Brugg
Die Zukunft des Effingerhofs nimmt deutliche Formen an

Die Ideen für die Brugger Altstadtliegenschaft sind gesammelt – jetzt soll ein Studienauftrag zeigen, wie diese umgesetzt werden können.

Janine Müller
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Haben über die Zukunft des Effingerhofs orientiert (von links): Walter Tschudin (Projektleiter und Architekt), Amos und Verena Kornfeld (Eigentümer) und Krishna Menon (Leiter Arbeitsgruppe und Architekt).

Haben über die Zukunft des Effingerhofs orientiert (von links): Walter Tschudin (Projektleiter und Architekt), Amos und Verena Kornfeld (Eigentümer) und Krishna Menon (Leiter Arbeitsgruppe und Architekt).

Janine Müller (jam)

Ein erster Meilenstein im Prozess Effingerhof ist geschafft. Am Samstagabend haben die zwei Arbeitsgruppen, die sich den ganzen Sommer über mit der Zukunft der Altstadtliegenschaft befasst haben, mit einer Feier das Ende dieser Projektphase gefeiert. Die Ideen sind gesammelt, die Vorstellungen sind konkreter geworden.

Nun soll ein Studienauftrag zeigen, wie all das umgesetzt werden kann. Gestern Vormittag haben die Eigentümer, Verena und Amos Kornfeld, sowie Projektleiter Walter Tschudin und Krishna Menon (Vertreter der Arbeitsgruppe) einen Blick zurückgeworfen und gesagt, wie es weitergeht.

Ursprünglich wollte Amos Kornfeld im Effingerhof ausschliesslich Wohnungen unterbringen. Er liess sich aber umstimmen und zeigt sich nun ebenfalls begeistert von der Idee, einen Teil des Gebäudes für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Als Korallenriff bezeichnet er diese Form. Eine Form, die Wohnen und attraktives Leben in einem Haus vorsieht. Zwei Arbeitsgruppen haben sich zusammengetan. Eine kümmerte sich um den Bereich Wohnen, die andere um den Bereich Infrastruktur und öffentliche Nutzung.

70 Prozent der Energie sollen im Haus selber produziert werden

Gemäss Amos Kornfeld sollen im Effingerhof 40 bis 50 Wohnungen unterschiedlicher Grösse entstehen. Dies auf insgesamt 3500 Quadratmetern. «Die Wohnungen sollen erstens bezahlbar sein und zweitens ökologisch sinnvoll», sagte der Eigentümer an der Pressekonferenz. «Meine Vorstellung ist, dass 70 Prozent der Energie im Haus selber produziert wird.»

Kornfeld stellt sich ein nachhaltiges Haus vor. «Die Leute sollen hier mit einem guten Gewissen wohnen.» Weiter sollen die Wohnungen behinderten- und altersgerecht gebaut sein.
Überraschend ist die Vorstellung von der Mobilität: So sind keine Parkplätze eingeplant.

Erstens, weil es gar keinen Platz hat, und zweitens, weil es genügend Parkmöglichkeiten in der Nähe hat. Dafür soll es genügend Abstellmöglichkeiten für Velos geben, auch für die restliche Altstadtbevölkerung. Amos Kornfeld ist zudem dabei, mit Mobility zu prüfen, ob ein Mobility-Auto vor Ort zur Verfügung gestellt werden könnte.

Vom Wohnen nun zum öffentlichen Teil: Im Effingerhof ist weiter ein Hotel geplant. Die Zimmer können einerseits von externen Gästen genutzt werden, andererseits dienen sie aber auch als Gästezimmer für die Mieterinnen und Mieter. Deren Gäste sollen die Hotelzimmer zu einem günstigeren Preis erhalten. Vom Hotel soll das Café profitieren, das ebenfalls eingeplant ist.

Stadt fällt Bibliotheks-Entscheid im November

Die Verantwortlichen, allen voran Amos Kornfeld, der sehr gerne liest, wünschen sich, dass die Stadtbibliothek in den Effingerhof zieht. Jedenfalls als Zwischennutzung. Die Stadt hat angekündigt, im November darüber zu informieren, wie sie gedenkt, mit der Stadtbibliothek zu verfahren.

Klar ist aber: Ob mit oder ohne Bibliothek wird es ein buntes Potpourri an Nutzungen geben. Bereits eingezogen sind die Campus Galerie und das Danza Zentrum. Folgen wird das Angebot einer Freizeitwerkstatt. Wer seine Möbel flicken oder kreative Projekte umsetzen will, kann dies also künftig im Effingerhof tun. Geklärt werden muss noch die Finanzierung der Freizeitwerkstatt.

Es besteht zudem die Idee einer Art Markthalle, wo Kleingewerbe seine Produkte anbieten kann. «Viele wünschen sich schon lange einen Laden in der Altstadt, können sich diesen Traum aus Kostengründen aber nicht erfüllen», erklärt Krishna Menon. «Die Markthalle würde diese Möglichkeit schaffen.»

Eine Eventhalle ist ebenfalls angedacht. In dieser könnten Lesungen oder kleine Messen abgehalten werden. Sie könnte auch von Vereinen genutzt werden. Herz des Hauses soll aber das Foyer werden. Als öffentlicher Treffpunkt kann es genutzt werden. Walter Tschudin stellt klar: «Von den heutigen Nutzern wird niemand rausgeworfen.» Es könne aber intern zu Rochaden kommen.

In einem nächsten Schritt werden nun Architekturbüros angeschrieben, die ein Projekt ausarbeiten sollen. Die sogenannte Prä-Selektion muss bis 30. November eingereicht werden, anschliessend werden drei Teams ausgesucht, die Ende März 2020 ihre Beiträge abliefern müssen.

Der Entscheid für das weitere Vorgehen fällt dann im Mai 2020. Im Beurteilungsgremium sicher vertreten sind Walter Tschudin, Krishna Menon, Jürg Dietiker, Dominic Church, Amos Kornfeld sowie Vertreter der Stadt Brugg und der Arbeitsgruppen.