Mandach

Die Töffli-Fans drehen die Zeit zurück

Die Aargauer Töffli-Tour mit Start und Ziel in Mandach brachte auf 110 Kilometern viele Herausforderung mit – für Mensch und Maschine, aber auch viel Nostalgie, Kameradschaft und Plausch. Und auf die Uhr schaute keiner.

Samstagmorgen, 11.30 Uhr, Benkerjoch: Schon stehen die ersten Schaulustigen auf 674 Meter Höhe und warten. Irgendwann sollen sie von Küttigen her kommen. Und eigentlich sind sie auch schon überfällig. Da wird das Geknatter immer lauter. Blaue Rauchschwaden hüllen die Bäume ein. Chrom blitzt auf, die ersten haben die Passhöhe erreicht, winken erleichtert: 16 Prozent Steigung – den härtesten Streckenabschnitt und den höchsten Punkt der Tour schafft nicht jedes Töffli aus eigener Kraft.

So mancher Fahrer muss mit Muskelkraft nachhelfen, selbst in die Pedale treten. Und es gibt noch etwas Unerwartetes: Eine Ölspur zieht sich die ganze Passstrasse entlang. Um das Öl aufzusaugen, hat die Feuerwehr Küttigen Bindemittel ausgestreut, das jetzt beim Drüberfahren ordentlich staubt und so manchem die Tränen in die Augen treibt.

An der 3. Aargauer Töffli-Tour knattern die Zweitakter

An der 3. Aargauer Töffli-Tour knattern die Zweitakter

Rund 100 Fahrer nahmen teil

«Wenn wir das im Vorfeld gewusst hätten, hätten wir die Route sicherlich verlegt», sagt Töffli-Tour-Organisator Roger Schwegler. Zum dritten Mal liess er am vergangenen Samstag die Tour steigen und jedes Mal werden es mehr Teilnehmer. Rund 100, noch mal etwa 30 mehr als im letzten Jahr, waren es aktuell – Alt und Jung, Söhne, Töchter, Eltern und Grosseltern, vereint in der Liebe zu den Flitzern mit Zweitaktmotor, die Freiheit und Mobilität versprachen zu einer Zeit, in der es noch keine E-Bikes gab.

Auch für Alex Bollhalder aus Würenlingen ist es heute eine Zeitreise zurück in die Jugend. «Ich hatte damals eine ‹Sachs Hercules›, natürlich mit 2-Gang-Handschaltung», erzählt er. Er ist bei der 3. Aargauer Töffli-Tour mit seinen beiden Söhnen an den Start gegangen. Die drei haben sich gegenseitig mit ihrem Töffli-Fieber angesteckt und sagen über ihre antiken Schätzchen: «Super, dass die alte Technik immer noch läuft.»

Vom ersten Mal an, seit 2016, ist Heinz Wüthrich aus Seengen am Hallwilersee, von Beruf Velo- und Mofamechaniker, dabei. An seiner ‹Sachs Tigra Caravelle› aus den 60er Jahren hat er so gut wie alles erneuert. «Wenn ich erzählen würde, was alles, würde ich heute nicht mehr fertig.»

Die Sehnsucht kehrt zurück

Gut, dass am Grillplausch beim Restaurant Adler in Oberhof mehr Zeit zum Plaudern ist. Auch Mirco Schärz, in Döttingen zu Hause, hat zum Thema Töffli eine Geschichte zu erzählen. «Ich war so etwa 13 Jahre alt, als ich mein erstes Töffli geschenkt bekam, eine ‹Puch Maxi N› in Orange.» Ein paar Jahre später verkaufte er sie für gerade mal 300 Franken.

Doch nach Jahren, mit heute 26, kehrte die Sehnsucht zurück, und es musste ein neues Töffli her. Aber nicht irgendeines. Dasselbe Modell sollte es sein und auch wieder in Orange. Schärz war überglücklich, als ihm Roger Schwegler genau dieses beschaffte. Wobei es ihn um einiges teurer kam: 1000 Franken für die Maschine und noch einmal 500 Franken für die Restaurierung.

Beim Blick darauf wird er wehmütig: «Ach ja, wenn man nur die Zeit noch einmal zurückdrehen könnte.»

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