Brugg
Diese Frau ist von vorgestern – und eröffnet bald einen eigenen Laden

Theresia Anderes hat eine Schwäche für alte Sachen. Diese will sie mit anderen teilen. Mit der Eröffnung eines Antiquitätenladens in der Brugger Altstadt erfüllt sie sich einen Traum.

Timea Hunkeler
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Theresia Anderes in ihrem Antiquitätenladen Nostalgie, den sie am 13.Oktober in der Brugger Altstadt eröffnet.Timea Hunkeler

Theresia Anderes in ihrem Antiquitätenladen Nostalgie, den sie am 13.Oktober in der Brugger Altstadt eröffnet.Timea Hunkeler

Timea Hunkeler

«Ich will mich jetzt, mit 60 Jahren, nochmals neu im Leben orientieren», sagt Theresia Anderes. Die Orientierung verlor sie nämlich vor drei Jahren bei einem Unfall. Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma. Noch heute hat sie mit den Folgen zu kämpfen.

Doch, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, erfüllt sich Anderes einen Traum: Sie eröffnet am 13. Oktober an der Hauptstrasse 49 in der Brugger Altstadt einen Antiquitätenladen. «Ich habe nicht danach gesucht. Eines Tages habe ich erfahren, dass dieses Lokal bald zur Vermietung stehen wird und so kam ich auf die Idee», erzählt sie. Doch sie habe anfänglich auch Zweifel gehabt. «Ich wohne in der Vorstadt und weiss, wie schwierig es ist, in der Altstadt ein florierendes Geschäft zu führen.» Schlussendlich sei es ihre Tochter gewesen, die sie dazu ermutigte, ihre Idee umzusetzen.

Leidenschaft nicht geerbt

Ein Greenhorn im Business ist Anderes aber auf keinen Fall. «Ich habe
33 Jahre lang meine Sachen auf dem Flohmarkt in Baden verkauft. Ich war immer die mit den schönsten Sachen», sagt die 60-Jährige und lacht. Da ihr der Flohmarkt nach dem Unfall zu viel wurde, musste sie sich überlegen, wohin sie mit ihrer Ware soll.

Sie besitze zwar ein Lager, aber den Verkauf ihrer Schätze wolle sie dennoch weiter führen. Dies sei ein weiterer Grund, weshalb sie einen Antiquitätenladen aufmachen wolle. «Ein Laden nicht nur mit Antiquitäten. Einfach Altes und Schönes», verbessert sie sich. In letzter Zeit haben laut Anderes viele Brockenstuben in der Umgebung geschlossen, weshalb sie ihren Laden auch als Marktlücke sieht.

Ausserdem fange sie nicht bei Punkt Null an, denn sie habe ein grosses Netz an Bekannten und Leuten, die sie vom Flohmarkt kenne. Die Liebe zu alten Dingen sei nicht erst im Alter gekommen. Seit sie Denken könne, haben sie die Schätze vergangener Zeit fasziniert. «Chrömle war für mich Therapie», sagt Anderes. Doch geerbt hat sie die Leidenschaft nicht. Auch ihre Familie weiss nicht, woher diese kommt.

Ihr Mann teile diese Begeisterung nicht. «Vielleicht bin ich auch einfach von vorgestern», sagt Anderes und lacht. Auf die Unterstützung ihrer Familie konnte sie jedoch immer zählen.

Anderes ist im Gesundheitswesen tätig und arbeitet heute, aufgrund ihres Unfalls, nur noch im reduzierten Pensum. Ihr Laden wird immer am Donnerstag und Freitag von 14 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein. «Die Öffnungszeiten zu bestimmen, war schwierig, da ich nebenbei arbeite», erklärt Anderes.

Das Geschäft führt die 60-Jährige künftig alleine. Dabei habe sie jedoch nicht den Vorsatz, davon leben zu können. «Es ist vielmehr ein Herzensprojekt», sagt Anderes. Der Laden soll den Namen «Nostalgie» tragen. Er spiegle ihre Empfindung gegenüber den alten Stücken am besten wider. «Ich bin mittlerweile auch schon fast nostalgisch, da passt der Name sehr gut», erzählt sie weiter.

Das gesamte Interieur ihres Ladens habe sie über die Jahre von Brockenstuben, Flohmärkten und Hausräumungen gekauft. Mit ihrem grossen Sortiment hofft Anderes ausserdem, das Angebot auf die jeweilige Saison anpassen zu können. Was bereits im Laden ist, sei noch lange nicht alles, was sie besitze. Dennoch kaufe sie momentan keine neuen Sachen, sondern zehre von ihrem grossen Lager.

Sie vertraut auf ihr Bauchgefühl

Anderes hat sich auf nichts spezialisiert. Dennoch habe sie eine Vorliebe für Glas und Silber, vor allem aus der Zeit des Barock. «Früher mochte ich schlichtere Sachen, heute dürfen diese allerdings ausgefallener sein», sagt sie. Anderes hat vor allem eine Schwäche für die Details. «Für mich hat jedes dieser Stücke eine Seele und auch eine Geschichte», erzählt sie. Beim Verkauf schaue sie nicht im Internet, für wie viel sie das jeweilige Stück nun verkaufen könnte. Sie setze schon beim Kauf auf ihr Bauchgefühl und höre auch auf selbiges, um den Preis beim Verkauf zu bestimmen.

Natürlich gebe es auch immer wieder Sachen, die sie nicht gerne verkaufe. «Ich kann jedoch auch mal loslassen, das ist wichtig, wenn man eine Vorliebe für alte Dinge besitzt», sagt Anderes. Sie habe schon jetzt herzliche Rückmeldungen bekommen. «Jemand hat mir sogar eine Kaffeemaschine geschenkt», erzählt sie vergnügt. Ihr Laden soll jedoch nicht nur das ältere Publikum ansprechen. Sie freue sich, in der Eröffnungswoche den Kunden von Jung bis Alt bei einem Glas Champagner ihr Sortiment – Dinge, die man nicht einfach bei Ikea kaufen kann – zu zeigen.