Seniorentheater
Die Windischer Herbschtrose blüht auch in diesem Herbst

Pünktlich auf den Winterbeginn bringt die weithin bekannte Herbschtrose ein neues Lustspiel auf die Bühne. In diesem Jahr spielt die Seniorentheatergruppe den Schwank «En Filmriss».

Elisabeth Feller
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Erstaunen bei Ruth Käser (Martha Zürcher, von links) über Pädu (Hans Hofstetter) und Jenny (Vreni Desteffani); Leni Senn (Marlies Nauer) ist ebenfalls fassungslos.

Erstaunen bei Ruth Käser (Martha Zürcher, von links) über Pädu (Hans Hofstetter) und Jenny (Vreni Desteffani); Leni Senn (Marlies Nauer) ist ebenfalls fassungslos.

Elisabeth Feller

«The same procedure as every year, James.» Wer am Silvester vor dem TV sitzt, wartet auf diesen Satz, der seit 1963 Kult ist. Miss Sophie sagt ihn zu ihrem Diener James im Sketch «Dinner for One». Dieser Satz liesse sich auch auf die Windischer Herbschtrose übertragen, denn diese zeigt jedes Jahr zur selben Zeit eine neue Theaterproduktion.

«The same procedure as every year» stimmt heuer für das Seniorenensemble freilich nur bedingt. Zwar probt es wie eh und je im Katholischen Kirchgemeindehaus Windisch, doch am Regiepult sitzt nicht wie gewohnt Pierrette Stegmüller, sondern Kurt Wächter. Die langjährige Regisseurin aus Oberentfelden hatte aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben, aber schon bald konnte ein Nachfolger gefunden werden – welch ein Glücksfall. Kurt Wächter betreut seit langem die Theatergruppe Birr, ist somit ein erfahrener Regisseur.

«Ich freue mich, dass ich erstmals mit der Herbschtrose zusammenarbeiten darf», sagt Wächter, geht zur Bühne und wendet sich aufmunternd an die Spielerinnen und Spieler: «Heute ist Hauptprobe. Wir spielen das Ganze jetzt einmal durch. Fällt ihr aus der Rolle, spielt einfach weiter.» Ein Kopfnicken, dann geht Wächter zurück, setzt sich auf den Stuhl und schaut zu. Von Nervosität keine Spur, wiewohl das Stück «happig ist». Martha Zürcher lacht, «denn es geht ‹zünftig› zu und her. Sie werden schon sehen.»

Alles kommt ins Wanken

Tatsächlich merkt die Besucherin bald, dass es sich beim «Filmriss» um eine gravierende Gedächtnisstörung handelt. Der verschwunden geglaubte Aldo Gotardi, der als Clochard Jacky (Hugo Kohler) aufersteht, weist sie auf und kann sich deshalb an nichts mehr erinnern: Das bringt alles ins Wanken.

Seine Ehefrau Susi (Anita Frey) versteht die Welt nicht mehr; seine Schwägerin Leni Senn (Marlies Nauer) greift sich an den Kopf, als ihr ungeliebter Schwager sie siezt. Als dieser noch die selbst gemachte Schwarzwälder-Torte mies macht, liegen Lenis Nerven blank. Sie öffnet das Fenster, schmeisst die Torte raus, die prompt im Gesicht von Ruth Käser (Martha Zürcher) landet. Als dann noch Nachbarin Edith Hunziker (Myrtha Schellenberg) auftaucht und ihren Senf dazugibt, befindet sich das bürgerliche Gefüge endgültig in Schieflage.

Das ist aber noch nicht alles. Mit einem Mal tauchen Pädu (Hans Hofstetter) und Cesi (Bruno Brogli), zwei Clochard-Freunde von Aldo, respektive Jacky, auf – im Schlepptau von Jenny (Vreni Desteffani), die Jacky als neue Freundin vorstellt. Kurzum: Die Turbulenzen nehmen zu und keiner weiss, ob und wann Aldos Gedächtnis wieder funktionieren wird.

Der Schwank von Hanna Frey lebt von einer Vielzahl von Pointen, die gleichsam abgefeuert werden müssen. Das ist schwierig, macht dem Ensemble und dem Regisseur aber offensichtlich Spass. Hinter den Kulissen hört man ab und zu ein Flüstern: Die Souffleuse ist diskret, aber gleichwohl gut vernehmlich am Wirken. Für einen ist das Spielen im Herbschtrose-Team eine Premiere. Hugo Kohler aus Lupfig macht erstmals mit – und das gleich in einer Rolle, in der er die raubeinigen Seiten von Aldo hervorkehren und richtig schön poltern darf. Geht es um seine neue Freundin Jenny, kann Aldo aber auch wie ein Stubenkater schnurren.

35 Vorstellungen bis März

Dass Hugo Kohler dereinst bei der Herbschtrose mitmachen würde, hat er nicht einmal im Traum gedacht. «Ich wollte mich nach meiner Pensionierung nicht mehr fest für etwas verpflichten.» Aber dann fiel der ursprünglich als Aldo vorgesehene Schauspieler aus – prompt bekam Hugo Kohler eine Anfrage: Ob er vielleicht nicht ... Doch, er könne. Jodeln muss Kohler übrigens nicht, wenngleich er das hingekriegt hätte, schliesslich war er früher Mitglied in einem Jodlerklub.

«Wir machen Pause», sagt Kurt Wächter jetzt. In Windeseile werden Kaffeebecher, Rahm, Zucker und Gebäck auf den Tisch gestellt. «Der Kaffee muss sein», sagt Marlies Nauer. Auch sie freut sich auf die Premiere, die heuer nicht wie üblich im Alterszentrum Lindenpark, sondern im Katholischen Kirchgemeindehaus in Windisch stattfindet. Seit Mai hat das Ensemble geprobt – nun ist es gespannt, wie das Stück beim Publikum ankommen wird. Nach dem 7. November tourt die Herbschtrose in der Region Brugg und anderswo in Altersheimen oder Kirchen. Bis März 2015 sind 35 Vorstellungen zu spielen: Das muss der Herbschtrose erst einmal einer nachmachen.

Die Premiere von «En Filmriss» findet in diesem Jahr nicht wie üblich im Alterszentrum Lindenpark, sondern im Katholischen Kirchgemeindehaus Windisch am 7. November,

19.30 Uhr, statt. Weiter wird das Stück am 25. November in der Katholischen Kirche Brugg, 15 Uhr, sowie am 20. März, 19.30 Uhr, erneut im Katholischen Kirchgemeindehaus Windisch gespielt.