Pumpevoll ist die Aula in Schinznach-Dorf an diesem Freitagabend. Jeder Stuhl ist besetzt, im hinteren Teil stehen einige sogar. Von insgesamt 1560 Stimmberechtigten haben sich 214 in der Aula eingefunden. Die Gemeindeversammlung hat mobilisiert. Vor allem wohl besonders ein Traktandum: der Verpflichtungskredit von 6,45 Millionen Franken für den Ersatzneubau des Realschulhauses und der Aula.

Und dieses Mal hat es mit dem Geschäft auch geklappt. Der Kredit wurde mit 184 Ja- zu 6 Nein-Stimmen genehmigt. Praktisch diskussionslos. Geäussert haben sich noch jene, die vor einem Jahr das Geschäft zurückwiesen. Allen voran Martina Sigg, Einwohnerin von Schinznach und FDP-Grossrätin, die damals mit ihrem Rückweisungsantrag auf offene Ohren stiess. Zu wenig reif sei das Projekt, die finanzielle Zukunft zu unsicher, argumentierte sie damals.

Kritikpunkte wurden behoben

Am Freitagabend tönt es anders. «Die wesentlichen Kritikpunkte wurden behoben», sagt Sigg. «Wir haben zusätzliche Infos erhalten und die Bevölkerung wurde bei der Bearbeitung des Projekts miteinbezogen.» Die Evaluierung habe gezeigt, dass eine Containerlösung zu teuer wäre. «Der Neubau ist wirklich notwendig.» Ein Ja zum neuen Schulhaus sei ein Ja zu Schinznach, ein Ja zum Schenkenbergertal.

Robert Obrist, ebenfalls Schinznacher Bürger und Grünen-Grossrat, meinte: «Mit dem neuen Schulhaus wird die Standortqualität erhöht.» Er sei vor einem Jahr auch einer von jenen gewesen, die Angst hatten, ein neues Schulhaus zu bauen, ohne zu wissen, was mit der Bezirksschule passiert. An der Gemeindeversammlung plädierte er nun ebenfalls für ein Ja. «Wir müssen etwas machen.» Was mit der Bezirksschule passiere, könne zurzeit niemand so richtig voraussagen. Auch ohne Schinznach-Bad, das mit Brugg fusioniert, ist die Bez aufgrund der knappen Schülerzahlen gefährdet.

Sandra Wiederkehr vom Kulturgrund war vor einem Jahr ebenfalls eine Kritikerin des Schulhausprojekts. Sie störte sich vor allem an der Rampe, die im vorgeschlagenen Projekt vor die Aula führte. «Das hat man nun geändert und stattdessen einen grossen Lift eingeplant», sagt sie nun am Freitagabend. «Das vorliegende Projekt ist die einzige Variante, um alle Bedürfnisse kostengünstig zu erfüllen.» Es freue sie, dass in der Aula nun auch ein Parkettboden eingeplant sei. Einig sind sich alle Votanten, dass sich die Zusatzschlaufe gelohnt hat.

Nach dem Ja der Stimmbürger kann der Gemeinderat nun vorwärtsmachen mit dem neuen Schulhaus. Kann der ehrgeizige Terminplan eingehalten werden, sollte der Neubau zu Beginn des Schuljahres 2020/21, also im August 2020, fertiggestellt sein und dem Betrieb übergeben werden.

Neues Feuerwehrfahrzeug

Freuen kann sich auch die Feuerwehr. Die Stimmberechtigten sagten – mit einer Gegenstimme – Ja zu einem Verpflichtungskredit über 233 835 Franken für die Beschaffung eines Pikettfahrzeugs 2 als Ersatz für das schwere Pionierfahrzeug, das aus dem Jahr 1992 stammt. Angeschafft wird das Fahrzeug gemeinsam mit der Gemeinde Veltheim, die ebenfalls zur Feuerwehr Schenkenbergertal gehört. Die Feuerwehr übrigens muss an der Gemeindeversammlung plötzlich ausrücken – wegen Wasser. Zwei Traktanden später sind die Feuerwehrangehörigen zurück.

Zugestimmt haben die Stimmbürger – nebst den üblichen Traktanden Protokoll, Rechnung und Rechenschaftsbericht – vier Kreditabrechnungen, dem Kinderbetreuungs- und Elternbeitragsreglement inklusive Nachtragskredit von 5000 Franken, dem Kredit über 622 000 Franken für die Sanierung der Abwasserleitungen und Schächte im Gebiet der Schutzzone Warmbach sowie dem Kredit für die Planungskosten der Generellen Entwässerungsplanung (GEP) 2. Generation von 420 000 Franken. Keines der Traktanden war umstritten.