30 Jahre Musikschule Brugg

Diese beiden Gitarrenlehrer haben die Rockmusik an die Schule gebracht

Musikschulleiter Jürg Moser und der pensionierte Gitarrenlehrer Werner Ammann haben viele Schüler musikalisch gefördert. Sie erzählen, warum sie erfuhren, dass sie sich auf die gleiche Stelle in Brugg beworben hatten, wie sich die Musikschule seither entwickelt hat und welche Auftritte – mit eigener Band oder Schule – bevorstehen.

Vor etwas mehr als 30 Jahren war Jürg Moser mit seiner Frau zum Essen bei Werner Ammann und dessen Frau eingeladen. Erst beim Verabschieden realisierten die Männer, dass sie beide am nächsten Tag ein Vorstellungsgespräch an der Musikschule Brugg haben werden. Sie hatten sich nämlich kurz zuvor auf die gleiche Stellenausschreibung als E-Gitarrenlehrer beworben.

Die Vorstellungsgespräche fanden in entspannter Atmosphäre im Lehrerzimmer im Simmengut statt. Da, wo die Musikschule Brugg noch heute beheimatet ist. Sowohl Moser wie Ammann erhielten 1989 eine Anstellung und unterrichteten zu Beginn je vier Schüler auf der elektrischen Gitarre. «Die Zuständigen hatten schon von uns gehört und wollten uns glaub einfach noch persönlich kennenlernen», sagt Jürg Moser. Inzwischen ist der 61-Jährige bereits seit elf Jahren auch musikalischer und pädagogischer Leiter dieser Musikschule.

Fernsehauftritt der Aargauer Rockband Herodes – Werner Ammann ist der Bassist rechts in schwarz:

Der 67-jährige Werner Ammann ist in Brugg aufgewachsen und seit zwei Jahren pensioniert. Sein Vater war der «Druckli»-Wirt Guido Ammann. Zusammen blicken die beiden Gitarrenlehrer nun in einem Unterrichtszimmer auf die Entwicklung der Musikschule Brugg zurück. Ebenfalls seit der Musikschulgründung 1989 dabei und noch immer aktiv als Schlagzeuglehrer ist Stephan Weber. Im damaligen Hüsli, einem zu Bandproberäumen umgewandelten Haus beim ehemaligen Spital Brugg, entstand eine eigene Szene sowie ein Experimentierfeld für Rockmusik. Weber sass dort regelmässig am Schlagzeug.

Zuerst Geige, dann E-Gitarre

Jürg Moser und Werner Ammann wissen heute nicht mehr genau, wo sie sich in Brugg Ende der 1970er-Jahre kennengelernt hatten. Denn Moser ist in Hendschiken aufgewachsen, er machte aber in Brugg eine Lehre als Vermessungszeichner. In jener Zeit war er oft im Pic, wo er auch seiner späteren Ehefrau begegnete, und spielte mit Stephan Weber zusammen in der Band In Memoriam. Für beide Musiker war dies die erste Banderfahrung. Während der Bezirksschulzeit in Lenzburg hatte Moser noch Geige gespielt. Erst im Alter von etwa 17 Jahren entdeckte er die elektrische Gitarre und war begeistert. Nach der Militärdienstzeit absolvierte Moser eine Ausbildung an den Jazzschulen in Luzern und Bern. Später studierte er klassische Gitarre bei Jury Clormann. Seine ersten Sporen als Gitarrenlehrer verdiente er sich in Dottikon und in Boswil ab.

Werner Ammann engagierte sich in Baden und Ennetbaden sowie im Schenkenbergertal als Gitarrenlehrer. Seit den 1960er-Jahren war er in der Schweizer Rockszene unterwegs und arbeitete mit diversen Grössen zusammen. Seine Fernsehauftritte mit der Rockband Herodes sind legendär.

Dass es an der Musikschule Brugg vor 30 Jahren bereits eine Jazz- und Rockabteilung gab und zwei E-Gitarrenlehrer angestellt wurden, bezeichnen Moser und Ammann als Glücksfall. Die Nachfrage nach E-Gitarrenunterricht stieg schnell. Nach einem Zusatzstudium bot Moser auch klassische Gitarre an. Seit etwa zehn Jahren besuchen immer etwa 100 Schüler der insgesamt knapp 500 Musikschüler den Gitarrenunterricht in Brugg.

Es gibt keine schlechten Schüler

Mit dem GuitarSoundOrchestra (GSO) betreut Jürg Moser das grösste Gitarren-Ensemble der Schweiz, das regelmässig probt. Jeden Samstagmorgen zwischen 10 und 12 Uhr kommen die 22 Gitarrenschüler im Alter zwischen 10 und 19 Jahren zusammen. «Dieser Termin ist ein Relikt aus der Sechs-Tage-Woche, was gar nicht schlecht ist. Denn so haben die Jugendlichen an den Abenden noch Zeit, sich anderen Hobbys zu widmen», sagt der Musikschulleiter. Die letzte Konzertreise führte das GSO Anfang Mai nach Belgien, wo es einen ersten Preis am «67. Europees Muziekfestival voor de jeugd» in Neerpelt gewann.

Guitar Sound Orchestra - Applaus, Applaus:

Als Vizepräsident der Vereinigung Aargauischer Musikschulen (VAM) setzt sich Jürg Moser für eine ständige Qualitätsentwicklung und -sicherung an den Aargauischen Musikschulen sowie in der Begabungsförderung ein. Er ist Vorsitzender der Kantonalen Steuergruppe mCheck. Der Stufentest wurde vor über 20 Jahren an der Musikschule Brugg entwickelt und umgesetzt. «Die Hauptgründe dafür waren der Austausch im Kollegium sowie der Aufbau einer guten Feedback-Kultur», sagt Jürg Moser. In den Anfangszeiten sei die Musikschule zum Teil noch eine Massenabfertigung gewesen. Alle 15 Minuten ein anderer Schüler.

Der Musikschulleiter ist froh, dass sich diese Kultur gewandelt hat. Für ihn stehen die Qualität und die Schüler im Vordergrund. Die Leistungsvoraussetzung umfasse viele Aspekte, sagt er. «Wir müssen nicht über gute und schlechte Schüler diskutieren, sondern höchstens über gute und schlechte Lehrpersonen. Ich habe den Anspruch, dass wir als Team möglichst viele Kinder so gut wie möglich fördern können.» Deshalb möchte Moser, der mit seiner Familien in Lupfig wohnt, auch an keiner anderen Musikschule unterrichten.

Mit Bluesteel am Wettigerfäscht

Sowohl Werner Ammann, der übrigens nicht mit dem 27-jährigen Brugger Gitarristen Pascal Ammann verwandt ist, wie Jürg Moser haben in ihrer Berufslaufbahn viele junge Menschen während einer gewissen Zeit auf dem musikalischen Weg begleitet und nachhaltig geprägt. Einige von ihnen sind namhafte Musikgrössen geworden (wie etwa Damir Eskic von der Band Gonoreas und Adrian Stern) oder unterrichten selber an einer Musikschule. Andere haben Kinder, die einen Teil ihrer Freizeit erneut der Musik widmen.

Ammann spielt – in neuer Formation – weiterhin auf den Spuren von Jimi Hendrix und Eric Clapton bei den Brugglyn Blue. Im Brugger Salzhaus etwa als Vorgruppe der legendären Bluesrockband Dr. Feelgood oder bei anderen Gelegenheiten. Als Pensionierter sei er sich am Reamateurisieren. Neuerdings engagiert er sich mit Handwerkern als Gitarrist in der Lenzburger Band Blue-steel. Diese wird am 6. Juli um 23 Uhr am Wettigerfäscht zu hören sein.

Bluesteel bei einem Auftritt im April 2019 in Basel:

72 Bewerbungen auf eine Stelle

Für die Musikschule Brugg und ihre Lehrpersonen steht mit den Vorbereitungen auf die Büscheliwoche eine intensive Zeit an, aber auch ein Jahreshöhepunkt. Heute ist es übrigens deutlich schwieriger als vor 30 Jahren, eine Anstellung an der Musikschule Brugg zu bekommen. Probelektionen sind ein fester Bestandteil des Auswahlverfahrens. Als kürzlich eine 30-Prozent-Stelle für Sologesang ausgeschrieben war, zählte Moser 72 Bewerbungen. «Darunter waren sehr viele bestens qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten. Es war nicht einfach, so viele Absagen zu verschicken», so der Musikschulleiter.

Auf der anderen Seite stellt er fest, dass derzeit für den Blockflöten- und Gitarrenunterricht nicht sehr viele Lehrer auf dem Markt sind, die über die erforderlichen fachlichen und pädagogischen Qualifikationen verfügen. Moser selbst will seiner Berufung je zur Hälfte als Musikschulleiter und Gitarrenlehrer bis zu seiner Pensionierung in vier Jahren auf jeden Fall treu bleiben.

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