«Ja, die Schweizer essen sehr fettig, aber es ist auch so lecker!», sagt Laura Peter während der Diskussion. Alle stimmen lachend zu. Die 33-Jährige ist seit Juni die Leiterin des Tandem-Treffs Deutsch. Dieser findet jeweils jeden Donnerstag von 9 Uhr bis 11 Uhr statt und kostet zwei Franken pro Treff.

Das Angebot, vom Interkulturellen Verein Brugg (IKUVB) organisiert, dient Migrantinnen und Migranten sowie Einheimischen der Region Brugg. In Diskussionsrunden wird über alltägliche Themen gesprochen. Zudem wird eine Kinderbetreuung während der zwei Lektionen zur Verfügung gestellt. Heutiges Thema ist das Gesundheitssystem in der Schweiz. Acht Frauen sitzen um einen grossen Tisch. Sri Lanka, Ukraine, Israel und Tschechien: Das sind nur einige der Länder, aus denen die Anwesenden stammen. «Mehr als acht Teilnehmer habe ich noch nie gehabt», sagt Peter. Sechs braucht sie, damit die Genehmigung weiterhin vom Kanton erteilt werden kann.

«Die Schweizer rauchen so viel»

Das Angebot nutzen im Moment ausschliesslich Frauen. «Ich glaube, das liegt daran, dass die Männer alle berufstätig sind und deshalb morgens keine Zeit haben», sagt Peter. Sie schliesse jedoch auch religiöse Gründe nicht aus. Gemischte Gruppen sind nicht in allen Kulturen akzeptiert.

Zurück zur Diskussionsrunde. Zwischen den Fragen wird munter geplaudert. «Leben die Schweizer gesund?», fragt Peter erneut. Die Antworten sind vielseitig und lassen einen schmunzeln. «Die Schweizer rauchen so viel», heisst es von einigen Teilnehmerinnen. Oder: «Schweizer essen fettig, aber nicht am Abend, da mögen sie am liebsten Salat». Die Frauen zeigen sich jedoch auch beeindruckt, wie viel Sport die Schweizer treiben.

Peter teilt eine bunte Übersicht aus. Darauf ist das Schweizer Gesundheitssystem in fast allen Sprachen beschrieben. Was folgt, ist eine weitere Übersicht aus dem Flyer hallo–aargau.ch. Dieses Mal mit den häufigsten Fragen, die sich Migranten stellen. «Was kann ich tun, wenn mein Nachbar zu laut ist?», liest die 33-Jährige als Beispiel vor. Die Frauen hören aufmerksam zu und machen sich eifrig Notizen.

«Ich habe ein solches Programm damals vermisst», erzählt Peter. Sie kam vor 12 Jahren aus Mexiko in die Schweiz. Ihr fehlte damals vor allem der Austausch mit anderen Migranten. Aus diesem Grund möchte sie anderen Menschen helfen.

Die Sprache ist das A und O

Peter wird häufig nach den Lektionen um Rat gebeten. «Das ist mir wichtig, so fühlen sich die Leute nicht alleine. Meist entsteht auch privat eine Freundschaft», sagt die 33-Jährige. Sie würde sich wünschen, dass das Angebot für Migranten noch mehr ausgebaut wird. Auch bei ihrem Treff würde sie sich über mehr Teilnehmer freuen. «Die Sprache ist das Wichtigste für eine gelungene Integration», sagt Peter.