Mozarts Porträt hängt neben der WC-Türe – und verscheucht so jede Profanität. Gemalte Theatervorhänge im Foyer der Turnhalle im Ortsteil Oberbözberg unterstreichen den Anspruch des STV Bözberg: Es gibt einiges zu sehen auf dem Oper(n) Bözberg.

«Die Zauberlinde» steht auf dem Programm und da läuten einem die Ohren. Gibts da nicht einen Mann namens Mozart, der «Die Zauberflöte» komponiert hat? Eine Oper, die jeden zwischen 3 und 100 Jahren aus den Socken haut? Ja.

Das Werk ist ein Märchen, in dem sich zwei Paare – Prinz Tamino und Prinzessin Pamina; Vogelhändler Papageno und Vogelfrau Papagena – finden; in dem die sternflammende Königin mit «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen» mit einem Koloraturgewitter klotzt und in dem sich der Herrscher Sarastro als überraschend milde erweist.

Dass sich am Ende der Mozart-Oper alle finden, weiss man schon zu Beginn, was aber kein Grund ist, sie nicht zum 131. Mal zu sehen. Kurz: «Die Zauberflöte» ist derart gut, dass man sie getrost auf örtliche Begebenheiten umtopfen kann, was nur ein ganz grosses Werk gutmütig zulässt.

«Wo bin ich bloss gelandet?»

Also verwundert es nicht, dass der STV Bözberg nicht «Die Zauberflöte», sondern « Die Zauberlinde» ins Rennen schickt. In grossen Zügen folgt das Drehbuch des STV Mozarts Oper – jedoch mit unzähligen Abzweigungen und Variationen sowie witzigen Anspielungen auf Bözberg, der «nur» noch ein Oper(n)Bözberg, aber kein Oberbözberg mehr ist.

Singen, Agieren, Sprechen, Turnen? Wie bringen die vielen Mitwirkenden – egal, ob Kinder oder Erwachsene – all dies unter den sprichwörtlichen, einen Hut? Indem sie etwa zu einem Kunstkniff greifen: Sie lassen singen.

Mozarts Musik wird eingespielt und blitzt so stets auf – wird aber rasch abgelöst von Rock und Pop; schliesslich sind die Mitwirkenden in der Gegenwart verankert. Gerade diese bringt Tamino auf der Suche nach Pamina ins Schwitzen. Linn-Oberbözberg heisst es auf dem einen Wegweiser; Gallenkirch-Unterbözberg auf dem andern. Als Papageno – halb Mensch, halb Vogel – die Tafeln umdreht, traut Tamino seinen Augen nicht. Auf allen steht: Bözberg. «Wo bin ich bloss gelandet?» Im Publikum wird gelacht. Alle freuen sich über die eingestreuten, ironischen Anmerkungen, die den Figuren in den Mund gelegt worden sind.

Regisseurin Regula Weber zieht, rechts auf der Bühne sitzend, als Erzählerin des bunten Treibens die Fäden. Und zwar so, dass dies nicht zu sehen, wohl aber zu spüren ist. Zu sehen gibts auf der Bühne bei wechselnden Kulissen, die Schloss und Parklandschaft vorgaukeln, viel.

Respekt vor der Knochenarbeit

Wie war das doch zu Beginn, als Tamino von einem Drachen verfolgt wird? Da schieben gute Requisitengeister einen Drachenkopf auf die Bühne aus dessen sperrangelweitem Mund ein kleiner Drachen nach dem anderen entweicht.

Jööö, entschlüpft es einem, weil die Kleinen ihre kleinen, für sie aber grossen Aufgaben mit einem geradezu heiligen Ernst angehen. Die Erwachsenen stehen ihnen bei; bringen da oder dort einen Arm oder ein Bein in die richtige Position. Später einmal, ahnt die Besucherin, werden diese Kleinen Säulen des STV Bözberg sein. Solche, die – wie eben jetzt in der «Zauberlinde» gezeigt – etwa eine fulminante Michael-Jackson-Imitation hinlegen oder einem markigen Wärterreigen noch einen weiteren, martialischen Kick verleihen.

Man kann sich aber auch lebhaft vorstellen, dass sie mit Federboas um den Hals reizende Papagenas abgeben oder dass sie Virtuosität am Barren zeigen können. Vieles gäbe es noch aufzählen. Doch wir setzen hier den Schlusspunkt mit dem Wichtigsten. «Die Zauberlinde» zeugt von einer Sorgfalt, die sich selbst auf winzigste Details erstreckt. Da steckt enorme, Respekt erheischende Knochenarbeit dahinter. Jeder Theatermensch weiss: Diese muss dem Zuschauer leicht und spielerisch vorkommen – wie jetzt Bözberg. Da müsste es schon mit dem Teufel zu- und hergehen, wäre die heutige Vorstellung nicht heiss begehrt.

«Die Zauberlinde» wird am Samstag, 15. März, um 20 Uhr in der Turnhalle im Ortsteil Oberbözberg gespielt.