Schinznach-Dorf
Dieser Bahnhof ist seit 22 Jahren stillgelegt – nun muss er weg

Nächsten Frühling beginnen die Bauarbeiten für den neuen Bözberg- Eisenbahntunnel. Was vom alten Bahnhofsgebäude gerettet werden kann, ist noch unklar.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Diese Liegenschaft am stillgelegten Bahnhof Schinznach-Dorf vor dem Bözberg-Eisenbahntunnel wird voraussichtlich im Februar 2018 abgerissen.

Diese Liegenschaft am stillgelegten Bahnhof Schinznach-Dorf vor dem Bözberg-Eisenbahntunnel wird voraussichtlich im Februar 2018 abgerissen.

Claudia Meier

Der Ersatz des bestehenden, 140 Jahre alten Bözbergtunnels durch einen neuen Doppelspurtunnel ist das grösste Teilprojekt beim Ausbau der Gotthard-Achse zu einem 4-Meter-Korridor.

Nötig ist dieses Vorhaben, um die Verlagerung der alpenquerenden Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene weiter zu steigern. Im Frühling 2016 fahren die Maschinen auf. Für den Tunnel-Neubau haben die SBB Implenia mit den Hauptarbeiten beauftragt. Das Projekt kostet rund 145 Mio. Franken.

Das nördliche Portal der neuen Röhre liegt bei der Station Effingen, das südliche beim 1993 stillgelegten Bahnhof Schinznach-Dorf. An beiden Orten wird ein Installationsplatz als Ausgangspunkt für die Arbeiten erstellt. Der Hauptvortrieb erfolgt vom Bahnhofareal Schinznach-Dorf aus mit einer Tunnelbohrmaschine auf der linken Seite des bestehenden Bauwerks.

Ortstafel geht an Heimatmuseum

Das Bahnhofsgebäude wird abgerissen, aber voraussichtlich erst im Februar 2018, so SBB-Mediensprecherin Franziska Frey. Nach heutigem Kenntnisstand werden dafür vier Wochen eingeplant.

Was mit den Utensilien des alten Bahnhofs geschehen wird, können die SBB noch nicht sagen. Vorgesehen sei aber, dass die Ortstafel ans Heimatmuseum Schinznach-Dorf gehen wird, sagt Franziska Frey.

Neben dem Bahnhofsgebäude und dem bekannten Gasthof Röschti-Farm werden für die Bauarbeiten Baracken sowie eine Betonanlage, Silos und eine Wasserbehandlungsanlage aufgestellt.

Für die «Röschti-Farm» gibts eine provisorische Zufahrt. Richtung Dorf entstehen neben Humusdeponien eine Kantine, eine Werkstatt, Unterkünfte sowie Fabrikations- und Lagerungsmöglichkeiten. Ein Förderband führt vom Baugrubenabschluss beim neuen Portal weg.

Apropos Tunnelausbruchmaterial: Für den Abtransport wird extra ein Bahnverlad auf der Route Schinznach-Brugg–Wildegg eingerichtet. Dadurch können insgesamt 56 700 Lastwagen-Fahrten über die Kantonstrassen von und nach Wildegg eingespart werden.

Die Inbetriebnahme des neuen Eisenbahntunnels ist nach rund vierjähriger Bauzeit für 2020 vorgesehen. Der bestehende, zweispurige, jedoch nicht 4-Meter-taugliche Tunnel wird zu einem Dienst- und Rettungsstollen umfunktioniert. Fünf als Notausgänge ausgebildete Querverbindungen führen vom neuen zum alten Tunnel. Diese Umbaubauarbeiten dauern bis 2022.

Wohnung bei Station Effingen

Auf der nördlichen Seite des Bözbergtunnels bleibt das Gebäude des Geisterbahnhofs Station Effingen trotz Tunnelneubau auch in Zukunft bestehen. Die Wohnung im Obergeschoss ist seit längerer Zeit zur Vermietung ausgeschrieben. Gemäss SBB laufen aktuell Gespräche mit einem Interessenten.