Zwischen Diesellokal und Rohstofflager, in denen die Exponate der neun renommierten Kreativschaffenden ausgestellt sind, klaffen riesige Abbruchlöcher. Bald setzen die Bagger einer Ära erfolgreicher Schweizer Gewerbegeschichte das endgültige Ende. Weitere Lofts sowie Eigentumswohnungen werden im einstigen Industriegelände in Unterwindisch entstehen.

Doch der Umwandlungsprozess soll nicht sang- und klanglos stattfinden. Die Ausstellung "TransForm" lässt die Räumlichkeiten nochmals in ganz besonderem Glanz erstrahlen.

Telecom-Ingenieur Christian Schaub, Architekt Fredi Kölliker und Robert Kühnis, ehemaliger Rektor der Kantonsschule Aarau, führten die zahlreichen Interessierten durch die Hallen, in denen noch immer der Geist der Vergangenheit schwebt.

Das Diesellokal und seine riesigen Generatoren bestücken Antje Heck mit Malereien, Fotos und Figuren; Reto Peterhans zeigt Schwarzweiss-Bilder und Siebenhaar+Weiss präsentieren ihre Camera-Obscura-Aufnahmen.

Allesamt beziehen sie sich mit ihren Exponaten in ihrer ganz eigenen Art und Weise auf das markante Interieur, welches einst die zweiterfolgreichste Spinnerei Europa ausmachte. Im Rohstofflager, wo damals die gepressten Baumwollballen aus Mississippi und Ägypten aufbewahrt wurden, hat Silvia Hintermann eine spannende Installation mit Original-Sandsäcken kreiert, die beim Hochwasser in Windisch verwendet wurden.

Marius Brühlmeiers's dreidimensionale Papierobjekte werfen faszinierende Schattenbilder an die Wände, fast als ob die Tempi passati noch einmal heraufbeschworen würden.

In Aluwägelchen, die früher für den Transport von Garnrollen dienten, hat Jacqueline Weiss Strickmuster und Modezeichnungen ehemaliger Spinnerei-Mitarbeiterinnen versenkt und lässt sie von goldenen Licht bestrahlen - wie wenn es Träume wären.

Michael Omlin, ein in der ganzen Schweiz bekannter Beleuchtungsinstallateur, setzt mit sparsam aber pointiert eingesetzten Scheinwerfern die ehemaligen Fenster des Rohstofflagers und den holzüberdachten Nebenraum in völlig neues Licht.

Susanna und Mark Fry betonen die Spuren der am Gebäude nagenden Zeit bewusst, und lassen die Zuschauer fragen zurück: Was ist Realität und wo ist die Kunst? Wie fliessend die Übergänge sind, zeigt sich in Exponaten von Andreas Brönimann, dem langjähriger Haustechniker der Spinnerei Kunz, der jeden Winkel des Areals kennt: Seine über Jahre gesammelten Fundstücke der Spinnereigeschichte - seien es Kabelrollen, Holzscheite, Ziegel etc. - wirken mit dem nostalgischen Blick auf die Vergangenheit genauso tiefgründig und geheimnisvoll, wie die Ausstellungsobjekte seiner kreativ schaffenden Zeitgenossen.

Und das ist es, was die Ausstellung "TransForm" ausmacht. Sie verschärft den Blick auf das Alltägliche. Und plötzlich fragt man sich, ob ein Paar Stiefel, die in der Ecke stehen, zufällig oder bewusst drapiert sind?

Aus dem Diesellokal, welches im Gegensatz zu den anderen Gebäuden nicht abgebrochen wird, soll - so wünscht es sich der aus Anwohnern neu gegründeter Verein - ein Begegnungszentrum für das Windischer Unterdorf entstehen. Man darf gespannt sein, was die Zukunft bringt.