Veltheim
Diese beiden Brüder rattern mit ihren Boliden die Rennstrecke runter

Levin und Lean Suppiger starten am Seifenkisten-Derby in Veltheim. Der 12-jährige Levin gehört zu den besten Fahrern. Sein jüngerer Bruder Lean fährt mit dem Vater in einer speziellen Seifenkiste – denn Lean hat das Downsyndrom.

Carolin Frei
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Patrick, Lean, Gabriela und Levin Suppiger (v. l.) mit ihren Rennboliden. Klapperkisten sind heutzutage keine mehr zugelassen.

Patrick, Lean, Gabriela und Levin Suppiger (v. l.) mit ihren Rennboliden. Klapperkisten sind heutzutage keine mehr zugelassen.

Carolin Frei

«Man kann einfach mal Gas geben, beim Seifenkistenfahren, das macht Spass», sagt der 12-Jährige Levin Suppiger aus Veltheim. Zudem gefällt ihm, dass an einem Rennen jeder dem anderen hilft und dass neue Freundschaften entstehen. «Wir sind wie eine grosse Familie», betont er. Levin wird mit seinem Rennboliden am 4. Seifenkisten-Derby am Samstag in Veltheim am Start sein. Genauso wie sein 10-jähriger Bruder Lean, der das Downsyndrom hat.

Zusammen mit seinem Vater Patrick kann er in der eigens für die beiden konstruierten Seifenkiste problemlos teilnehmen. Ganz nach der Philosophie des Integrationsprojekts für Kinder mit Beeinträchtigung – «anders zu sein, ist ganz normal». Lean steuert das Gefährt, sein Vater übernimmt das Bremsen. «Wir starten in der Kategorie ‹fun›», sagt Patrick Suppiger, «und standen schon mehrmals zuoberst auf dem Podest.»

Die Freude am Fahren steht Lean im Gesicht geschrieben. «Besonders freut ihn natürlich, wenn bei der Rangverlesung sein Name fällt», sagt Mutter Gabriela Suppiger. Ob er es ganz nach vorne schafft oder nicht, ist zweitrangig.

Sie fahren 20 Rennen pro Saison

Etwas anders sieht das sein Bruder Levin. Er gehört mit seinen 12 Jahren bereits zu den 21 besten lizenzierten Fahrern, seine beste Klassierung war ein 5. Platz. «Ich würde sehr gerne auf den ersten Platz fahren – am liebsten am Derby in Veltheim.» Von den drei Läufen, die die Fahrer jeweils bestreiten, zählen die beiden besten. Levin und Lean sind jedoch nicht nur in Veltheim am Start, sondern an gut 20 Rennen pro Saison.

Da die Rennen in der ganzen Schweiz stattfinden, hat sich die Familie Suppiger einen Anhänger für die Rennboliden sowie ein Wohnmobil angeschafft. So kann das intensive Familienhobby wunderbar gelebt werden. Mit im Gepäck sind auch immer drei Doppelsitzer-Seifenkisten, die interessierte Neufahrer ausleihen können.

Auf den Geschmack gekommen ist Levin vor fünf Jahren, als er dank eines Flyers auf diesen Sport aufmerksam wurde. «Ich habe natürlich viel zu häufig gebremst beim ersten Mal», erinnert er sich schmunzelnd. Inzwischen umkurvt der Zwölfjährige die Hindernisse souverän. Seit fünf Jahren hat Levin eine Fahrerlizenz. Auch seinem Vater und Lean hat es nach Levins Premiere in Schinznach «den Ärmel reingenommen».

Seifenkisten aus Bausätzen

Organisiert werden die Seifenkistenrennen von der Interessengemeinschaft LO Seifenkisten-Derby Schweiz. Wer zum Rennen zugelassen werden möchte, muss mit einem Rennboliden antreten, der den Sicherheitsvorschriften entspricht.

So sieht man keine selbst gebastelten, klapprigen Kisten mehr, sondern nur noch solche, die aus entsprechenden Bausätzen gefertigt wurden. «Die Abdeckung kann man selbst bestimmen. Bei meiner inzwischen dritten Seifenkiste habe ich Carbon gewählt», sagt Levin. Auch in Sachen Bekleidung und Helm gibt es klare Regeln.

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