Brugg
«Die Zerstörung Meienbergs war für uns ein Glücksfall»

Das 1240 durch die Habsburger gegründete Städtchen Meienberg im Freiamt war 1386 durch eidgenössische Truppen niedergebrannt worden. Für Archäologen und Historiker war es ein Glücksfall, wie im Vindonissa-Museum zu sehen ist.

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Zu sehen im Vindonissa-Museum: Judith Fuchs zeigt ein wertvolles Giessgefäss mit einem Fidel spielenden Zentauren. NN

Zu sehen im Vindonissa-Museum: Judith Fuchs zeigt ein wertvolles Giessgefäss mit einem Fidel spielenden Zentauren. NN

«Diese Zerstörung war tragisch, aber für uns Archäologen und Historiker ist sie ein Glücksfall», so Peter Frey von der Mittelalterarchäologie Aargau an der Vernissage im Vindonissa-Museum in Brugg. Da die Fundamente und Fundschichten «in jungfräulichem Zustand erhalten blieben, legen sie Zeugnis ab von damaligen Stadtstrukturen und -bauten», so Frey.

2005 ausgeführte Grabungen vermitteln denn auch wichtige Erkenntnisse und förderten wertvolle Funde zutage. Besonders ergiebig erwies sich der Brandschutt im Keller von Haus 5, in welchem offenbar ein Gürtelschmied gewirkt hatte. Tessa Nerini hat in einer Lizenziatsarbeit das Fundmaterial behandelt und zusammen mit Peter Frey ausgewertet. Involviert in die Auswertung sind aber auch Wissenschafter. Der Historiker Peter Niederhäuser wird sich gestützt auf alle Unterlagen und in Zusammenarbeit mit Frey in einem Buch mit der Geschichte von Meienberg befassen.

Europaweit einzigartig

Einige Fundstücke sind nun in der «Aktuell»-Vitrine im Vindonissa-Museum zu bestaunen: Mittelalter-Funde in einem Römermuseum also. Über diese Öffnung und Bereicherung freut sich die Mitgestalterin der Ausstellung, Judith Fuchs, sehr, wie sie an der Vernissage bekundete. Denn es werden interessante, zum Teil europaweit einzigartige Funde gezeigt.

Am spektakulärsten ist ein Zentauren-Giessgefäss, das zum Waschen der Hände vor einem Mahl verwendet worden war. Das Spezielle daran ist, dass der Zentaur eine Fidel spielt – eine bisher unbekannte Darstellung. Ebenfalls als Unikum gilt ein Trinkbecher aus Ton, der Elemente von zwei unterschiedlichen Bechertypen aus Süddeutschland beinhaltet. Reizvoll dann ein rundes Frauenbildnis aus einer Ofenkachel aus der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts – somit kurz vor der Zerstörung von Meienberg entstanden.

Zu sehen sind sodann Gürtelschnallen aus Buntmetall, Beschläge, Steinwirtel aus Ton zum Spinnen, Paternoster-Ringe aus Knochen. «Eine kleine, aber feine Ausstellung», so das Fazit von Judith Fuchs. (nn)

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