In der umgebauten Abwasserreinigungsanlage (ARA) Windisch kommt mit der neuen Biofiltration eines der derzeit modernsten und leistungsfähigsten Verfahren zum Einsatz. Beim Reinigungsprozess – wenn der Klärschlamm vom Wasser getrennt wird – fällt Klärgas an. Dieses kann die Energieversorgerin IBB als Neuheit zu 100 Prozent für ihre Erdgas- und Biogas-Produkte nutzen. Dafür besteht eine vertragliche Vereinbarung mit dem Abwasserverband.

In der Vergangenheit wurde dieses Gas in zwei Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt. Gerade letztere sei zu einem grossen Teil ungenutzt an die Umgebung abgegeben worden, sagt Felix Kreidler, Leiter Projekte, Geoinformation und Anlagen-Management bei der IBB. Im Rahmen der Planung des ARA-Ausbaus sei dieses Vorgehen hinterfragt worden. Laut Kreidler hat sich gezeigt, dass es sinnvoller ist, das Klärgas zu Biogas in Erdgasqualität aufzubereiten. «Die Einspeisung in das IBB-Erdgasnetz weist nebst ökonomischen auch wesentliche ökologische Vorteile auf, da die Energie des Klärgases vollständig genutzt wird», erklärt der Projektleiter im Magazin «Anschluss» der IBB. Anders ausgedrückt: «Mit diesem neuen Verfahren erreichen wir eine optimierte Energienutzung. Das anfallende Erdgas wird wesentlich besser und mit weniger Verlust genutzt als früher.»

Resultate sind vielversprechend

Die Klärgasaufbereitung habe problemlos in Betrieb genommen werden können, sagt Kreidler auf Anfrage. Die technischen Abnahmen seien erfolgt und bereits bis Ende 2016 hätten 1300 MWh in das Erdgasnetz eingespeist werden können, was dem Heizbedarf von 65 älteren Einfamilienhäusern pro Jahr entspreche.

Reibungslos geklappt habe ebenfalls das Hochfahren der neuen Biofiltration. Bei diesem Verfahren haften die Mikroben an kleinen Blähtonkugeln und sorgen für die Klärung des Abwassers. Zurzeit befinde sich die Anlage in einem Leistungstest, führt Kreidler aus. «Die Resultate zeigen auf, ob die vertraglich garantierte Reinigungsleistung sowie der Energieverbrauch eingehalten werden.» Was, den ersten Resultaten zufolge, tatsächlich der Fall sei. «Die Betreiberin ist damit sehr zufrieden», stellt der Projektleiter fest. Innerhalb des Leistungstests könnten dann Optimierungen in Bezug auf die Reinigung und den Energieverbrauch vorgenommen werden.

Die Anlage war überlastet

Gereinigt wird in der ARA in Windisch das Abwasser von 12 Gemeinden aus der Region Brugg-Birrfeld. Pro Jahr fallen etwa 6 Mio. Kubikmeter an. In Betrieb genommen wurde die Anlage im Gebiet Sommerau 1967 für rund 30 000 Einwohner. Im Laufe der Zeit wurde zwar die mechanische Ausrüstung der biologischen Stufe saniert, an den Beckenvolumen oder am Verfahren wurden aber keine grösseren Veränderungen vorgenommen. Will heissen: Mit der Vergrösserung des Einzugsgebiets stiess die Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen. Beschlossen wurden deshalb eine Sanierung und ein Ausbau für 28 Mio. Franken. Der Spatenstich fand nach einer mehrjährigen, intensiven Planungsphase im Juni 2014 statt. In Zukunft kann in der ARA das Abwasser von rund 80 000 Einwohnern behandelt werden.

Im Juni des letzten Jahres hat der Vorstand des Abwasserverbands übrigens einen weiteren Kredit von knapp 7 Mio. gesprochen: für die Nutzung der alten Nachklärbecken für die Regenwasserbehandlung sowie für Hochwasserschutz- und verschiedene Werterhaltungsmassnahmen. Die sichtbaren Arbeiten beim Umbau der Abwasserreinigungsanlage sollen bis September abgeschlossen sein. Am 9. September ist ein Tag der offenen Türe geplant.