birr hat er sich gut verstanden. Die jungen Männer sind allerdings erst vor kurzem von Birr in verschiedenste Asylunterkünfte im Aargau verteilt worden. Deswegen mussten die Sportnachmittage in Birr wieder eingestellt werden, was nicht nur Seitz, sondern auch der Gemeinderat Birr bedauert. Gemäss Gemeinderat «hat dieses Projekt zur Belebung und zu einem guten Austausch mit der Bevölkerung und dem Fussballclub geführt». Der FC Birr hatte den Asylsuchenden Material zur Verfügung gestellt und man hatte sogar versucht, für einige einen Platz im Team zu finden (die AZ berichtete).

Marc Seitz lässt sich dadurch nicht die Lust an seinem ehrenamtlichen Engagement nehmen, auch wenn er die Asylsuchenden aus Birr vermisst. «Das war eine megagute Truppe, es sind immer alle gekommen», sagt Seitz. Mit einigen Asylsuchenden ist er auch privat befreundet, trifft sich mit ihnen in seiner Freizeit, etwa zum Basketball spielen oder Fussball schauen. Zwei, die den B-Ausweis erhalten haben, hat er soeben zu einer Wohnungsbesichtigung begleitet.

Karriere als Sänger

Für ihn ist die Integration der Asylsuchenden sehr wichtig. «Durch meine vielen Wohnsitzwechsel habe ich früh gemerkt, wie schwierig es ist, neue Freunde zu finden», sagt Seitz. Er will Integration leben und so als Vorbild für andere dienen. «Nicht nur bei Asylsuchenden, sondern auch generell ist Integration wichtig. Es kann nicht sein, dass Leute ausgegrenzt oder ausgestossen werden», sagt Marc Seitz.

Er ist sich sicher, dass er sich auch in Zukunft in irgendeiner Form ehrenamtlich engagieren wird. Zunächst konzentriert er sich jetzt auf sein Studium. Besonders freut er sich auf sein Austauschsemester in Santiago de Compostela, das er im nächsten Jahr absolvieren wird. Was er nach seinem Studium machen will, weiss er noch nicht, er möchte nicht zuviel planen. «Vielleicht mache ich mich selbstständig, vielleicht wandere ich aus, vielleicht starte ich eine Gesangskarriere», sagt Seitz, der auch gerne singt.

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