Der stattliche, topmoderne Bau mit viel Holz bietet grosszügige Platzverhältnisse für die Tiere: Swissgenetics nimmt die neuen Stallungen in Mülligen in Betrieb. Diese befinden sich an idyllischer, etwas versteckter Lage am Dorfrand. Vielleicht ein eher unspektakulärer Standort, aber: Beim national und international tätigen Unternehmen handelt es sich um den grössten Schweizer Produzenten und Vermarkter von Stier-Sperma für die künstliche Besamung, kurz: den Marktführer.

Mit der Investition in die Stallungen werde die Absicht bekräftigt, die Verantwortung gegenüber den Rindviehhaltern und Rindviehzüchtern auch in Zukunft wahrzunehmen, sagte SwissgeneticsDirektor Christoph Böbner. Gestern Donnerstag waren die Medienvertreter eingeladen, auf einem kurzweiligen Rundgang einen exklusiven Blick in den eindrücklichen Neubau zu werfen.

Die Infrastruktur war veraltet

Die Rindviehhaltung habe seit je eine grosse Bedeutung in der Schweiz, sei eine zentrale Stütze der hiesigen Landwirtschaft, fuhr Böbner fort. Aktuell zähle die Schweiz knapp 35'000 Betriebe, die Rindvieh halten. Davon sind fast 20'000 Milchproduzenten. Swissgenetics betreibe zusammen mit den Zuchtorganisationen die Zuchtprogramme und stelle einen flächendeckenden Besamungsdienst sicher, so der Direktor. Es sprach von einer genauso spannenden wie herausfordernden Aufgabe.

Die alte Infrastruktur stammte aus der Gründerzeit, aus den Sechzigerjahren, und habe nicht mehr den heutigen Anforderungen an die Tierhaltung entsprochen, zeigte Ulrich Witschi auf, der Bereichsleiter Produktion. «Es war Zeit für eine Anpassung.» Bei der Planung habe dann vor allem das Tierwohl im Vordergrund gestanden. Über das Ergebnis äusserte er sich sehr zufrieden. «Wir haben wirklich Freude an den Bedingungen, die wir den Tieren bieten können.»

Als weitere Zielsetzungen, die mit dem Neubau verfolgt wurden, nannten Direktor Böbner und Produktionsleiter Witschi die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, die Verbesserung der innerbetrieblichen Abläufe und damit der Effizienz sowie die moderate Kapazitätserweiterung und die leicht höhere Produktionsflexibilität.

Die Vorstudien begannen bereits ab Herbst 2013 und haben laut Witschi – weil Individuallösungen gefragt waren – viel Zeit in Anspruch genommen. Vorgenommen worden sei eine interne Bedürfnisabklärung, erstellt wurde ein detailliertes Tierhaltungskonzept. Es folgte die Grobplanung mit der Kostenschätzung. Ende August 2016 fällte der Vorstand den Realisierungsentscheid. Von da an sei das Projekt gelaufen wie auf Schienen, stellte der Produktionsleiter fest. Sowohl der Budget- als auch der Zeitrahmen habe eingehalten werden können, die Qualitätsanforderungen würden erfüllt.

Mensch-Tier-Beziehung ist wichtig

Der Spatenstich erfolgte im September 2017. Ende Juli des letzten Jahres konnte die erste Bauetappe abgeschlossen und der erste Stall bezogen werden. Ab Anfang Juli werden die Tiere – mit dem Abschluss der zweiten Etappe – auch den zweiten Stall beziehen.

Überbaut wurde eine Fläche von insgesamt rund 10'000 Quadratmetern, investiert wurden total 6,7 Mio. Franken. Zur Verfügung stehen nun über drei verschiedene Boxensysteme: 16 Einzelboxen mit Hochbett, 48 Einzelboxen mit Tiefstreubereich sowie 102 Reihenboxen zur Einzel- oder Doppelbelegung – gemäss Swissgenetics also für alle Bedürfnisse der Zuchtstiere eine optimale Boxenform. Das Stallkonzept sieht eine einfache Mechanisierung vor. Für das Misten sind zeitgesteuerte Entmistungsschieber im Einsatz. Die Heuballen werden mit einem Futterwagen verteilt.

Apropos Tierhaltungskonzept: Bei der Aufzucht sowie bei der Produktion ist die Freilaufhaltung die Basis der Stierhaltung an allen fünf Swissgenetics-Standorten, erklärte Witschi. Die Haltungssysteme sind aufeinander abgestimmt, was der Standortwechsel für die Tiere vereinfacht. Ein wichtiger Aspekt sei die Sicherheit sowohl für die Stierenpfleger als auch für die Tiere. Denn Letztere sollen sich in den Boxen nicht verletzen können. Von Bedeutung bei der täglichen Arbeit sei die Mensch-Tier-Beziehung, hob der Produktionsleiter hervor. Zwischen den mächtigen Stieren und den Pflegern müsse eine Vertrauensbasis geschaffen werden können.

Swissgenetics produziert aber nicht nur Stier-Samendosen, sondern auch Sonnenstrom. Die Dachfläche der neuen Stallungen wurde genutzt für die Installation einer leistungsfähigen Photovoltaikanlage. Auf einer Fläche von knapp 3950 Quadratmetern liefern 2376 Photovoltaik-Elemente insgesamt 682'000 Kilowattstunden. «Damit leistet Swissgenetics einen nachhaltigen Beitrag an eine ökologische Stromproduktion», hält das Unternehmen fest.