Immobilien

Die Stadt Brugg verkauft mehrere Liegenschaften: Ein Zeitzeuge liegt direkt an der Aare

Die Einwohnergemeinde trennt sich nach 123 Jahren Besitz zum zweiten Mal von der Brunnenmühle, dem markanten Gebäudekomplex direkt an der Aare.

Als eine Brugger Ortsbürgerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, vor einer Woche an der Immobilienmesse der Aargauischen Kantonalbank die Verkaufsdokumentation für die denkmalgeschützte Brunnenmühle entdeckte, traute sie ihren Augen nicht. Völlig überrascht musste sie feststellen, dass die Einwohnergemeinde Brugg die markante Liegenschaft mit sieben Wohnungen direkt an der Aare und die ausbaubare Scheune für 2 Millionen Franken verkaufen will.

Auf Facebook wurden nach Bekanntwerden dieser Verkaufsabsichten ebenfalls Fragen laut wie: «Liebe Stadt Brugg, warum nur warum?» und «Ist nun die Stadt Brugg bereits so verarmt, dass sie solche Zeitzeugen verhökern muss?». Fest steht: An Geldnot kann es nicht liegen, denn das Nettovermögen der Einwohnergemeinde Brugg belief sich per Ende 2017 auf rund 83,8 Millionen Franken. Wie sich das Nettovermögen im vergangenen Jahr verändert hat, gibt die Stadt am Montag, 1. April, bekannt.

Kindergarten war keine Option

Auf die Frage nach dem Verkaufsgrund antwortet Stefan Hein, Leiter der städtischen Abteilung Planung und Bau, aus Kapazitätsgründen erst nach ein paar Tagen: «Bereits früher und im Rahmen der Nutzungsplanung wurde überprüft, was mit der Liegenschaft geschehen soll. Es hat sich gezeigt, dass sich die Liegenschaft nicht als Standort für eine öffentliche Nutzung und einen Eigenbedarf der Stadt eignet und strategisch gesehen nicht für öffentliche Zwecke benötigt wird.»

Zuletzt sei auch nochmals die Standortoption für eine Kindergartenunterbringung (Kiga Umiken) geprüft worden, jedoch aufgrund anderer Favoriten verworfen worden. «Vor diesem Hintergrund, und da sich die Stadt nicht mit einem Schwerpunkt als Wohnungseigentümerin/-betreiberin betätigen will, wurde im Rahmen der Nupla-Revision entschieden, das Grundstück von der Zone für Öffentliche Bauten neu in eine Wohnzone W2 umzuzonen und eine Veräusserung an einen für die Liegenschaft passenden Eigentümer vorzusehen», fährt Stefan Hein fort.

Aktuell sind sechs der sieben Wohnungen im Erd- sowie im ersten und zweiten Obergeschoss in der Brunnenmühle vermietet. In den letzten Jahren wurden laut dem Abteilungsleiter in einzelnen Bereichen in Unterhalt und Erneuerung investiert (Heizung, Oberflächen, Teil der Küchen). Im Laufe der nächsten Jahre würden die regelmässigen Unterhaltsaufwendungen notwendig.

Aktion von «Badener Tagblatt»

Die Brunnenmühle hatte in der Vergangenheit verschiedene Besitzer, wie Historiker Titus J. Meier in einem Artikel im «General-Anzeiger» aufzeigt. Die Stadt Brugg verkaufte im Jahr 1836 den ganzen Mühlekomplex mit viel Land für 25'230 Franken. Doch bereits 1896 kaufte ihn die Einwohnergemeinde mit weniger Land für 85'000 Franken zurück. Das Interesse galt primär den zugehörigen Quellen für eine zuverlässige Wasserversorgung. Dazwischen war die Mühle in privatem Besitz.

1973 wurde die Brunnenmühle zu Wohnzwecken umgebaut. Der Stadtrat war allerdings nicht gewillt, beide Wasserräder zu restaurieren. Die Lokalredaktion des «Badener Tagblatts» organisierte laut Titus J. Meier deshalb eine Sammelaktion, die durch ein prominentes Patronatskomitee unterstützt wurde. Schliesslich wurde das grosse Mühlrad gerettet. Um es besser sichtbar zu machen, wurde dann der umhüllende Gebäudeanbau abgebrochen.

3 Millionen Franken Kompetenzsumme

Der aktuelle Zielverkaufspreis für die Brunnenmühle von 2 Millionen Franken basiert laut Stefan Hein auf einer Verkehrswertschätzung und «wurde auf dieser Grundlage vom Stadtrat festgelegt». Das Geschäft dieser Veräusserung liegt gemäss Gemeindeordnung in der Zuständigkeit des Stadtrats mit Zustimmung der Finanzkommission. Bei einer Verkaufssumme über 3 Millionen Franken müsste das Geschäft dem Einwohnerrat zur Genehmigung vorgelegt werden. Bei einem Verkaufspreis von über 5 Millionen Franken unterläge das Geschäft dem obligatorischen Referendum und es käme zur Urnenabstimmung.

Wie in den Leitsätzen des Stadtrats Brugg festgehalten ist, hat die Behörde die Erarbeitung einer Immobilienstrategie gestartet. «Der Verkauf passt zu den Leitzielen der Immobilienstrategie», sagt Hein. Derzeit prüfe die Stadt noch bei anderen Liegenschaften, ob bzw. in welcher Form eine Veräusserung anvisiert wird. Etwa beim «Hochuli»-Haus an der Zurzacherstrasse 51.

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