Der grüne Spielzeugtraktor saust flink durchs Gras, während die grosse Plastikkuh Belinda geduldig am Eingang der Schule Habsburg steht. Sie strahlt Ruhe aus mit ihrer Glocke um den Hals und dem Eimer unterm Euter. Belinda ist eine von sieben Stationen beim quirligen Familienplausch für Gross und Klein, an dem sich alles rund um den Bauernhof dreht. Beim traditionellen Brötliexamen wird an diesem Samstagnachmittag rund um das Schulhaus viel gelacht, gespielt und für Punkte alles gegeben, bevor die Aufführung des Musicals «D’Chinderbrugg» beginnt.

Kindergärtnerin Rita Bergauer steht vor einer Holzkiste mit Heu. Die Aufgabe bei ihr ist knifflig: Man muss darin eine stumpfe Stecknadel finden. Die Kinder in der Gruppe steigen sofort in die Kiste und durchwühlen das Heu, während sich die Erwachsenen von aussen an das Problem heranmachen. An der Station von Franziska Dubied steht ein grosses Glas mit Bohnen bereit. Jede Gruppe soll schätzen, wie viele Bohnen insgesamt im Glas sind. Weitere Aufgaben sind das Traktorenrennen, das Kartoffelbalancieren, Rüeblis und Kartoffeln bewegen sowie das tierische Pantomime-Spiel.

Zwei streitende Bauern

Nach dem Wettbewerb ziehen sich einige Kinder um und werden flink zur Pöstlerin, zur Magd, zur Bäuerin und zum Bauer. In einem Zimmer werden ihre Gesichter geschminkt und die langen Haare der Mädchen zu Zöpfen geflochten. Alle fiebern dem Auftritt entgegen. Die Eltern und Verwandten scheinen ebenso nervös zu sein. «Wir haben so fest geübt», betont Lehrerin Sabine Vos de Mooij vor Beginn der Musicals, bei dem es um zwei streitende Bauern geht, die links und rechts eines Flusses wohnen. Die Kinder lernten dafür viel Text auswendig und arbeiteten fleissig an einem bunten Bühnenbild.

Die gelbe Papier-Sonne strahlt von oben, während die farbenfrohe Kinderschar vom ersten Moment an aus vollem Herzen singt. Dann werden die Kinder zu souveränen Schauspielern, zu den Bauersleuten Maier, die verkracht sind mit Müllers, die auf der anderen Seite des Flusses wohnen. «Müller, der Löli» – «Maier, der Hund»: beschimpfen sie sich gegenseitig. Doch soll nur Streit und Eifersucht untereinander herrschen? «Die haben es besser», singen Müllers grün vor Neid und zeigen dabei mit dem Finger auf die anderen.

Das gemeinsame Fondue

Aber wer macht in dieser Situation den ersten Schritt? Eines Tages füttert Tina, die Tochter von Maier, am Fluss kleine Entlein während Ronny Müller am gegenüberliegenden Ufer angelt. Plötzlich treffen sie sich auf einem Stein in der Mitte des Flusses, wo sie schnell Freundschaft schliessen. Von nun an treffen sie sich regelmässig. Dann aber hat der Fluss Hochwasser und sie können sich nicht mehr sehen. Sie werden traurig. Daher lenken ihre Familien ein, bauen über den Fluss eine Brücke und kommen bei einem gemeinsamen Fondue zusammen. Der Streit wird beendet.

Als alle gemütlich zusammensitzen, merken sie, dass es im Leben doch viel schöner ist, wenn man aufeinander zugeht und Freundschaft schliesst. Die Zuschauer stimmen ihnen zu und applaudieren kräftig. Abschliessend singen alle das Brötliexamenlied und die Examensbrote werden verteilt. Das Fest endet mit einem Apéro und Feinem vom Grill.