Zuerst war Peter Haudenschild sprachlos, dann enttäuscht. Und schliesslich kam auch Wut auf. Die Linde, die er der Stadt Brugg vor fast genau fünf Jahren geschenkt hat, ist mutwillig beschädigt worden. So stark, dass der junge Baum gefällt werden muss.

Am Mittwochvormittag steht Haudenschild beim Schöneggplatz und begutachtet die Linde. Einer der Äste ist abgerissen worden. «Dieser Anblick tut weh», sagt der 71-Jährige. Gerettet werden könne der Baum nicht mehr, stellt er «als Oberförster-Sohn» fest, der Schaden sei zu gross. «Wer macht so etwas?», fragt sich Haudenschild. Eine Erklärung habe er nicht. «Man fühlt sich machtlos.» Auf jeden Fall, ist er sich sicher, habe jemand brachiale Gewalt angewendet.

Unterschriften gesammelt

Weil der Baum ein Geschenk an die Stadt war, könne er selber keine Strafanzeige einreichen, fährt er fort. «Sonst hätte ich es gemacht.» Ein solcher Vorfall, ist Haudenschild überzeugt, muss gemeldet werden, auch wenn die Chance klein sei, die Täter zu finden. Nicht zuletzt, um zu zeigen, dass nicht alle Leute solches Tun einfach so hinnehmen. «Solches darf nicht ungesagt geschehen.»

Peter Haudenschild sitzt seit 2014 für die FDP im Einwohnerrat und engagiert als Delegierter des Schweizerischen Seniorenrats. Vor rund fünf Jahren beabsichtigte der Stadtrat, auf der Badenerstrasse – im Bereich der Liegenschaft City-Galerie – eine Begegnungszone mit einer Tempo-20-Signalisation einzurichten. Im Zuge der Umgestaltung hätten die bestehenden Blumenrabatten sowie die vier rund 50-jährigen Linden auf der Seite Neumarktplatz gefällt werden sollen.

«Es gibt keinen Grund, dies zu tun», sagte Haudenschild damals. Er wehrte sich mit Erfolg gegen die Pläne und lancierte auf private Initiative eine Unterschriftensammlung, denn: «Wir wollen ganz einfach diese vier wunderbaren, schattenspenden Linden behalten.» Auch der Quartierverein Altstadt startete eine Petition. Rund 400 Unterschriften kamen insgesamt zusammen.

Vielleicht meldet sich Täter

Haudenschild überreichte der Stadt im Juli 2013 nicht nur die Unterschriften, sondern eben auch die junge Linde. Diese habe er, blickt er zurück, aus privater Kasse bezahlt und selbst mit dem Velo und Anhänger in Schinznach geholt. Er habe, fasst er zusammen, viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt.

Vielleicht, hofft Haudenschild, zeigt sich der Verursacher reumütig auf die Berichterstattung in den Medien «und die Sache kann behoben werden». Oder aber es melden sich Beobachter, die Angaben zur Täterschaft machen können.

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