In der Gewerbezone Brunnmatt in Remigen hat sich ein nicht alltägliches Geschäft niedergelassen. Biegt man auf der Strasse links in die Tiefgarage ab, befindet man sich mitten im Reich der drei Inhaber der «Urban Doomsday Prepper GmbH». Auf den ersten Blick kann sich wohl kaum einer etwas unter diesem Namen vorstellen. «Urban steht für städtisch, Doomsday für den Tag der Katastrophe», erklärt Guido H., Geschäftsführer. Guido (34) wie auch seine zwei Kollegen Pascal T. (38) und Falco S. (34) wollen anonym bleiben.

Als Prepper wird bezeichnet, wer sich mit individuellen Massnahmen auf jedwede Art von Katastrophe vorbereitet. Prepper leitet sich dabei vom Englischen «to be prepared», also «vorbereitet sein», ab. Guido, Pascal und Falco sind selber Prepper. In dieser Szene bleibt man unter sich, hängt nicht an die grosse Glocke, dass man ein Prepper ist. Man will nicht, dass die Nachbarn davon erfahren, denn im Falle einer Katastrophe würden sich diese natürlich sofort an den für alles gewappneten Prepper wenden. Die Männer wollen deswegen auch nicht, dass Fotos von ihnen gemacht werden, auch zum Schutz ihrer Familien.

Auch den eher versteckten Standort ihres Geschäfts in der Gewerbezone in Remigen haben sie ganz bewusst gewählt. «Wir wollten nicht in ein städtisches Umfeld, wo wir viel Laufkundschaft hätten. Hier ist es schön dezent», sagt Guido. Besucher können bei Bedarf mit ihrem Auto direkt vor den Eingang des Shops im Untergeschoss der Liegenschaft fahren, damit alles diskret zu- und hergehen kann.

Verteidigung oder Flucht

Ansonsten sind die drei Männer aber offen, zeigen gerne ihre Räumlichkeiten und erklären bereitwillig. Momentan sind sie noch mit dem Einrichten ihres Showrooms beschäftigt, viel Zeit bleibt ihnen aber nicht mehr. Bereits am nächsten Samstag, am 8. September, feiern sie die Neueröffnung ihres Shops mit einigen Attraktionen. An Demopoints können gewisse Utensilien direkt ausprobiert werden, darüber hinaus hat man die Möglichkeit, vor Ort gekochte Notnahrung zu probieren.

Obwohl noch nicht ganz alles an seinem geplanten Platz liegt, kann man sich schon einen guten Überblick über das Sortiment des Shops machen. Das Motto der Männer lautet «Krisenvorsorge für die ganze Familie». Die drei wollen mit ihrer GmbH Gesamtlösungen im Gebiet der Notfallvorsorge anbieten. So kann sich der Kunde etwa entscheiden, ob er sich im Falle einer Katastrophe zu Hause verteidigen beziehungsweise verschanzen will. Dann kommt die «Home Defense» zum Tragen. In diesem Fall bewahrt man eine oder mehrere Kisten, je nach Anzahl der Bewohner, etwa in seinem Keller auf. In diesen Kisten befinden sich Utensilien, die man zum kurz- und längerfristigen Überleben benötigt. Das reicht von Langzeitnahrung, die drei bis zehn Jahre haltbar und bei Bedarf auch vegan ist, über Wasserfilter, damit man dreckiges Wasser trinkbar machen kann, über Gaskocher, Stirnlampen, bis hin zu ABC-Schutzmasken oder Schutzanzügen der Klasse C für den Fall einer Atomkatastrophe. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

Falls man im Falle einer Katastrophe flüchten möchte, bieten die drei sogenannte «Bug out bags» an. Mit diesen Rucksäcken, die immer bereits gepackt irgendwo im Haus stehen, kann man sofort die Flucht antreten. Auch in diesen Rucksäcken befinden sich Notnahrung, Wasser in eingeschweissten Beuteln, Werkzeuge oder auch ein Erste-Hilfe-Set. Daneben kann man auch einen «Get home bag» erwerben, mit dem man bei Eintritt einer Katastrophe nach Hause zu seiner Kiste oder seinem Rucksack gelangen kann. «Ich habe immer einen solchen Rucksack im Auto», sagt Falco.

Wichtig ist, dass die Utensilien vielfältig einsetzbar und leicht sind. So gehören Multifunktionswerkzeuge zum fixen Equipment eines Preppers. Auch die Kleidung spielt eine wichtige Rolle. Jacken oder Schuhe müssen leicht, aber robust sein, Rucksäcke bequem, damit man auch lange Strecken mit ihnen zurücklegen kann. Das Equipment ist kampferprobt und speziell für Prepper ausgelegt. Neben Kleidern, Nahrung und Werkzeugen bietet die «Urban Doomsday Prepper GmbH» ihren Kunden auch Fluchtfahrzeuge an. Dabei stehen Motocross-Maschinen, Quads, Buggys, aber auch Schlauchboote zur Verfügung – je nach dem, in welchem Terrain man flüchten muss. Daneben arbeiten sie mit Partnern zusammen, die Survival-Kurse oder Schiesstrainings anbieten.

Beratung entlarvt Fanatiker

Die Katastrophen, auf die sich die Prepper vorbereiten, sind vielfältig. So können Naturkatastrophen, Stromausfälle, Super-GAUs oder Kriege zu Notsituationen führen. «Wenn es in der Schweiz einen Stromausfall gibt, herrscht innert drei Tagen Chaos», ist sich das Team sicher. Mit übertriebenen Endzeit-Fantasien können die drei Prepper aber nichts anfangen. Sie bezeichnen sich als «gemässigt» und distanzieren sich nachdrücklich von Fanatikern oder sogenannten «Doomern», die vom drohenden Weltuntergang überzeugt sind.

Wie wollen sie verhindern, dass solche Fanatiker sich in ihrem Shop mit Utensilien und auch Waffen wie Messern oder Beilen eindecken? «Wir setzen auf persönliche und individuelle Beratung. Sollten wir merken, dass jemand fanatische Ansichten hegt, so würden wir keinen Verkauf durchführen», sagt Pascal. Auf der Website der GmbH ist auch ein Online-Shop zu finden. Dort soll vor allem Ware angeboten werden, für die es keine Beratung braucht, wie etwa Kleider.

Die Öffnungszeiten passen sie individuell ihren Kunden an. Sie werden jeweils am Samstag von 8 bis 18 Uhr geöffnet haben, unter der Woche empfangen sie Besucher nach telefonischer Anmeldung. So können die Kunden in aller Ruhe und diskret ihr Anliegen schildern und die drei Prepper werden eine passende Gesamtlösung zusammenstellen. Die Geschäftsinhaber betreiben den Shop praktisch ehrenamtlich. «Wir zahlen uns keinen Lohn aus», sagt Pascal. Mit der Eröffnung ihres Shops wollen sie quasi ihr Hobby zum Beruf machen. «Schön wäre es, wenn wir irgendwann davon leben können», so Falco. Zuerst steht jetzt die Eröffnung des Showrooms an, danach wird sich zeigen, wie viele Menschen sie mit ihrem Shop ansprechen können.