Brugg

«Die Strafe soll nicht schaden» – junger Mann bekommt eine letzte Chance

Im August 2016 stieg der 23-Jährige aus der Region über das Toilettenfenster in die Volg-Filiale in Windisch ein. (Symbolbild)

Im August 2016 stieg der 23-Jährige aus der Region über das Toilettenfenster in die Volg-Filiale in Windisch ein. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Brugg hat einen Wiederholungstäter zu 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der 23-Jährige musste sich unter anderem wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor Gericht verantworten.

«Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben und werden Sie erwachsen», hielt Einzelrichterin Gabriele Kerkhoven am Schluss des Prozesses diese Woche gegenüber dem Angeklagten am Bezirksgericht Brugg fest.

Der 23-jährige Travis (Name geändert) musste sich wegen verschiedener Straftaten vor Gericht verantworten: mehrfacher Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfacher Hausfriedensbruch und wiederholtes Schwarzfahren im Zug.

Im August 2016 stieg der junge Mann aus der Region an einem frühen Sonntagmorgen über das Toilettenfenster in die Volg-Filiale in Windisch ein. Er hatte die Absicht, dort Bargeld in der Höhe von zirka 2000 Franken zu entwenden.

Als der Alarm ertönte, schnappte Travis noch schnell acht Schachteln Zigaretten und machte sich aus dem Staub. Gut zwei Monate später war der Beschuldigte in Baden unterwegs. Beim Billardcenter Black Ball an der Dynamostrasse schlug Travis nach Mitternacht mit einem Stein eine Fensterscheibe ein.

Aus der Kasse nahm er Bargeld in der Höhe von 1205 Franken sowie den Münzeinsatz mit. Im folgenden Jahr wurde der Beschuldigte zudem noch innerhalb eines Monats dreimal beim Schwarzfahren im Zug erwischt.

Bereits zu Freiheitsstrafe verurteilt

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach beantragte für den Beschuldigten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 500 Franken Busse. Travis ist vorbestraft und wurde bereits im Januar 2014 vom Bezirksgericht Brugg zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt.

Dieser Strafvollzug sei nicht zu widerrufen, fand die Staatsanwaltschaft. Stattdessen sei Travis zu verwarnen und die Probezeit von 3 Jahren um 1 Jahr zu verlängern.

Der Angeklagte im beigen Pullover, in dunkler Hose und farbigen Sportschuhen schilderte gegenüber Einzelrichterin Kerkhoven, dass er rund zehn Jahre im Kinderheim verbracht, später eine Lehre absolviert hatte und seit längerer Zeit auf Stellensuche sei.

Momentan ist der Sozialhilfeempfänger für drei Monate in einem Beschäftigungsprogramm. «Ich bin froh, dass ich wieder einen geregelten Tagesablauf habe», betonte Travis.

Bei den Straftaten in Windisch und Baden habe er die Vorstrafe ausgeblendet, sagte Travis. «Ich verübte die Einbrüche, weil ich finanziell in der Not und dies für mich der einzige Ausweg war.» Zudem sei der Kontakt zum Beistand damals nicht so gut gewesen wie zum neuen.

«Die Strafe soll nicht schaden»

Auf Hinweis des Verteidigers fragte die Richterin den Beschuldigten, ob er anstelle einer Freiheitsstrafe gemeinnützige Arbeit verrichten würde. Travis bejahte. Die Straftaten, die ihm zur Last gelegt wurden, anerkannte er vollumfänglich.

Der Verteidiger sprach von Kleinkriminalität mit geringer Sachbeschädigung und fand, dass Travis auf einem guten Weg sei. Er erachtete eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten als angemessen. Nach dem Grundsatz, wonach die Strafe nicht schaden, sondern nützen soll, beantragte der Verteidiger, eine Halbgefangenschaft oder eben gemeinnützige Arbeit zu prüfen.

In seinen letzten Worten gab Travis seiner Hoffnung Ausdruck, dass er im Job weitermachen kann. Er bedankte sich bei der Richterin, dass er sich vor dem Gericht erklären konnte.

Kerkhoven folgte im Urteil mehrheitlich dem Antrag der Verteidigung und verurteilte Travis zu 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit und 800 Franken Busse. Sie verzichtete auf den Widerruf der Vorstrafe und verlängerte die Probezeit um das Maximum von 1,5 Jahren.

Als Grund erwähnte sie: «Sie sind noch jung und hatten einen schlechten Start ins Leben. Ich will Ihnen deshalb noch eine allerletzte Chance geben.»

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