Geht es nach dem Brugger Stadt- und Einwohnerrat, soll das Stimmvolk nach der Annahme der Campussaal-Vorlage am 21. Mai erst in zehn Jahren wieder über weitere Betriebskostenbeiträge abstimmen. Was passiert, wenn die Brugger den jährlichen Defizitbeitrag von maximal 352 000 Franken bis 2027 ablehnen, weiss niemand.

Klar ist nur, es wäre eine Riesenkatastrophe, weil die vorgeschlagene Finanzierung des Campussaals der Gemeinde Windisch und der Stadt Brugg nicht umsetzbar und eine andere Lösung für den Weiterbetrieb des Saals zu erarbeiten wäre. Die Vorlage birgt nicht nur ein grosses Risiko, sondern sie ist auch sehr dringend. Die von der Stadt Brugg und der Gemeinde Windisch bewilligten maximalen Betriebsbeiträge von insgesamt 600 000 Franken pro Jahr (390 000 Franken für Brugg und 210 000 Franken für Windisch) laufen Ende 2017 aus.

Der ursprünglich als Stadtsaal Brugg konzipierte Veranstaltungsort war eine Bedingung, damit der Fachhochschul-Hauptsitz nach Brugg-Windisch kam. Das Ja zum Campussaal glich einer Zangengeburt und gelang erst im zweiten Anlauf dank der Unterstützung aus Windisch. Auch für die Zusicherung der Betriebskostenbeiträge mussten die Stimmbürger zweimal antraben, weil man im ersten Anlauf die Abschreibungen «vergessen» hatte, oder, wie es ein Beteiligter später sagte, weil man den Leuten absichtlich Sand in die Augen gestreut hatte.

Die Organisationsstruktur ist kompliziert

Dieses Mal werden nur die Stimmbürger in der Stadt Brugg an die Urne gebeten: Hier unterliegt die langfristige Folgefinanzierung ab 2018 mit jährlich maximal 352 000 Franken dem obligatorischen Referendum. In der Gemeinde Windisch ist der Beitrag tiefer und das fakultative Referendum gegen den jährlich wiederkehrenden Verpflichtungskredit von maximal 190 000 Franken ab 2018 für fünf Betriebsjahre wurde nicht ergriffen. In den Abstimmungsunterlagen geben sich die Exekutiven der beiden Trägergemeinden überzeugt, «dass die zahlreichen Folgeprojekte, welche der Campus nach sich zieht, die Region und im Besonderen auch die Stadt Brugg und Gemeinde Windisch wesentlich stärken werden».

Die Organisationsstruktur mit den Firmen Campussaal Immobilien AG (CIAG) und Campussaal Betriebs AG (CBAG) ist alles andere als einfach zu verstehen. Dennoch kam eine Arbeitsgruppe zum Schluss, dass man daran festhalten will. Dies habe einerseits den Vorteil, dass die Geschäftsrisiken transparent zugeteilt sind. Andererseits bedingt diese Organisation zwei Verwaltungsräte und Rechnungsführungen. Die Option, die beiden Gesellschaften zu einer Campussaal AG zu fusionieren, könne zurzeit nicht weiterverfolgt werden, weil die finanziellen Konsequenzen bei der Mehrwertsteuer zu hoch wären, heisst es weiter.

Warum gibt es so starke Schwankungen?

Aus der Brugger Abstimmungsbroschüre wird nicht ersichtlich, wie hoch die Betriebskostenbeiträge der Steuerzahler an den Campussaal seit der Eröffnung im Herbst 2013 effektiv waren. Eine Nachfrage bei den Trägergemeinden zeigt, dass der jährliche Beitrag der Stadt Brugg bisher zwischen 165 407 (im 2014) und 390 000 Franken (im 2013) schwankte. Letztes Jahr war er rund 140 000 Franken höher als im Vorjahr, obwohl der Campussaal einen neuen Besucherrekord verzeichnen konnte. Wie lassen sich diese Unterschiede erklären?

Dazu konnten Ende Januar weder CIAG-Verwaltungsratspräsident Martin Wehrli noch CBAG-Verwaltungsratspräsident Willi Däpp etwas sagen, weil die definitiven Jahresabschlüsse noch nicht vorlagen. Wehrli stellte der az für Ende März Antworten in Aussicht. Im April zeigte sich dann, dass die letztjährigen Kosten für die Stadt Brugg 8000 Franken höher sind als zuerst angenommen. Erklärungen dazu gibt es nach wie vor keine. Auch nicht dazu, um wie viel die Verwaltungsratshonorare, wie in der Botschaft erwähnt, gesenkt wurden. Nun hat Wehrli eine Pressekonferenz für den kommenden Donnerstag, 11. Mai, angekündet. Dass das zehn Tage vor der Abstimmung ist, scheint der CBAG und der CIAG egal zu sein.

In den Verwaltungsräten der CIAG und der CBAG sitzen zum Teil Leute, die früher gegen den Campussaal waren und jetzt jährlich mehrere tausend Franken Honorar bekommen. Das ausserordentliche Engagement für den Campussaal, wie es aktuell von den Brugger Stimmbürgern verlangt wird, ist bei diesen Gremien leider nicht zu erkennen. Man tut sich nur schon schwer mit Abklärungen für eine bessere Saalnutzung. Im Stadtrat wurde offenbar über eine Infoveranstaltung für das Stimmvolk nachgedacht. Ohne Resultat – ob aus Kostegründen oder aus Angst vor unbequemen Fragen, sei dahingestellt. Die Stimmbürger lassen sich nicht an der Nase herumführen und die Stadt geht so ein hohes Risiko ein.