Eigenamt
Die Trachtengruppe ist bald männer- und präsidentenlos

Dem Tanz- und Singverein fehlen vor allem Männer – und Kandidatinnen fürs Präsidentenamt.

Deborah Bläuer
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Trotz Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu finden, geht es bei der Trachtengruppe Eigenamt fröhlich zu.ZVG/Annerose Morach

Trotz Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu finden, geht es bei der Trachtengruppe Eigenamt fröhlich zu.ZVG/Annerose Morach

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In den letzten Jahren hat das Brauchtum einen Aufschwung erlebt. Allerdings konnten nicht alle in dieser Sparte davon profitieren. «Das Trachtentanzen befindet sich in der Talsohle», bedauert Annerose Morach, Präsidentin der Trachtengruppe Eigenamt. Der Verein ist momentan in einer schwierigen Situation. Er kämpft mit Mitgliedermangel und Überalterung und das hat jetzt sogar zur Folge, dass er bald präsidentenlos sein wird. Denn Annerose Morach gibt ihr Amt ab. Nicht aus Überdruss, sondern weil sie ins Berner Oberland zieht. Bis jetzt konnte noch keine Nachfolgerin gefunden werden.

Alle bisherigen Bemühungen des Vereins durch Schnupperabende neue Leute anzulocken, blieben erfolglos. Insbesondere Männer fehlen. Gerade einmal zwei Herren sind in der Trachtengruppe Eigenamt aktiv. Sie singen im Chor mit, der 25 Mitglieder zählt. Die Tanzgruppe besteht hingegen ausschliesslich aus Frauen – 12 an der Zahl. Da vor allem Paartänze zum Repertoire gehören, wird es schwierig.

Geplant wird vorzu

Deswegen plant der Verein das Programm auch nicht ein Jahr im Voraus, sondern schaut bei jeder Auftrittsanfrage wieder neu, ob er zusagen kann. «Wir würden es gerne tun. Aber es hängt immer davon ab, ob wir Kapazität haben», sagt Morach.

Wieso es an Mitgliedern mangelt, weiss sie nicht genau, aber sie hat ein paar Vermutungen. Vielleicht sei es, äussert sie, weil der Aargau etwas städtisch angehaucht sei. In anderen Kantonen hätten Trachtengruppen weniger Nachwuchsprobleme. Möglicherweise habe es auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun. Heute wollten viele Leute ungebunden sein und ihren Freizeitaktivitäten spontan nachgehen. Sie gingen nicht mehr gerne an fix festgelegten Tagen ins Training und wollten keine Verpflichtungen, wie zum Beispiel Vorstandsarbeit oder das Präsidentenamt, übernehmen.

Insgesamt drei Mal pro Monat, jeweils montags, treffen sich die Tänzerinnen der Trachtengruppe Eigenamt zwischen 20 und 21.45 Uhr im Schulhaus Breite in Lupfig, um zu üben. Am vierten Montag des Monats probt der Chor hier. Morach ist von der positiven Wirkung des Tanzens überzeugt. Es sei gut fürs Gehirn und fördere die Koordination. Die Trachtengruppe Eigenamt steht allen Frauen und Männern offen. Wichtig ist, dass die Leute gerne Kultur, Heimatbräuche und Tänze mit volkstümlicher Musik haben. Das beste Beispiel, dass diese Interessen auch in der jüngeren Generation vertreten sein können, ist die Tanzleiterin des Vereins, die 38-jährige Martina Windlin.

Auch vom Finanziellen her ist das Trachtentanzen für viele Leute geeignet. Denn sich für das Hobby extra eine neue Tracht anzuschaffen, ist kein Muss. Schliesslich gibt es heutzutage die Möglichkeit, Trachten zu mieten oder an sogenannten Trachtenbörsen gebrauchte Stücke zu kaufen. Und wer noch ein Erbstück hat, darf dieses ebenfalls gerne mitbringen und tragen. Letztlich bleibt jedem selbst überlassen, was er für eine Tracht anziehen möchte, es sind Kleidungsstücke aus der ganzen Schweiz erlaubt.

Bezüglich des vakanten Präsidentenamts wurde eine Übergangslösung gefunden. Und zwar wird die Arbeit künftig einfach aufgeteilt. Leute aus dem Vorstand des Vereins stellen sich als Ansprechpersonen für Anlässe zur Verfügung und alles was digital erledigt werden kann, macht Morach weiterhin, allerdings vom Berner Oberland aus.

Interessierte können sich bei Annerose Morach unter der Telefonnummer 056 282 22 04 melden.