Fast wäre der Traum von Andrin Locher geplatzt. Beziehungsweise: Der Traum ist geplatzt, aber nur vorübergehend. Heute nämlich fliegt er mit Nachwuchs-Eishockeyspielern aus der ganzen Schweiz nach Kanada ans Pee-Wee Tournament. Ein Turnier, wo talentierte, junge Spieler aufeinander treffen.

Ein paar Tage zuvor ist im Hause Locher in Windisch noch nichts von Aufregung zu spüren, höchsten von Vorfreude. Denn dass Andrin Locher nun doch ans Pee-Wee Tournament reisen darf, kam einigermassen überraschend. Der bald 13-Jährige hatte nämlich nach drei Trainings mit dem talentiertesten Nachwuchs die Selektion nicht überstanden. Ins anschliessende Trainingslager wurde er nicht eingeladen. Statt Trübsal zu blasen, sagte sich Andrin Locher: «Dann muss ich noch härter arbeiten, damit ich besser werde als die anderen.» Heisst: Zu Hause machte er noch mehr Krafttraining, noch mehr Rumpfstabilisation, noch mehr Liegestützen vor dem TV. Nicht verbissen, aber fokussiert und mit einem unbändigen Willen.

Dylan Larkin (Detroit Red Wings)

Andrin Lochers Vorbild: Dylan Larkin von den Detroit Red Wings in Aktion.

 

In Kanada profitieren

Der Aufwand lohnte sich. Bei zwei Tagesturnieren gegen die Auswahl des ZSC und Lausanne überzeugte er den Coach und wurde daraufhin doch noch für das Turnier in Québec selektioniert. «Das bedeutet mir sehr viel. Einer der Besten zu sein, ist schon noch cool», sagt Andrin Locher zu Hause am Wohnzimmertisch. Allerdings: Zu viele Erwartungen steckt er nicht in das Turnier. Ziele hat er sich aber gesteckt. «Ich möchte besser werden, mein Können abrufen können und den Coach damit überzeugen», sagt er. Er weiss, dass das Niveau am Turnier höher ist als bei den Spielen in der Schweiz. Davon will der Windischer profitieren. «Die Kanadier sind schon sehr gut. Ich möchte mich mit ihnen messen», führt er aus. «Und ich möchte sehen, wie sie spielen und davon lernen.»

Es ist das erste Mal, dass Andrin Locher so weit von zu Hause weg ist. Die Familie wird ihn auf seiner ersten grossen Reise begleiten. «Häufig werden wir ihn wohl aber nicht sehen», meint sein Vater Christian Locher, der in Windisch für die SVP im Einwohnerrat sitzt. «Wir werden seine Spiele schauen und uns natürlich auch die Umgebung anschauen.» Dies wahrscheinlich ohne Andrin. Denn dessen Aufenthalt in Kanada ist durchgeplant. Etwas Zeit für Sightseeing und Shopping bleibt aber auch für den jungen Hockeyspieler. Ideen, was er sich im Mutterland des Eishockeys kaufen möchte, hat er bereits. «Neue Stöcke, Schlittschuhe und allenfalls ein NHL-Trikot», zählt er auf und grinst verschmitzt.

Mit vier Jahren hat es ihn gepackt

In der Familie Locher war Andrin der Erste, der sich fürs Eishockeyspielen entschieden hat. Mit 4 Jahren war er erstmals mit Schlittschuhen auf dem Eis, damals lebte die Familie noch im Kanton Thurgau. Und schon nach der ersten Fahrt auf dem Eis hatte es Andrin gepackt. «Wir gingen dann am Samstag ein erstes Mal in die Hockeyschule», erinnert sich Christian Locher. «Zurück sind wir dann mit der ganzen Ausrüstung gekommen.»

Später zog die Familie Locher nach Windisch. Andrin fand Unterschlupf bei den Argovia Stars. Doch das war für den ehrgeizigen Spieler eine schlechte Zeit. So schlecht, dass er die Schlittschuhe beinahe an die Wand und den Helm in die Ecke warf. «Wir haben praktisch jedes Spiel verloren, gefördert wurden wir kaum», sagt Andrin Locher. Weil sie wussten, wie wichtig ihrem Sohn das Eishockey ist, suchten die Eltern nach einer anderen Möglichkeit. Beim EHC Kloten wurden sie fündig. Heute spielt er bei den Moskito Tops, seit letztem Sommer als Stürmer.Vier Mal pro Woche fährt ihn Mami Sylvia ins Training, zu Hause steht Krafttraining auf dem Plan. In der Schule nimmt man Rücksicht auf Andrins strengen Trainingsplan. Zwei Lektionen hat er zur Verfügung, um die Ufzgi zu machen.

Wie es später mit Ausbildung und Sport weiter geht, weiss die Familie noch nicht. Eines aber weiss Andrin: Den Traum von der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt, wird er weiter verfolgen und seinem Vorbild und Lieblingsspieler Dylan Larkin von den Detroit Red Wings nacheifern. «Er hat den Biss dazu», sagt Vater Christian Locher. Ihm ist bewusst, dass auf dem Weg dahin noch viel passieren kann. Aber wer weiss: Vielleicht reist Andrin in ein paar Jahren wieder nach Kanada. Dieses Mal mit der Chance, in ein NHL-Team gedraftet zu werden.