Zeihen
Die Texte werden in eine neue Form gegossen

Slampoetin Patti Basler feiert mit dem ersten abendfüllenden Programm Premiere. Mit den Vögeli-Zwillingen lotet sie die Grenze zwischen Sprache und Musik neu aus.

Claudia Meier
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Die Vögeli-Zwillinge, Sven (links) und Serge, feiern am Freitag zusammen mit Slampoetin Patti Basler in Zeihen Premiere. Claudia Meier

Die Vögeli-Zwillinge, Sven (links) und Serge, feiern am Freitag zusammen mit Slampoetin Patti Basler in Zeihen Premiere. Claudia Meier

Die drei Kulturschaffenden aus der Region üben in diesen Tagen am Feinschliff für ihre Premiere in Zeihen. Für Patti Basler aus Baden ist es eine Rückkehr auf die Bretter, die für sie bereits im Kindergarten die Welt bedeuteten. Die selbst verfassten Gedichtvorträge der Bauerntochter waren während Jahren fester Bestandteil der Schulschlussfeier in Zeihen.

Für die 36-jährige Fricktalerin ist das Leben auf dem Land aber zu ruhig: «Mich zog es vor allem wegen dem Kulturangebot schon früh in die Stadt. Mit Slam-Poetry habe ich aber erst vor drei Jahren – als Spätzünderin – angefangen.» Als Basler an Slam-Poetry-Abenden im Publikum sass, dachte sie schnell: «Das kann ich auch.» Gesagt, getan. Basler holte bereits bei der ersten Wettbewerbsteilnahme in Wohlen in der ersten Runde die Maximalpunktzahl. Seither hat sie mit unzähligen Slampoeten duelliert und kann auf nationaler Ebene einige Erfolge verzeichnen.

Rastloses Multitalent

Heute studiert die ausgebildete Lehrerin berufsbegleitend an der Universität Zürich Erziehungswissenschaften, Soziologie und Kriminologie. Daneben ist sie als Slampoetin, Lehrerin, Mami und Hausfrau tätig. «Hausfrau steht ganz klar zuletzt», sagt Basler trocken. Patti Basler verfasst laufend neue Texte und probiert ungewöhnliche Inszenierungen und Kombinationen aus.

Für das erste abendfüllende Programm «Kropfgezwitscher» hat sie sich die gebürtigen Remiger Zwillinge an ihre Seite geholt. Wenn Basler nun mit Sven und Serge Vögeli auftritt, ist es kein Poetry-Slam im klassischen Sinn mehr. «Es ist eine Mischform aus literarischem Stil und einer Art Kabarett. Der Inhalt ist zwar Slam-Poetry, aber die Form ist anders», erklärt Basler. Die Interaktion zwischen Musik und Text findet nicht im Rahmen eines Wettbewerbs statt.

«Hier liegt die Herausforderung, aber auch das Potenzial. Wir wollen die musikalische Beziehung zum Text auf qualitativ hohem Niveau aufbauen», sagt Serge Vögeli, der in Zeihen E-Gitarre spielen wird. Sein Bruder Sven spielt Schlagzeug. Die beiden 34-jährigen Lehrer sind sich einig, dass ihre Musik in dieser neuen Form auf der Bühne auch mal dominieren darf. «Für das Publikum ist es etwas Neues. Ich biete den Käfig und die Zwillinge sind die Vögeli darin, die frei herumturnen dürfen», erklärt Basler, die in ihren Texten kein Tabu kennt.

Das neue Programm heisst «Kropfgezwitscher». Die literarisch überspitzte und schnelle Kunstform eigne sich besonders gut, um den Kropf zu leeren und den Leuten mit dem lyrischen «Ich» die Meinung zu sagen, so Basler. «Wir twittern über Alltagssituationen, aber in der realen Welt. Mit der neuen Kunstform sprechen wir alle Sinne an.»

«Kropfgezwitscher»: Freitag, 7.September, 20.30 Uhr, Unterkirche Zeihen.