«Ich habe Freude», meint Werner Döbeli und strahlt inmitten seiner Blumen- und Landschaftsbilder, die ab morgen bis zum 2. Oktober auf beiden Etagen des Zehntenstocks Oberflachs präsentiert werden.

Der 90-Jährige stützt sich auf seine Krücken. Die Knie wollen nicht mehr so, wie er das möchte. Sein Gehör hat stark nachgelassen, was ein Gespräch manchmal schwierig macht. Aber er freut sich immer noch des Lebens. «Klagen hört man ihn nie», sagt seine Frau Lore, mit der er seit 54 Jahren in Rüfenach lebt.

Anstatt viel zu reden, lässt Döbeli lieber seine Malereien sprechen. Der kreative Mann ist ein feinfühliger Beobachter der Natur und sieht Details, an denen andere Menschen schlicht vorbeischauen würden.

Blumen gehören zu den Lieblingsmotiven des ehemaligen Obergärtners. Tulpen und Narzissen, Kaiserkrone und Iris blühen auf seinen Exponaten um die Wette und verströmen beim Betrachten pure Freude. Die Landschaftsbilder mit Sujets aus seinem Heimatkanton und dem Tessin strahlen Ruhe und Frieden aus.

70 Bilder aus 30 Jahren

Döbeli widmet sich in seiner Kunst den schönen Seiten des Lebens und lässt alles Negative weg. Dazu gehören ein altes Backhaus im Bleniotal oder ein Strauss selbstgepflückte Margeriten, die er einst zum Geburtstag geschenkt bekam.

Rund 70 Bilder aus 30 Lebensjahren des passionierten Freizeitmalers sind in der Ausstellung im Zehntenstock zu sehen. Organisiert wurde sie von der Vereinigung Pro Oberflachs.

«Was ich nicht gezeichnet habe, habe ich nicht gesehen» (Goethe) ist eines der Lieblingszitate von Werner Döbeli. Denn die Liebe zur Malerei zieht sich seit der Kindheit wie ein roter Faden durch sein Leben.

Für ihn gibt es seit jeher nichts Schöneres, als mit der Staffelei mitten in der Natur zu sitzen und zu malen. «Dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen könnte, habe ich mir nie zugetraut», gesteht der Senior.

Der kreative Grossvater gibt Tipps

Jahrelang nahm er Kurse beim Kunstmaler Kurt Hediger. Und kam mit der Malgruppe, die sich jeweils am Samstag traf, weit in Europa herum. Gemeinsam reiste man nach Formentera, Ibiza, Lanzarote, Südfrankreich und Florenz und liess sich von den wechselnden Landschaften zu neuen Motiven inspirieren.

Wie ihm einst seine Mutter die Liebe zur Kunst vermittelte, inspirierte Döbeli später die Enkelinnen Mirjam, Doris und Irene. Die drei Frauen sitzen oft in Opas Garten und sind mit Pinseln, Pastellkreiden oder Kohlestiften zugange.

Vom erfahrenen Grossvater erhalten sie Tipps, was Proportionen und Schattenverhältnisse anbetrifft. «Diese Ausstellung wird meine letzte sein», sagt Döbeli ohne jegliche Spur von Traurigkeit. Denn ein endgültiger Abschluss ist es nicht.

Enkeltochter Mirjam Häusermann trägt das künstlerische Erbe weiter und zeigt erstmals eine Reihe von eigenen Bildern, darunter Impressionen aus Irland und Erinnerungen an den Kinderzirkus.