Manuela Eckert mag es bunt und kitschig. Seit 20 Jahren stellt sie unter dem eigenen Label Medusa-Design in liebevoller Handarbeit hochwertige selbst entworfene Taschen her. Inzwischen hat sich die gebürtige Windischerin auf Schul- und Kindergartentaschen aus Kunstleder spezialisiert.

Selber habe sie wohl ein kleines Schulsack-Trauma, sagt sie beim Besuch in ihrem Atelier in der Alten Spinnerei in Unterwindisch und lacht. Denn auf den Schulanfang bekam sie von ihren deutschen Verwandten einen knallgelben Schulsack geschenkt. Da dieser klobiger war als die Modelle in der Schweiz, habe sie sich damit fast ein wenig geschämt. Eine solche Erfahrung kann Manuela Eckert heute den Primarschülern und -schülerinnen ersparen mit ihren – nach individuellen Wünschen hergestellten – Schultaschen.

Partys im Keller und Modeschauen im KIFF

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte die ausgebildete Damen- und Theaterschneiderin in den 1990er-Jahren. Zusammen mit vier Kollegen und Kolleginnen führte sie in Aarau in der Vorderen Vorstadt einen Laden mit Ateliers. Drei Personen nähten Kleider, ein Goldschmied fertigte Schmuck an und eine tätowierte. «Wir waren in der Alternativen-Szene unterwegs, feierten im Keller Partys und veranstalteten im Kulturlokal KIFF Modeschauen», erinnert sich Eckert. Für ein Jubiläum der Alu Menziken kreierte das Ladenkollektiv eine Kleiderkollektion aus Aluminium. Als zweites Standbein nahm Eckert später eine Stelle als Theaterschneiderin im Opernhaus Zürich an.

In ihrem Atelier spezialisierte sie sich immer mehr auf Accessoires. Mit Kunstledertaschen – teilweise kombiniert mit feinen Stoffen – konnte sie ihre Leidenschaft fürs Nähen ausleben und damit auch Geld verdienen. Es war die Zeit, als die Freitag-Taschen aufkamen und sich die Mitglieder des Fünferteams in Aarau neu orientierten. Manuela Eckert zog in ein Atelier nach Zürich, wo sie sich mit ihren Taschen auch an der internationalen Designmesse Blickfang beteiligte.

Das zweite Standbein konnte die Aargauerin später vom Zürcher Opernhaus ins Leutschenbach zum Kostümatelier von SRF verlagern. Hier arbeitet sie noch heute in einem 30%-Pensum unter anderem beim Betreuen und Einkleiden von Sendungen wie «Darf ich bitten?», wenn sich Stars durch die Zeit tanzen. Die nächste Staffel läuft ab Februar 2020.

Doch zurück zu den Taschen: Auf die Idee, Kindergarten- und Schultaschen herzustellen, kam Manuela Eckert durch eine Kollegin. Dieser gefiel nämlich eine pinkfarbene Damentaschen mit aufgenähten gelben, blauen und grünen Blumen so gut, dass sie Eckert fragte, ob sie das gleiche Modell nicht auch als Kindergartentasche herstellen würde. «Erst mit dieser Anfrage realisierte ich, dass ich nicht die Erwachsenen, sondern die Kindergärtler und Erstklässler als Kunden im Fokus haben sollte», erzählt die 51-Jährige.

Seit Manuela Eckert vor zehn Jahren ihr Atelier zusammen mit ihrem Familienwohnsitz nach Unterwindisch verlegt hat, hat sie im hohen Raum mit den grossen Fenstern in der Alten Spinnerei zirka 100o Schultaschen selber hergestellt und in der Schweiz sowie zu einem kleinen Teil nach Deutschland verschickt. Erhältlich sind die Unikate, die laut Eckert aufgrund des Kunstleders auch Veganer ansprechen, über ihren eigenen Online-Shop oder einige Kinderkleider-Fachgeschäfte in Zürich und Basel.

Die Arbeit im Atelier hat für sie etwas Meditatives

Natürlich war auch Eckerts Sohn, der mittlerweile 12 Jahre alt ist, im Kindergarten und in der Unterstufe mit einer Medusa-Tasche unterwegs. Wie alle Kunden konnte er selber die Farben zusammenstellen und die Motive aussuchen. «Dieses Jahr sind die goldenen Schultaschen im Trend. Im Normalfall kann ich die Bestellungen innerhalb von einer Woche ausliefern», sagt die Designerin.

Wenn die Nachfrage hoch ist, legt Eckert auch mal eine Nachtschicht ein. Das Arbeiten im grosszügigen Atelier habe etwas Meditatives. Sie schätzt das kreative Umfeld im Kunz-areal und zeigt auf eine Stanzmaschine, die ein Modellbauer aus der Nachbarschaft für sie optimiert hat, damit sie die Motive einfacher produzieren kann. Künftig möchte Manuela Eckert zwar vermehrt mit neuen Materialien experimentieren. Ihrem Handwerk im fröhlichen und bunten Stil will die Schneiderin aber treu bleiben – und zwar noch möglichst lange.