Lupfig

«Die Spannungen habe ich gespürt»: Das sagt Lupfigs Gemeindeammann zum Aufstand auf dem Flugplatz Birrfeld

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Lupfigs Gemeindeammann sagt, wie er die Situation auf dem Birrfeld einschätzt – bei den Kritikern melden sich täglich Aero-Club-Mitglieder.

Es rumort auf dem Regionalflugplatz Birrfeld: Eine Gruppe um Andreas Fischer, Schulleiter der Swiss Pilot School Association, Fluglehrer, Prüfungsexperte beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und ehemaliger Flugplatzleiter, ruft die Mitglieder des Aero-Club Aargau (AeCA) dazu auf, die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung zu beantragen. Die ins Feld geführten Vorwürfe gegen den AeCA-Vorstand haben einerseits langjährige Piloten erstaunt und andererseits bei Lesern die Frage nach der Betriebssicherheit auf dem Birrfeld aufgeworfen.

Darauf angesprochen sagt Gemeindeammann Richard Plüss (SVP) aus Lupfig, wo sich der Flugplatz befindet: «Die Sicherheit auf dem Birrfeld ist nach wie vor gewährleistet. Der Flugbetrieb funktioniert tadellos.» Plüss, der sich regelmässig mit den Leuten vom Flugplatz austauscht, räumt aber ein, dass er als Aussenstehender dort schon seit einiger Zeit interne Spannungen gespürt habe. Insbesondere seit vor viereinhalb Jahren – aufgrund von finanziellen Problemen nach dem Tod des Wirts – das Restaurant in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

«Wirt Richner engagierte sich mit Leib und Seele», sagt Plüss. Seit dem Rechtsform- und Wirtswechsel sei dieses Herzblut für die Gäste aber kaum mehr spürbar. Das spiele im Sommer, wenn sich viele Ausflügler und Familien in der Gartenbeiz verpflegen, vielleicht kaum Rolle, aber während der kälteren Jahreszeit könnte das zu einer Reduktion bei Firmenanlässen und Banketten führen, so der Gemeindeammann.

Eine gute regionale Verankerung ist laut Plüss für den Flugplatz Birrfeld zentral. So sei etwa der frühere Flugplatzleiter Heinz Wyss eine kommunikative und fachlich versierte Persönlichkeit gewesen, die alle in der Region kannten. Auch Roger Trüb habe es damals als noch relativ junger Flugplatzleiter gut gemacht.

Kompetenzstreitigkeiten und unnötige Personalwechsel

Apropos Roger Trüb: Auch er würde es begrüssen, wenn der AeCA zu einer a.o. GV einladen müsste. In einer Stellungnahme auf der Website https://aeca.media/index.php schreibt Trüb: «Die aktuellen Strukturen im AeCA ohne die klar definierten Aufgaben, Verantwortungen, Pflichten, Abgrenzungen und Kompetenzen von Vorstand, Verwaltungsrat, Flugplatzchef und Flugschulleiter funktionieren nachweislich nicht. Sie führen immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten, Interessenskonflikten, Doppelspurigkeiten, vielen (unnötigen) Personalwechseln und verursachen schlussendlich hohe Kosten, die von den Vereinsmitgliedern und Piloten, ohne einen Gegenwert dafür zu erhalten, bezahlt werden müssen.»

Im Frühling 2019 wurde die neue Werkstatt im Birrfeld eingeweiht.

Im Frühling 2019 wurde die neue Werkstatt im Birrfeld eingeweiht.

Seiner Einschätzung nach gibt es nur eine Lösung: Ein professioneller Betrieb in der Grösse des Flugplatzes Birrfeld mit angeschlossener, eigenständiger Flugschule kann und darf nicht von einem Milizsystem geleitet werden. «Aus persönlicher und langjähriger Erfahrung weiss ich, dass sich eine Person, die täglich im Birrfeld arbeitet, deutlich besser mit den lokalen Begebenheiten auskennt als eine Person, die nur hie und da auf dem Flugplatz anzutreffen ist», hält Roger Trüb fest. Um die notwendigen Strukturen für eine solche neue Organisation zu schaffen, brauche es die Einberufung einer a.o. GV.

Für Kritiker ist es nicht einfach, alle Mitglieder zu erreichen

Auf die Frage, wer vom siebenköpfigen AeCA-Vorstand an einer a.o. GV nicht wiedergewählt werden soll, sagt Kritiker Andreas Fischer: «Da wir keine Persönlichkeitsrechte verletzen wollen, ist die Kommunikation über Personen schwierig.» Aber es könne beispielsweise nicht sein, dass jemand, der die Qualifikationen als Fluglehrer in der Schweiz nicht erfüllt, sich in den Vorstand wählen lässt und in der Folge als Vorstandsmitglied in ein professionell geführtes Fluglehrerteam hineindrängen will. Weitere Vorstandsmitglieder verfolgen laut Fischer ebenfalls eigene Interessen. So habe sich etwa der aktuelle Flugplatzchef selber einen Job im Birrfeld verschafft. Der Flugplatz wird bekanntlich interimistisch von Vorstandsmitglied Aurelio Vassalli geleitet. Die Personen, die sich neu für die Wahl in Ämter zur Verfügung stellen, will die Gruppe um Andreas Fischer rechtzeitig vor der nächsten GV vorstellen.

Die Website der Kritiker ist erst seit ein paar Tagen aufgeschaltet und das Echo darauf ist laut Fischer überwältigend. «Uns kontaktieren täglich mehr Mitglieder und wir sind überzeugt, dass sich genügend melden, damit die Forderung nach einer ausserordentlichen Generalversammlung Gehör findet.» Rund 270 Mitglieder müssten das Anliegen unterstützen, damit es den erforderlichen 20% des Mitgliederbestands entspricht. Für die Initianten ist es nicht einfach, alle AeCA-Mitglieder zu erreichen. «Den Mitarbeitern wurde untersagt, uns die Mitgliederadressen herauszugeben», sagt Fischer. Der Vorstand versuche aus nicht bekannten Gründen, eine a.o. GV zu verhindern.

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