Birr
Die vergriffenen Pestalozzi-Biografien sind wieder erhältlich

Die beiden Bücher der Schriftstellerinnen Mary Lavater-Sloman und Dagmar Schifferli über das Leben von Heinrich Pestalozzi und seiner Frau Anna sind neu aufgelegt worden.

Claudia Meier
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Pestalozzi-Schulhaus in Birr.

Pestalozzi-Schulhaus in Birr.

Alex Spichale

Am 19. Februar 1827 – zwei Tage nach dem Tod von Heinrich Pestalozzi in der Brugger Altstadt – wusste man in den Städten Bern, Aarau und Zürich noch nicht, dass der 81-jährige Pädagoge und Philosoph gestorben war. Schullehrer aus Birr und den umliegenden Dörfern trugen an jenem Tag Pestalozzis Sarg über das tief verschneite Birrfeld.

Die Bauern und unzählige Kinder wanderten mit, auch die Lehrer aus Brugg und Lenzburg seien herbeigeeilt, schreibt die Schriftstellerin Mary Lavater-Sloman in ihrem Buch «Heinrich Pestalozzi. Die Geschichte seines Lebens». Die Originalausgabe dieses Buches erschien 1954. Nachdem das Werk mehrere Jahre vergriffen war, ist es nun im Römerhof Verlag in Zürich neu aufgelegt worden.

Die Bestsellerautorin Lavater (1891–1980) widmete ihr Berufsleben der Biografie herausragender Persönlichkeiten. Im Buch über Heinrich Pestalozzi (1746–1827) konzentriert sie sich auf den Mann, seine inneren Regungen sowie sein Wirken und weniger auf sein literarisches Werk oder seine pädagogischen Methoden.

Das Werk ist seinem Leben – intensiver Briefwechsel mit seiner späteren Frau Anna – und seinen Kämpfen in Zürich, Birr, Stans, Burgdorf und Yverdon gewidmet. «Seit meinen Jünglingsjahren wallte mein Herz wie ein mächtiger Strom einzig und einzig nach dem Ziel, die Quellen des Elends zu verstopfen, in das ich das Volk um mich her versunken sah», zitiert Lavater Pestalozzis Antrieb.

Mit der Neuauflage der erstmals 1996 erschienen Biografie «Anna Pestalozzi-Schulthess. Ihr Leben mit Heinrich Pestalozzi» von Dagmar Schifferli bietet der Römerhof Verlag eine zweite Perspektive auf das Wirken des Visionärs. Schifferli schildert das Leben einer starken Frau hinter ihrem lange Zeit verstossenen und später berühmten Ehemann. Anna Pestalozzi (1738–1815) setzte ihre ganze Arbeitskraft und ihr Vermögen für die hochfliegenden Projekte von Heinrich ein.

Die in Zürich lebende Autorin Schifferli zeigt auf, warum sich Anna aus ihrer gutbürgerlichen Stadtzürcher Herkunft löste und – gegen den Willen den Eltern – ihrem Gatten die Gründung eines landwirtschaftlichen Betriebs auf dem Neuhof in Birr ermöglichte.

«Anna, wir sind am Ende. Wenn jetzt kein Wunder geschieht, sind wir völlig ruiniert», stellte Heinrich im Herbst 1773 angesichts der prekären ökonomischen Lage auf dem Neuhof fest. Pestalozzis entschlossen sich, verwahrloste Kinder aufzunehmen und zu Spinnern und Webern auszubilden sowie ihnen das Lesen und Schreiben beizubringen.

Am Anfang wohnten rund ein halbes Dutzend, später rund vierzig Kinder – einige kamen aus dem Ausland – auf dem Neuhof. Das Leben mit den verwahrlosten Kindern im eigenen Haushalt viel Anna nicht leicht. Sie sah keine Rückzugsmöglichkeiten mehr und fürchtete, dass ihr Sohn Jacqui die schlechten Manieren der armen Kinder übernehmen könnte.

Die um acht Jahre ältere Anna stand selbst dann noch zu ihrem Mann, als alles verloren war. Mit Heinrichs schriftstellerischem Wurf «Lienhard und Getrud» ging es bei den Pestalozzis ab 1781 wieder aufwärts. Anna starb am 11. Dezember 1815 im Alter von 77 Jahren im Schloss Yverdon.

Buch-Vernissage mit Lesung und Apéro am Dienstagabend um 19 Uhr in der Kiraula im Chilehof der reformierten Kirche Birr.

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