Brugg-Windisch
Diese Windischer Wirtschaftsingenieurin hat die beste Bacherlorarbeit geschrieben

Drei Jahre studierte Büchli an der FHNW, im SOmmer 2016 hat sie ihre Bachlorarbeit abgegeben. Nun ist die Wirtschaftsingenieurin Kathrin Büchli (25) wurde in Bern dafür ausgezeichnet worden.

Deborah Bläuer
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Lange Zeit war der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz Brugg-Windisch Kathrin Büchlis zweites zu Hause.Sandra ArdizzonE

Lange Zeit war der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz Brugg-Windisch Kathrin Büchlis zweites zu Hause.Sandra ArdizzonE

Sandra Ardizzone

Mittlerweile kennt sich Kathrin Büchli hier bestens aus. Eigentlich stammt sie aus Elfingen, aber fürs Studium an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch ist sie nach Windisch gezogen. Unterdessen arbeitet die 25-Jährige in einem 100-Prozent-Pensum als Projektleiterin bei Laborplaner Tonelli AG in Gelterkinden. Doch auf dem Campus Brugg-Windisch ist sie immer noch ein wenig zu Hause. Sie besuche heute Abend einen Vortrag, sagt sie und hält kurz an, um ein paar Worte mit einem ehemaligen Studienkollegen zu wechseln.

Drei Jahre studierte Büchli an der FHNW Wirtschaftsingenieurwesen und auch ausserhalb der Vorlesungen verbrachte sie zahlreiche Stunden hier, um an ihrer Bachelorarbeit zu schreiben, die sie im Sommer 2016 abgeben musste. Harte Arbeit, die sich gelohnt hat. Am 19. Oktober gewann sie in Bern den WI-Award 2017. Damit zeichnet die Vereinigung Wirtschaftsingenieure Schweiz (VWI CH) jedes Jahr die besten Bachelor- und Masterarbeiten der Schweiz aus.

Das Konzept wird ausgearbeitet

Büchlis Arbeit dreht sich um die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Diese dient der Förderung von erneuerbaren Energien für die Stromproduktion. Will heissen: Unternehmen oder Privatleute, die Strom aus Biomasse, Photovoltaik, Geothermie, Kleinwasser- oder Windkraftanlagen produzieren, können einen Antrag stellen, damit sie für den ins Netz eingespeisten Strom eine Entschädigung erhalten. Allerdings haben nicht alle Anspruch darauf. Die Anlagen müssen nämlich bestimmte Anforderungen erfüllen und die rechtlichen Grundlagen einhalten.

Büchli hat diese Kriterien analysiert und für die nationalen Stromnetzbetreiberin, die Firma Swissgrid, ein erstes Konzept dazu aufgestellt, wie solche Anlagen künftig überprüft werden sollen. Das Unternehmen ist nun gerade dabei, dieses Konzept detailliert auszuarbeiten. «Es ist wichtig, dass die KEV-Vergabe korrekt und exakt angewendet wird», erklärt der zuständige Abteilungsleiter René Burkhard. «Doch es gibt viele Grauzonen im Gesetz und laufend Änderungen. Umso wichtiger ist es, gut zu kontrollieren.»

Auf die Firma Swissgrid wurde Büchli bei einem geführten öffentlichen Rundgang aufmerksam. Es interessiert sie, wie erneuerbare Energien funktionieren und was damit erreicht werden kann. Sie sagt: «Die Arbeit der KEV möchte ich gerne unterstützen, sodass eine effiziente und zielgerichtete Förderung der erneuerbaren Energien sichergestellt werden kann.»

Als «sehr komplex» beschreibt Büchli die Arbeit. Es gebe viele verschiedene Anlagetypen zur Stromerzeugung und die Gesetzesgrundlagen seien äusserst umfangreich. Nicht verwunderlich, dass sie für die 250 Seiten umfassende Arbeit mehr als 300 Stunden investiert hat.

Alles alleine zu machen, sei eine grosse Herausforderung gewesen, erzählt sie. Bei der Einzelarbeit habe ihr der Austausch mit anderen Studenten und die Möglichkeit, die Arbeit aufzuteilen, gefehlt. Es sei auch schwierig gewesen, nichts zu vergessen und das Thema ganzheitlich zu erfassen. «Schwierig war es, tief genug in das Thema einzutauchen und sich trotzdem nicht in Details zu verlieren», führt sie aus.

Umso wertvoller war für sie der Austausch mit Angestellten der Swissgrid und ihrem Projektcoach von der FHNW. Dieser half ihr dabei, ihre Arbeit immer wieder kritisch zu hinterfragen. Einen Ausgleich für diese kopflastige Tätigkeit fand sie als Jugendgruppenleiterin der evangelisch-methodistischen Kirche Windisch und in der Fachschaft Technik der FHNW, wo sie Events organisierte.

«Ein Stein vom Herzen gefallen»

Für den WI-Award wurde sie von der Schule nominiert. Während eines kurzen Vortrags galt es, das Publikum, das sich aus Experten und Laien zusammensetzte, zu überzeugen. 250 Seiten hochkomplexe Materie in zehn Minuten zusammenzufassen, war alles andere als ein leichtes Unterfangen. Doch Büchli überzeugte ihre Zuhörer. Ihr sei ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, schildert sie den Moment, als sie als Gewinnerin bekannt gegeben wurde und lächelt bei der Erinnerung. Sie sei auch dankbar, für die viele Arbeit eine Anerkennung zu bekommen. Als Preis erhielt sie ein Diplom, 2000 Franken und zusätzlich eine Mitgliedschaft bei der VWI CH.

Zurzeit geniesst die ehemalige Studentin ihre spannende Arbeit als Projektleiterin. Allerdings könnte sie sich auch vorstellen, eines Tages vielleicht wieder an die Fachhochschule zurückzukehren und dann den Master in Angriff zu nehmen.