«Bisher sind wir für die Ernte immer auf die Leiter gestiegen. Doch selbst die längste Leiter reicht hier nirgends hin», sagt Cornelia, alias Flumi, Brennwald, verantwortlich für die Verarbeitung und den Verkauf bei der ArboVitis.

Zu viert hätten sie jeweils während eines halben Tages Lindenblüten gepflückt. Die Tilia Baumpflege AG unterhält den rund 25 Meter hohen Baum im Auftrag der Gemeinde. «Jetzt versuchen wir es mit der Hebebühne. Das ist bestimmt weniger gefährlich und auch effizienter», so Brennwald weiter.

Lindenblüten für Eistee

Die unter Naturschutz stehende Linner Linde ist voll im Saft. Unter der mächtigen Baumkrone hört man die Bienen summen. «Es ist schön, dass es dem Baum wieder besser geht als früher», sagt Brennwald, steigt zusammen mit ihrem Kollegen in den Korb der Hebebühne und fährt hoch.

Die Lindenblüten werden anschliessend getrocknet. Sobald die Kirschenernte vorbei ist, wird sich Flumi Brennwald um die Eistee-Produktion kümmern. Linner Lindenblüten, Zitronensaft, wenig Zucker und ein bisschen Kirschensaft für die Farbe: So lautet das Rezept für das biozertifizierte Erfrischungsgetränk.

Pasteurisiert ist es eineinhalb Jahre haltbar. «Für 1000 Liter Eistee brauchen wir rund zwei Kilogramm getrocknete Lindenblüten», verrät Brennwald.

Alle dürfen Blüten pflücken

Der lange, weisse Arm der Hebebühne und die ungewohnte Pflückmethode versetzen die Passanten ins Staunen. Viele Besucher wüssten nicht, dass sich alle mit Lindenblüten eindecken dürfen, so Brennwald, die auch schon von Passanten in Linn zurechtgewiesen wurde.

«Für den Baum ist es gut, wenn die Blüten geerntet werden. Dazu gehört aber auch ein behutsames Vorgehen. Die Linde darf nicht beschädigt werden», sagt die Eistee-Produzentin.

ArboVitis und Tilia haben sich zum Ziel gesetzt, vor allem die Blüten im oberen Teil der Krone zu ernten, damit die Besucher vom Boden her einfachen Zugang zu den Lindenblüten haben. «Das sind wir der Öffentlichkeit auch schuldig», sagt Martin Erb, Geschäftsführer der beiden Unternehmen.