Brugg
«Die Teilnahme an den Paralympics ist meine Berufung»

Nach einem schweren Autounfall fiel Fredi Büchler ins Koma. Als er nach einem Monat aufwachte, war seine rechte Körperhälfte wegen eines Hirntraumas gelähmt. Acht Jahre später und nach viel Training schaffte er es nicht nur aus dem Rollstuhl, sondern auch auf die Rennbahn.

Erina Allmendinger
Merken
Drucken
Teilen
Fredi Büchler trainiert jeden Tag, um seinem Ziel näher zu kommen. EF

Fredi Büchler trainiert jeden Tag, um seinem Ziel näher zu kommen. EF

«Als ich noch im Rollstuhl sass, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich jemals an den Paralympics teilnehmen werde. Vielleicht war es gut so, denn sonst hätte mich die Idee wahrscheinlich nicht so gepackt», erzählt er. Als Fredi Büchler am Doppelironman 2011 in Neftenbach teilgenommen hat, machte ihn eine Sekretärin von Plusport Behindertensport Schweiz auf die Paralympics aufmerksam. Im Herbst 2010 erhielt der Paratriathlon erstmals den Zuschlag des International Paralympic Committee (IPC) für die Paralympischen Spiele im September 2016 in Rio de Janeiro. «Als ich das hörte, bin ich beinahe explodiert», erzählt er. Für ihn stand fest: «Die Teilnahme an den Paralympics ist meine Berufung.» Fredi Büchler wäre damit der erste Schweizer, der den Paratriathlon bestreitet.

Seitdem trainiert er jeden Tag: Am Montag und Mittwoch geht er mit dem Jogging Club Brugg laufen. Am Dienstag besucht er die Laufschule, was er seiner Meinung nach schon viel früher hätte tun sollen. Die Laufschule hilft ihm, seine Lauftechnik zu verbessern und vereinfacht das Laufen mit dem immer noch leicht beeinträchtigten Bein. Zum Triathlon gehört auch das Schwimmen. Jeden Freitag trainiert er in der Schwimmhalle Burghalde. «Ich arbeite vor allem an der Technik. Wenn ich dann die Fortschritte sehe, bin ich voll motiviert, energisch dahinter zu gehen», erzählt er. Das Schwimmen bereitet ihm noch am meisten Schwierigkeiten, da es für ihn schwierig ist, die Koordination zwischen Armen und Beinen zu steuern. «Wenn mich jemand schwimmen sehen würde, glaubte er mir nicht, dass ich am Ironman teilgenommen habe», sagt er.

Meiste Arbeit findet im Kopf statt

Michi Steinmann, Trainer des Triathlon-Club Baden, wirft beim Training ein besonderes Auge auf Fredi Büchler und unterstützt ihn auf seinem Weg zu den Paralympics. «Die meiste Arbeit findet jedoch in meinem Kopf statt. Die Motivation ist das Wichtigste, meine körperliche Leistung kann ich nur noch begrenzt steigern», sagt er zu seinen Vorbereitungen auf die Paralympics. Fredi Büchlers Hausarzt hat ihn bereits in die Klasse TRI3, eine von sechs Startklassen der Paralympics, eingeteilt, was eine Voraussetzung für die Teilnahme ist. Nächstes Jahr muss er sich bei der EM oder WM lediglich klassifizieren und in zwei Jahren bei einem vom IPC anerkannten Marathon qualifizieren. Dafür muss er unter das beste Drittel kommen.

Druck macht sich Fredi Büchler keinen. «Ich denke jeden Tag an die Paralympics», sagt er und lächelt. «Daran, dass ich es nicht schaffen könnte, mich zu qualifizieren, denke ich nie. Ich weiss, dass ich es schaffe.» Das Gewinnen sei ihm nicht wichtig, alleine um die Teilnahme geht es ihm. «Ich will der Welt beweisen, dass man auch das Unmögliche schaffen kann.»

Seit Mittwoch ist Fredi Büchler mit seiner Frau zu Fuss nach Genf unterwegs. Mit dieser Aktion will er seine Ausdauer und die Grundlagen trainieren. «Ich hoffe, dass ich meine Frau noch überzeugen kann, auch in der Nacht etwas zu laufen», sagt er und lacht.