Neues Phänomen
Diebe klauen in Velogeschäften – und auch in privaten Kellern

Einbrecher dringen nicht nur in Fachgeschäfte ein, um Luxus-Bikes zu klauen und ins Ausland zu schaffen. Sie klauen die Bikes auch schon aus privaten Kellern.

Claudia Meier
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Andi Wernli, stellvertretender Geschäftsführer bei No Limit in Brugg: «Die Täter hatten es mehrheitlich auf solch hochwertige Carbon-Bikes abgesehen.»

Andi Wernli, stellvertretender Geschäftsführer bei No Limit in Brugg: «Die Täter hatten es mehrheitlich auf solch hochwertige Carbon-Bikes abgesehen.»

Claudia Meier

Andi Wernli, stellvertretender Geschäftsführer des Bike-Shops No Limit in Brugg, traute seinen Augen nicht, als er vor gut vier Wochen am Samstagmorgen das Ladenlokal betrat: Die Tür stand offen und die wertvollsten Bikes waren weg.

«Als ich das sah, ging ich rückwärts aus dem Geschäft und alarmierte die Polizei», erzählt Wernli. Zwölf Bikes – zehn davon mit einem Verkaufswert über 5000 Franken – sowie einige Rucksäcke und Pullover fehlten.

Ware mit einem Gesamtwert von rund 70'000 Franken also. Schnell war klar: Hier hatte man es mit Profis zu tun, die wussten, was sie suchten. Bargeld und E-Bikes jedenfalls nicht.

Vier Bike-Shops heimgesucht

Der No-Limit-Shop war nicht das einzige Fachgeschäft im Aargau, das in der zweiten September-Woche Opfer eines Einbruchdiebstahls wurde.

«In der gleichen Woche wurden drei weitere Velogeschäfte heimgesucht und zwar in den Bezirken Zofingen, Kulm und Lenzburg», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Ob die Taten in einem Zusammenhang mit dem Einbruch in Brugg stehen, werde polizeilich ermittelt, so Pfister weiter.

Andi Wernli arbeitet seit 15 Jahren bei No Limit. An einen ähnlichen Vorfall in Brugg kann er sich nicht erinnern. Allerdings wurden an einer Lady-Bike-Academy in Gstaad auch schon Bikes von No Limit entwendet.

Von einem ehemaligen Lernenden hat Wernli erfahren, dass nur wenige Tage nach dem Vorfall in Brugg auf der Lenzerheide 36 Fahrräder gestohlen wurden.

Wernli glaubt, dass die Fahrräder jeweils in der gleichen Nacht ins Ausland transportiert werden. Das Diebesgut von der Lenzerheide sei am Splügen in einem Lieferwagen sichergestellt worden, weil der Fahrer kurz vor der Kontrolle anhielt und zu Fuss geflüchtet sei.

Zurück in die Region: Wernli hat von vier Kunden erfahren, dass ihnen am letzten Freitag die Bikes aus dem privaten Kellerabteil einer neuen Überbauung gestohlen wurden.

«Das ist ein neues Phänomen», sagt Roland Pfister von der Kantonspolizei Aargau. Es gebe Tätergruppen, die einerseits gezielt bei Fachgeschäften mit dem Lieferwagen vorfahren, andererseits gebe es vermehrt solche, die sich auf Bikes und Motorfahrräder in Tiefgaragen und privaten Kellerabteilen fokussieren.

Rumänen in Untersuchungshaft

Am Freitagmorgen kurz nach 3 Uhr konnte im Rahmen einer Fahndungskontrolle auf der A3 in Schinznach-Dorf ein Kleinbus mit drei Rumänen angehalten werden. Diese führten sieben hochwertige Fahrräder mit.

Aufgrund der unklaren Herkunft der Zweiräder sowie weiteren Hinweisen wurden die drei Personen festgenommen und ein entsprechendes Verfahren durch die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eröffnet.

In der Zwischenzeit ist klar: Die Fahrräder wurden alle in Hausen gestohlen. Und: «Alle sieben Velos konnten den Eigentümern zurückgegeben werden», sagt Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Rumänen seien einstweilen für drei Monate in Untersuchungshaft.

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