Bezirk Brugg
Diese Verwaltungen im Bezirk Brugg nutzen Facebook

Die Gemeinde Riniken ist ein Vorzeigebeispiel, wie eine Behörde Facebook nutzen kann. Kommunikationsberater Bruno Hofer ist überzeugt, dass Social Media Gemeinden helfen: «Eine solche Facebook-Seite kann das Wir-Gefühl in einer Gemeinde steigern.»

Janine Müller
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Facebook-Auftritt der Gemeinden im Bezirk Brugg

Facebook-Auftritt der Gemeinden im Bezirk Brugg

AZ
Facebook-Auftritt der Gemeinden im Bezirk Brugg

Facebook-Auftritt der Gemeinden im Bezirk Brugg

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Impressionen vom Bannumgang, der Hinweis auf das Fussball-Grümpelturnier oder Infos über das geplante Tiefenlager am Bözberg: Die Gemeinde Riniken mit knapp 1500 Einwohnern ist ein Vorzeigebeispiel, wie eine Behörde Facebook nutzen kann. Kürzlich forderte sie im Gemeindeblatt – ja, das gibt es auch noch – ihre Bürger dazu auf, die Facebook-Seite doch zu «liken». Man wolle bald 200 Likes erreichen.

Gemäss dem Riniker Kommunikationsberater Bruno Hofer betreibt die Gemeinde die Facebook-Seite genau so, wie man es sollte. Mit Fotos von öffentlichen Anlässen, Hinweisen auf Veranstaltungen und Aufrufen an die Vereine, eigene Beiträge zu posten, schaffe die Gemeinde so einen niederschwelligen Kontakt zu den Einwohnern. Der Auftritt kommt weniger behördenlastig daher, die Distanz zwischen Verwaltung und Bürgern ist geringer. «Eine solche Facebook-Seite kann das Wir-Gefühl in einer Gemeinde steigern», ist sich Bruno Hofer sicher. Er hat die Gemeinde Riniken im Aufbau der Seite betreut und beraten.

Mehr Diskussionen gewünscht

Ein ebenso gutes Beispiel ist der Facebook-Auftritt der Gemeinde Birr. Hier posten die Verwaltungsangestellten sogar Videos, beispielsweise vom Brötliexamen. Selbst eine der kleinen Gemeinden im Bezirk – Scherz (rund 600 Einwohner) – führt eine Facebook-Seite. «Facebook ist eine spielerische Art, unsere Einwohner auf dem Laufenden zu halten. Schön ist die Möglichkeit, Berichte, Fotos oder Videos teilen zu können, was ansonsten eher schwierig ist», sagt Gemeindeschreiberin Michèle Bächli. «Natürlich würden wir uns auch freuen, wenn unsere ‹Likers› eigene Fotos aus Scherz oder Anregungen oder Diskussionspunkte einbringen würden.» Ziel der Facebook-Seite sei es, zeitnah über Geschehnisse und Neuigkeiten aus der Gemeinde zu berichten. «Zudem erlaubt uns diese Seite allenfalls auch, ein Publikum zu erreichen, das sonst nur wenig Zeit oder Möglichkeiten hätte, sich über Aktuelles aus unserer Gemeinde zu informieren. Sei es, weil sie im Ausland wohnen oder viel unterwegs sind», ergänzt Bächli.

Die Gemeinde Birr (4300 Einwohner) erhofft sich mit der Seite einen guten Austausch. «Zudem ist die Facebook-Seite ein moderner Auftritt für die Gemeinde und dient der Imagepflege», betont Gemeindeschreiber Alexander Klauz. Die Facebook-Seite initiierte die Gemeinde gemeinsam mit dem neugestalteten Webauftritt. Auch die Gemeinde Riniken will die Kommunikation mit den Einwohner dank Facebook fördern. Und: «Wir wollen der Welt zeigen, wie gut Riniken ist», teilt Gemeindeschreiber Martin Maumary mit.

Obwohl alle Gemeinden nur von guten Erfahrungen berichten, sind es bisher die einzigen drei Verwaltungen im Bezirk Brugg, die aktiv eine Facebook-Seite betreiben. Facebook erstellt zwar für jede Gemeinde automatisch eine Seite, diese ist aber jeweils mit dem (englischsprachigen) Eintrag auf Wikipedia verlinkt. Eine eigene Seite betreuen bedeutet also einen Aufwand vonseiten der Gemeinde.

Kein Bedarf bei vielen Gemeinden

Diesen scheinen viele nicht auf sich nehmen zu wollen. In vielen Verwaltungen war Facebook noch nicht einmal ein Thema. In der Gemeinde Bözberg hatte man Facebook schon mal auf der Traktandenliste, «jedoch relativ schnell wieder verworfen», wie es vonseiten der Verwaltung heisst. «Für eine solch kleine und ländliche Gemeinde wie unsere halten wir Social Media nicht als einen geeigneten Kommunikationskanal.» Dies mache viel eher für Städte oder Grossgemeinden Sinn.

Aus Hausen heisst es: «Weil das Betreiben eines solchen Kanals ressourcenintensiv ist und solche zur Zeit nicht zur Verfügung stehen, betreiben wir keinen Social-Media-Kanal. Dieser muss tagesaktuell unterhalten und mindestens wöchentlich mit neuen Informationen bedient werden, damit dieser auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen und von den Zielgruppen akzeptiert wird», führt Gemeindeschreiber Christian Wernli aus. «Sonst macht das Einsetzen von solchen Kanälen keinen Sinn. Man darf nicht der Versuchung erliegen, kurzerhand ein Facebook-Profil zu erstellen und dieses danach nicht aktiv zu pflegen.»

Anzahl Likes ist nicht so wichtig

Argumente, die Kommunikationsberater Bruno Hofer nur teilweise nachvollziehen kann. «Jede Gemeinde betreibt ja sowieso eine Website, die genauso mit Informationen gefüllt werden muss», sagt er. «Die Facebook-Seite kann im gleichen Arbeitsschritt unterhalten werden.» Zudem seien oft jüngere Verwaltungsmitarbeiter onlineaffin und würden diesen Job gerne übernehmen. «Eine Gemeinde kommt mit einer Facebook-Seite bürgerfreundlicher rüber. Das ist ein Vorteil im Standortmarketing», ist Bruno Hofer überzeugt. Denn auch die Gemeinden müssten heute um Neuzuzüger buhlen und stehen in einem ständigen Wettbewerb. «Kommt eine Gemeinde auf Facebook freundlich daher, wirkt das einladend auf potenzielle Neuzuzüger.» Hofer fügt noch einen weiteren Pluspunkt für Social Media an: «Der finanzielle Aufwand ist gering. Facebook ist günstiger als eine Gemeindezeitung, weitaus effektiver und einfacher zu gestalten.» Fragen aus dem Publikum müssten nicht in einzelnen Bürgerbriefen angenommen und beantwortet werden, sondern können in einem einzigen Post erledigt werden.

Doch bisher scheinen die Facebook-Seiten der drei beteiligten Gemeinden noch etwas zu harzen. Birr hat 59 Likes, Scherz 58 und Riniken immerhin 122. Kein Problem, meint Hofer. «Es kommt nicht auf die Likes drauf an. Viel wichtiger sind die Interaktionen, die auf der Seite gemeinsam mit der Bevölkerung stattfinden.

Selbst die beiden Zentrumsgemeinden Brugg und Windisch betreiben bis jetzt keine Facebook-Seite. Aus der Stadtverwaltung Brugg heisst es: «Der Stadtrat wird sich zu gegebener Zeit im Rahmen der Erarbeitung eines Kommunikationskonzepts diesem Thema annehmen.» Es ist vorgesehen, einen Kredit für das Budget 2016 für die Erarbeitung des Kommunikationskonzepts einzustellen. Die Brugger und Windischer müssen sich also vorläufig mit den Facebook-Gruppen «Du bisch vo ...» zufrieden geben. Die sind beliebt und werden rege genutzt.