Samstagnachmittag: Männer, Frauen und Kinder marschieren auf den Erdbeerenfeldern umher, den Blick stets nach unten gerichtet, auf der Suche nach den süssen, roten Beeren. Einige mit Hut, Cap oder Tuch vor der Sonne geschützt und mit festem Schuhwerk ausgestattet, knien oder bücken sie sich zu den Erdbeeren hinunter, um die leuchtend roten Früchte in ihre Behälter zu legen. Ein Kilogramm selbst gepflückter Erdbeeren kosten hier sechs Franken. «Papi, hier hat es ganz viele Erdbeeren», ruft ein Knabe seinem Vater zu. Dieser antwortet lachend: «Hast du den ‹Hot-Spot› gefunden?»

Die Felder von Produzent Peter Häusermann sind längst kein Geheimtipp mehr, gar aus dem Fricktal sind die Sammler und späteren Desserts- und Smoothie-Produzenten angereist. «Dass wir hierher kommen, hat Tradition. Wir pürieren die Erdbeeren und frieren sie dann ein», meint eine Frau, die mit ihrem Mann durch die Felder schreitet. Ein weiteres Argument für das Erdbeerenpflücken, ist der Umweltfaktor: «Wir sind jedes Jahr hier, denn es ist relativ nah», meint eine Frau aus Brugg, die mit ihrer Familie Erdbeeren pflückt. Sie benötigt die süssen Früchte, um daraus Konfitüre oder diverse Desserts wie Mousse oder Törtchen zu machen.

Zusatzarbeit wegen Spätfrost

Produzent Peter Häusermann staunt, wie viele Leute an diesem Samstag hier sind. Auf 2,5 Hektaren sind die Erdbeeren mit den klingenden Namen wie der süsse Klassiker «Lambada», «Dely», «Polka», «Sibylla» und «Pedrino» angepflanzt. Normalerweise kennzeichnet ein Holzpflock, in welchen der Reihen bereits Erdbeeren gepflückt wurden.

Doch an diesem sonnigen Tag müssen sich die Besucherinnen und Besucher auf dem ganzen Feld umschauen, um die Früchte für ihre Desserts zu finden. Und ihnen steht heute nur ein Feld, statt der üblichen zwei zum Pflücken zur Verfügung. Aus gutem Grund: Der Spätfrost hat rund 35 Prozent der Erdbeeren vernichtet. «Nun haben wir ein Feld geschlossen, damit die Früchte auf diesem Feld nachreifen können. Eine warme Nacht genügt dafür», sagt Peter Häusermann.

In den letzten vier Jahren gab es drei Mal Spätfrost und das bedeutete für den Produzenten jeweils einige zusätzliche Arbeit rund um die äusserst sensible Pflanze. Um die roten Früchte vor den kalten Temperaturen zu schützen werden sie mit Vlies zugedeckt. Diese 250 Meter langen Vliesrollen werden alle zehn Meter mit Steinen beschwert.

Die aufwendige und mühsame Arbeit ist nicht immer von Erfolg gekrönt. «Hohe Blütenstände kommen mit dem Vlies in Berührung und werden deshalb schwarz. Und als es Mitte Mai nochmals sehr kalt wurde, hatten wir das Vlies schon aufgerollt», erklärt Häusermann. Ein Angestellter hilft ihm drei Monate bei seiner Arbeit. Sechs bis sieben Helfer sind es, welche die Erdbeeren für den Handel pflücken.

Auf den Geschmack kommt es an

Die Erdbeeren auf Peter Häusermanns Feldern werden aufgrund ihres Geschmacks und ihrer Süsse gewonnen. Die Erdbeersorten, welche der Produzent aus Villnachern anpflanzt, müssten geschmacklich überzeugen, aber auch resistent gegen Krankheiten sein. Häusermann verfolgt die Diskussionen in den sozialen Medien und der Öffentlichkeit rund um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und meint dazu: «Es braucht Schutzmittel, vor allem dann, wenn die Pflanzen blühen oder wenn es regnet. Sonst gibt es Frühinfektionen.» Doch es gebe immer bessere Mittel, die auch schnell wieder abgebaut würden.    

Der Produzent wurde ins Erdbeerengeschäft hineingeboren, das seine Eltern Myrta und Ruedi 1965 gegründet hatten. «Lustigerweise habe ich die Erdbeere als Kind gehasst, doch heute mag ich sie sehr gerne», sagt Häusermann, der hauptberuflich als Sanitärinstallateur arbeitet.