Brugg

Die Stadt anders entdecken: Führungen mit eingeflochtenen szenischen Darbietungen

Wenn der Stadtführer nicht nur mit Jahreszahlen jongliert, sondern auf Französisch Wegbeschreibungen gibt, ist das die neue Art, Geschichte zu vermitteln.

Treffpunkt Vindonissa-Museum: Verena Rohrer, Geschäftsstellenleiterin von Regio Brugg, begrüsst rund 30 Interessierte. «Rund ein Jahr Vorbereitungszeit liegt hinter uns», erzählt sie. 2016 war sie mit Reto Boschung und Roger Pfyl übereingekommen, den bewährten und klassischen Brugger Stadtführungen eine weitere Facette hinzuzufügen: Führungen mit eingeflochtenen szenischen Darbietungen – frecher, ungewohnter, kurzweiliger, temporeicher.

Boschung und Pfyl kannte Verena Rohrer durch deren Mitarbeit beim Legionärspfad Vindonissa und hat mit beiden auch schon bei der Produktion eines Imagefilms für den Verband Brugg Regio zusammengearbeitet. «Ich habe bei den szenischen Stadtführungen in Bern mitgewirkt, wo diese ebenfalls sehr gut ankommen», so Boschung auf Nachfrage.

Intermezzo: Stadtführer Felix Müller und die welsche Touristin.

Intermezzo: Stadtführer Felix Müller und die welsche Touristin.

Während Boschung die neue Stadtführung, die unter dem Motto «Orte des Wissens» steht, erdacht und geschrieben hat, zeichnet für das Projekt Pfyl, Theatermacher aus Luzern, als Regisseur verantwortlich. Die szenischen Darbietungen übernimmt Katharina Müller, Geschichtsvermittlerin beim Legionärspfad Vindonissa und auf Schloss Lenzburg. Sie schlüpft in der Führung in drei Rollen – die strenge Grammatica in antikem Gewand, eine quirlige welsche Touristin und Frau Professor König, deutsche Mitarbeiterin am Paul-Scherrer-Institut, der auch gar nichts peinlich ist.

Immer wieder taucht die Schauspielerin aus dem Nichts heraus auf, fragt Stadtführer Felix Müller beim Schwarzen Turm nach dem Weg und tut beim Stadtmuseum kund, die Bilder von Landschaftsmaler Adolf Stäbli lieber bequem von zu Hause aus im Internet zu betrachten. Während sie als Grammatica im strengen antiken Gewand erscheint, ist ihr Touristinnen-Outfit so quietschbunt wie ihr Wissenschaftler-Kostüm seriös – eine Herausforderung, muss Katharina Müller Kostüm und Maske bei ihren Einlagen doch stets mit sich führen und dezent im Hintergrund deponieren.

Bestehendes Angebot wird ergänzt

Bei der Führung «Orte des Wissens», die neben Müller auch Titus Meier übernehmen wird, ist nichts dem Zufall überlassen. Was die beiden Stadtführer sagen und wie sie das tun, wo sie stehen und wie sie das Wort an ihr jeweiliges Publikum richten, ist im Skript genau beschrieben. Auch Katharina Müllers mal ernste, mal komische Einlagen folgen einer festen Dramaturgie.

Auf ihre Motivation angesprochen, das Projekt zu lancieren, sagt Verena Rohrer: «Wir wollen damit das bestehende Angebot an Stadtführungen ergänzen und bereichern. Es wird in Brugg beim Mix an klassischen und szenischen Führungen bleiben.» Auch Felix Müller findet diese Mischung reizvoll. Dass er bei «Orte des Wissens» nicht mehr allein entscheidet, was er erzählt, sondern einem festgelegten Ablauf zu folgen hat, ist neu, aber auch spannend für ihn. «Es gab zuvor schon Proben, doch heute ist es das erste Mal vor Publikum», berichtet der Stadtführer.

Heute ist er als Geschichtsvermittler nicht nur neue Wege gegangen, sondern nach gut einer Stunde, gemeinsam mit Verena Rohrer, Reto Boschung, Roger Pfyl und Katharina Müller auch froh und erleichtert über die gelungene Premiere. Und zuversichtlich, dass der neuartige Trip durch Brugg und Windisch bald noch mehr Freunde findet.

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