Brugg
Die «Zugehende Beratung» ist für viele Menschen ein Glücksfall

Im vergangenen Jahr startete die Beratungsstelle der Alzheimervereinigung in Brugg ihre «Zugehende Beratung». Der Zwischenbericht zeigt: Das Pilotprojekt findet enormes Echo.

Elisabeth Feller
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Mit dem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. ZVG

Mit dem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. ZVG

n.lorandi

Wer an Demenz erkrankt, braucht Betreuung. Diese fordert Angehörige psychisch und physisch derart stark, dass sie oft an den Rand ihrer Kräfte gelangen. Finanzierbare Entlastungsangebote sind deshalb wichtig, um den Eintritt ins Pflegeheim so lange wie möglich hinauszuzögern.

Bevor jedoch Entlastungen angeboten werden können, muss die Situation von Kranken und Angehörigen in ihrem Zuhause abgeklärt werden: Genau das tut die Alzheimervereinigung Aargau.

Im Januar 2012 startete sie ihr Pilotprojekt «Zugehende Beratung». Was das in der Praxis bedeutet, umreisst Samuel Vögeli, Geschäftsstellenleiter der Alzheimervereinigung in Brugg, so: «Der Berater oder die Beraterin nehmen Kontakt zu den betroffenen Familien auf. Sie machen Hausbesuche und bringen so die ganze Familie, aber auch andere Bezugspersonen, an einen Tisch.»

Vorteil: Das Erleben von Betroffenen und ihrer Angehörigen in ihrem eigenen Umfeld.

Positive Bilanz

Nach dem ersten Jahr zog die Alzheimervereinigung eine positive Bilanz. Laut Vögeli «entspricht das neue Angebot im Aargau einem grossen Bedürfnis». Nun liegt der zweite Zwischenbericht vor, der das Erwähnte bestätigt.

Seit Oktober 2012 hat sich die Zahl der Familien, die im Rahmen des Pilotprojektes beraten wurden oder werden, mehr als verdoppelt (Oktober 2012: 57 Familien; Juni 2013: 139 Familien). Davon wurden 33 Mandate bereits abgeschlossen, in den meisten Fällen, weil der Demenzkranke verstorben ist.

Aktuell werden 106 Familien zugehend beraten. Seit Beginn des Projektes erfolgten 155 Hausbesuche, 105 Beratungen auf der Geschäfts- und Beratungsstelle in Brugg sowie 256 telefonische Beratungsgespräche.

Auch im zweiten Bericht geht es nicht bloss um Statistik. Erläutert werden überdies etwa neue Instrumente in der Beratung und Schulung von Angehörigen sowie ein von Mitarbeiterin Seraina Rissi entwickeltes Instrument.

Dieses soll Angehörigen von Menschen mit Demenz helfen, mit dem veränderten Verhalten der Betroffenen oder konflikthaften Situationen besser umzugehen – die Kognitive Umstrukturierung.

«Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit und Politik» ist ebenso ein Thema wie «Verhandlungen mit dem Kanton Aargau über die langfristige Finanzierung von ‹Zugehender Beratung›».

Im März dieses Jahres wurde der Alzheimervereinigung Aargau vom kantonalen Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) beschieden, dass sich der Kanton im Moment nicht an einer Finanzierung des Projektes beteiligen werde: Zuerst müssten die Ergebnisse des kantonalen Alterskongresses und der nationalen Demenzstrategie abgewartet werden.

Laut Zwischenbericht zeichne sich jedoch ab, dass die «Zugehende Beratung» in den Katalog der Empfehlungen der Demenzstrategie aufgenommen wird.