Brugg

Die Sozialarbeiterin mit Trumpf im Ärmel: Ihr Bonus ist der Migrationshintergrund

Betânia Figueiredo erzählt, was den Anstoss zu ihrer Karriere gab.

Betânia Figueiredo erzählt, was den Anstoss zu ihrer Karriere gab.

Sie ist die neue Standortleiterin des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes (KRSD) der Caritas in Brugg. Die 26-jährige Bruggerin Betânia Figueiredo erzählt, weshalb der Migrationshintergrund ihrer Eltern der Anstoss zu ihrer Karriere war.

«Erst jetzt habe ich gemerkt, was die Kirche im Sozialwesen alles leistet – das fasziniert mich», erzählt Betânia Figueiredo. Sie ist die neue Standortleiterin des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes (KRSD) der Caritas in Brugg.

Dabei handelt es sich lediglich um eine Verschiebung des Angebots. Bereits zuvor gab es eine Stelle, die es auch heute noch – jedoch mit anderen Schwerpunkten – gibt. Der KRSD wird nicht mehr nur von der römisch-katholischen Kirche Brugg, sondern auch von der Landeskirche Aargau unterstützt.

Caritas hat sich in einem Raum der Kirche Brugg an der Stapferstrasse eingemietet. Dort entstand Mitte Juli dieses Jahres dann das neue Büro des KRSD.

«Es ging schon voll los»

Als Betânia Figueiredo die Stellenausschreibung sah, habe sie nicht lange gezögert. «Die Stelle ist perfekt für mich», schwärmt die 26–Jährige. Sie interessierte sich schon immer für das Sozialwesen.

Die Tochter von portugiesischen Migranten, die in den frühen Achtzigerjahren in die Schweiz kamen, erkannte schon früh die Probleme im Sozialsystem – vor allem für ausländische Menschen. Dem wollte sie entgegenwirken. Nach ihrer Ausbildung an der Fachmittelschule in Schaffhausen absolvierte Figueiredo einige Praktika.

Sie arbeitete beispielsweise als Unterstützung für Schüler mit Lernschwäche an der International School in Schaffhausen, als Sozialpädagogin in der psychiatrischen Kinder- und Jugendklinik in Münsterlingen und im Sozialdienst für Portugiesischsprachige in Baden, wodurch sie auch die Caritas Aargau kennenlernte.

Danach wusste die 26-Jährige, dass ihr die Beratungsfunktion im Sozialdienst am besten gefällt. Die Stelle als Standortleiterin im KRSD deckt dies laut Figueiredo genau ab. «Es ging schon voll los», sagt sie vergnügt. Sie könne sich den regen Betrieb, der schon zu Beginn herrschte, nur so erklären, dass viele Leute das Angebot bereits von der Kirchgemeinde Brugg kannten.

Beratung auch in Fremdsprachen

Betânia Figueiredo ist für viele Menschen in Not die erste Anlaufstelle. Sie führt mit ihren Klienten Gespräche über fast jede Problemsituation und versucht diese mit ihnen zu lösen. Der KRSD ist kostenlos und vertraulich.

Er ermöglicht es zudem, dass eine längere und vielfältigere Begleitung einer Person in Not garantiert werden kann. Denn manchmal führt der Weg zur Lösung eines Problems nicht an anderen Fachstellen vorbei. Dabei werden die Menschen jedoch immer von Figueiredo begleitet. Telefonberatungen und Sprechstunden in ihrem Büro bietet Betânia Figueiredo diesen zudem auch auf Spanisch und Portugiesisch an.

«In Brugg war zuerst nur das Angebot auf Spanisch geplant, da ich aber portugiesisch aufgewachsen bin, liess sich das Angebot ideal ausbauen», erklärt sie. Besonders für die Beratungen auf Spanisch hat die 26-jährige Standortleiterin bereits viele Anfragen erhalten. Spanisch lernte sie schon früh. «Die portugiesische und die spanische Gemeinschaft trafen sich oft gemeinsam, so habe ich auch die spanische Sprache gehört und gesprochen», sagt Betânia Figueiredo.

Pro Tag empfängt die 26-Jährige durchschnittlich bis zu drei Personen für je eine Stunde zum persönlichen Gespräch in ihrem Büro. Bei vielen von ihnen bleibe es jedoch nicht bei einem Gespräch. Es ist oft ein längerer Prozess, bis eine Lösung für das jeweilige Problem gefunden wird. Daneben gebe es aber auch viele Anrufe von Leuten, die sich nur nach etwas erkundigen möchten.

Vernetzung hat Priorität

«Mich interessieren die Geschichten hinter den Problemen. Vor allem die Problematik der Migration und der Armut beschäftigt mich sehr», erzählt Figueiredo. Der Beruf sei vielseitig und verlange deshalb auch einige Fähigkeiten.

So ist es zum Beispiel wichtig, den Menschen in Not mit Empathie und Toleranz zu begegnen. Figueiredo ist dankbar, in diesem Berufsfeld tätig zu sein. «Meine Motivation ist es, etwas zu bewirken. Ich will gezielt und unkompliziert helfen.»

Trotz meist positiven Eindrücken stosse sie manchmal auch an ihre Grenzen. Darin sieht die Standortleiterin auch neue Chancen. «So erkenne ich, wo noch Lücken im System sind.» Im Moment ist sich die 26–Jährige noch fleissig «am Vernetzen» mit den Fachstellen. Das sei ihr persönlich auch sehr wichtig.

«Die Leute sollen wissen, dass es mich gibt.» Die Fachstellen – und auch ihre ersten Klienten – reagierten sehr positiv auf sie. «Mein derzeit einziger Wunsch ist, dass mich die Menschen in der Region Brugg kennen», sagt die Standortleiterin. Sie möchte sich beruflich und persönlich laufend weiterentwickeln. «Für den Moment bin ich jedoch an meinem Ziel angekommen», sagt sie abschliessend mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

Tag der offenen Tür des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes am Dienstag, 30. August, ab 15.30 Uhr an der Stapferstrasse 15 in Brugg.

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