Birr
Diese roten Kirschen sind auch Tennisbälle

An der langen Birrfeldstrasse stehen 12 Chriesibäume. Ein Baum tanzt völlig aus der Reihe. Beim Nähertreten erkennt man, um was es sich bei den Chriesi handelt – um rot gefärbte Tennisbälle. Doch was hat es damit auf sich?

elisabeth feller
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Pausbackige Äpfel an einem Baum mit Kirschbaumblättern? Erst beim Nähertreten wird klar: Da hat jemand Tennisbälle lustvoll zweckentfremdet und aus ihnen riesige rote Chriesi gemacht. Walter Schwager

Pausbackige Äpfel an einem Baum mit Kirschbaumblättern? Erst beim Nähertreten wird klar: Da hat jemand Tennisbälle lustvoll zweckentfremdet und aus ihnen riesige rote Chriesi gemacht. Walter Schwager

Aargauer Zeitung

Die Velofahrerin ist auf der langen, von Mellingen zum Flugplatz Birrfeld führenden Birrfeldstrasse unterwegs. Sie fährt diese Strecke oft und kennt deshalb die Felder ringsum und die 12 Hochstamm-Kirschbäume auf der linken Seite. Ein Baum sticht der Velofahrerin immer wieder ins Auge. Aus seinem Geäst leuchtet es knallrot. Die Farbe fällt auch einem Automobilisten und Naturliebhaber auf. Kirschbäume und Kirschbaumblätter kennt er aus dem Effeff. Er stutzt: Kirschen sind doch längst geerntet, schiesst es ihm durch den Kopf. Aber an diesem Baum hängen sie noch immer, unverhältnismässig gross.

Er geht der Sache auf den Grund

«Irgendetwas stimmt nicht», denkt sich der Autofahrer, fährt seinen Wagen zur Seite und steigt aus. Er will der Sache auf den Grund gehen. Beim Nähertreten erkennt er, um was es sich bei den Chriesi handelt – um rot gefärbte Tennisbälle. Der Autofahrer freut sich über die witzige Überraschung. Wer steckt dahinter? Die Suche führt zu Karl Wüst in Birrhard. Ihm gehören die 12 Kirschbäume auf Birrer Boden; er pflegt und hegt sie «hobbymässig». Dass einer der Bäume nun Aufsehen erregt, lässt Wüst vergnügt lachen. Die als Chriesi «verkleideten» Tennisbälle hängen nämlich bereits seit Mai im Geäst. Bloss hatte davon nur Kenntnis, wer die Birrfeldstrasse aufsuchte – etwa die Helferinnen und Helfer bei der Chriesi-Ernte.

Hat sich Karl Wüst den Jux ausgedacht? Er nicht, aber ein Kollege aus Othmarsingen – André Gertsch. «Er ist ein ehemaliger Eisenbahner wie ich auch», sagt Wüst. Er wusste um Gertschs Fantasie und liess ihn gewähren. Jedes Jahr gestaltet der Othmarsinger nun einen Chriesibaum nach Lust und Laune um. Einmal platzierte er Flaschen so in den Blüten, dass der Betrachter Williamsbirnen zu entdecken glaubte. Ein andermal setzte er eine Puppe vor den Baum und liess die Betrachter rätseln, ob es sich um zeitgenössische Kunst handeln könnte. «Auf jeden Fall ist André Gertsch stets für Überraschungen gut.» Wüst empfindet Gertschs Aktionen als wohltuend, da völlig zweckfremd – «sie wollen einfach nur Freude und Spass machen.»

«Die nehme ich nicht runter»

Wann die zu Chriesi mutierten Tennisbälle entfernt werden, weiss Karl Wüst nicht. Salopp gesagt: Es ihm auch egal. Er habe zu seinem Kollegen gesagt: «Die nehme ich ganz bestimmt nicht runter.» Somit wird der mit roten Tennisbällen fröhlich verfremdete Chriesi-Baum an der Birrfeldstrasse seine zufälligen oder auch nicht-zufälligen Betrachter weiterhin erfreuen – bis André Gertsch im nächsten Jahr mit einer neuen Surprise aufwartet.

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