Militärische Ausbildung

Die Spitzensport-Rekrutenschule als «Riesenchance» und «wunderbare Erfahrung»

Schiessen steht in dieser RS nicht mehr auf dem Programm. Die Karateka Elena Quirici aus Schinznach-Dorf und der Judoka Otto-Krister Imala aus Brugg haben sich für die Armee entschieden, um sich auf ihren Sport konzentrieren zu können.

18 Wochen dauert die Spitzensport-Rekrutenschule. Am 29. Oktober sind die erfolgreiche Karateka Elena Quirici, 24, aus Schinznach-Dorf und der Judoka Otto-Krister Imala, 21, aus Brugg eingerückt. In den ersten drei Wochen ist militärische Grundausbildung angesagt. Schiessen steht bei dieser Spitzensport-RS nicht mehr auf dem Programm. Dafür erhalten die Sportlerinnen und Sportler eine Sanitäts- und Fahrausbildung sowie militärische Grundformen.

Bei Elena Quirici war es der Verband, der sie auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht hat. Im Anschluss suchte sie den Kontakt zu Athleten, welche Erfahrung mit der Spitzensport-RS gesammelt hatten. Der Tenor war überall gleich: Für Athleten aus Randsportarten, wie es beispielsweise das Karate oder das Judo sind, ist diese Sportler-RS eine sehr gute Möglichkeit, sich für eine begrenzte Zeit nur auf seinen Sport zu konzentrieren und dabei noch andere Erfahrungen zu machen.

Eine andere Erfahrung war es für Elena Quirici tatsächlich, als sie in der Grundausbildung auf dem Waffenplatz in Wangen an der Aare jeweils früh aufstehen musste, spät ins Bett kam und trotzdem noch (körperliche) Leistung bringen musste. Einerseits bei den militärischen Herausforderungen, andererseits beim eigenen Trainingsprogramm am Nachmittag. Schlimm fand sie das nicht, wie sie sagt. Neue Grenzerfahrungen zu machen, reizte sie auch.

Der pure Luxus

Nach der Grundausbildung in Wangen an der Aare wechselte Elena Quirici nach Magglingen ins Nationale Sportzentrum. Von dieser Zeit schwärmt die 24-Jährige. Um 7 Uhr ist jeweils Antrittsverlesen, anschliessend hat Quirici Zeit fürs Zmorge. «Das ist für mich purer Luxus», sagt die Karateka, die in ihrem normalen Alltag ständig zwischen Trainings, Arbeit und Turnieren pendelt. Gegessen wird da manchmal unterwegs und auch die Erholungsphasen kommen vielfach zu kurz.

In Magglingen hingegen kann sie sich nur auf ihren Sport fokussieren. Zwei bis drei Trainings pro Tag stehen auf dem Programm, dazu Physiotherapie oder Massage. Sie muss sich keine Gedanken machen, wie sie alles unter einen Hut bringt. «Diese Gedanken rauben mir immer viel Energie», sagt sie. «Es ist gut, dass ich im Moment einen freien Kopf habe.» Einen ersten grossen Erfolg konnte Elena Quirici am vergangenen Wochenende feiern, als sie am Olympia-Qualifikationsturnier in Paris in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm den ersten Platz erkämpfte. Die Weltranglisten-Zweite hat so einen ersten Grundstein gelegt, um die Schweiz an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 vertreten zu können. Den Erfolg verdankt sie sicher nicht nur der Spitzensport-RS, aber sie betont, dass sie besser erholt und fokussiert ist als sonst. Die Karateka plant, nach der Spitzensport-RS als Profi-Sportlerin unterwegs zu sein. Das bedeutet aber auch, dass sie weitere Sponsoren braucht, die ihren Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 finanziell unterstützen.

Zusätzliche Motivation hat ihr auch der Austausch mit den anderen Athletinnen und Athleten verschafft. «In den ersten fünf Wochen hatten wir viel Kontakt, haben viel geredet», sagt sie. «Und weil meine Saison schon fertig war, habe ich mich Trainings von anderen Sportlern angeschlossen. So habe ich beispielsweise mit den Eishockeyspielern ein Intervall-Training absolviert. Das war ein Highlight.» Die Schinznacherin bringt es auf den Punkt: «Die Spitzensport-RS ist für mich eine Riesenchance.»

Dem pflichtet der Brugger Judoka Otto Imala (Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm) bei. Er hat sich für die Spitzensport-RS entschieden, weil er so seine Profi-Karriere am besten mit dem obligatorischen Militärdienst verbinden kann. «Mit der Spitzensport-RS kann ich weiterhin 100 Prozent trainieren und an all meinen Wettkämpfen teilnehmen. Es ist die absolut beste Lösung für einen Profisportler.» Das Tragen der Militäruniform mache ihn stolz, sagt Imala.

Nützlicher als gedacht

Die Spitzensport-RS verlangt von den Teilnehmern viel Training und harte Arbeit. «Zusätzlich gibt es spezielle Kurse, die uns dabei helfen, unsere Sportdisziplin zu verbessern», sagt Otto-Krister Imala, der Wurzeln in Estland hat. «Wir lernen viel in Bezug auf Ernährung, Erholung und wie wir uns in kleinen Schritten verbessern können.» Auch in Sachen Medienauftritte werden die Athletinnen und Athleten geschult.

Den Unterschied zu seinem sonstigen Alltag beschreibt Imala folgendermassen: «Unsere Trainingsprogramme wurden speziell entwickelt, um sowohl vom Militärdienst als auch vom Training den grösstmöglichen Nutzen ziehen zu können.» Während der gesamten Saison haben die Sportlerinnen und Sportler verschiedene Programme, je nachdem, was sie in jenem Moment am meisten brauchen.

Vom Konzept der Spitzensport-RS ist Imala überzeugt: «Um ehrlich zu sein, ist die RS viel nützlicher, als ich anfangs dachte. Ich habe viele neue Dinge gelernt, die mir sowohl in meinem persönlichen Leben als auch in meiner sportlichen Karriere helfen werden. Es war bisher eine wunderbare Erfahrung.» Besonders profitiert habe er im Bereich Kommunikation mit Sponsoren und den Medien. «Das ist etwas, das normalerweise als Sportler schwer zu erlernen ist.»

Die Reise zum Weltklasse-Athleten sei sehr lang und schwierig, gibt Imala zu bedenken. «Es sind die kleinen Schritte, dank denen man langsam nach oben klettern kann.» Und die Spitzensport-RS sei voll von kleinen Verbesserungen, «die uns letztendlich helfen, das Ziel zu erreichen». Dabei helfe auch die Umgebung in Magglingen sowie das Zusammensein mit anderen engagierten Sportlern. «Wir drängen uns gegenseitig, um besser zu werden. Das ist es, was wir Spitzensportler brauchen.»

«Diese Goldmedaille habe ich für meine Grossmuttter gewonnen»: Elena Quirici über ihren Sieg, den Empfang in Brugg und die kommenden Ziele.

«Diese Goldmedaille habe ich für meine Grossmuttter gewonnen»: Elena Quirici über ihren Sieg, den Empfang in Brugg und die kommenden Ziele.

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