Windisch
Die Schweizer Wanderer entdecken den Aargau

Dem Aufruf zum Nationalen Wandertag folgten gegen 3000 Wanderfreudige aus dem ganzen Land. Darunter auch einige Promis, denen man das Wandern nicht zutrauen würde: Ex-Miss Christa Rigozzi, Fernsehmann Röbi Koller und Plüsch-Sänger Ritschi.

Tim Honegger
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Beim Wandern kriegt man keine Adrenalinschübe, es ist nur selten schweisstreibend und ein Sixpack gibts dabei schon gar nicht. Dennoch schnürten am Samstag gegen 3000 Frauen, Männer und Kinder ihre Wanderschuhe und erforschten das Wasserschloss in der Region Brugg.

Die Magnetwirkung der Miss

Drei Routen führten die Wanderlustigen durch das Herz des Aargaus. Die Uferbänke der Aare, die waldbedeckten Hügel und der stahlblaue Himmel wiesen den Wanderern dabei den Weg. Die bestbesuchte Strecke führte aber nicht in luftige Höhen, sondern an den Zusammenfluss von Reuss und Aare – über 300 Leute marschierten in einer einzigen Wandergruppe mit. «Im Wasserschloss kommen 43Prozent des Schweizer Regenwassers zusammen», erklären Titus Meier und Fritz Gassmann der Menge.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, warum gerade diese Wanderung so viele Leute anzog. Ausschlaggebend war eher, dass die ehemalige Miss Schweiz, Christa Rigozzi, auf dieser Route mitlief. Die Schönheit aus dem Tessin wanderte zum ersten Mal im Aargau und war fasziniert: «Die Aussicht ist wunderschön – ich werde bestimmt im privaten Rahmen wiederkommen.» Ebenso entzückt waren die anderen beiden Prominenten, Röbi Koller und Plüsch-Sänger Ritschi. «Ich habe 15 Jahre hier gewohnt und nie gemerkt, dass der Aargau so schöne Seiten hat», gestand Koller.

Sieg über Arosa und Beatenberg

Dass ein Wandertag dieser Dimension überhaupt stattfinden kann, ist primär der Zeitschrift «Schweizer Familie» zu verdanken. Sie organisiert seit fünf Jahren einen Wettbewerb, bei dem sich alle Schweizer Orte anmelden können. Die Entscheidung, wo der Tag definitiv stattfindet, liegt dann bei den Lesern. Brugg machte dieses Jahr das Rennen – hauchdünn vor den beiden Tourismusdestinationen Arosa und Beatenberg. «Das liegt wohl am bevölkerungsstarken Einzugsgebiet von Brugg», vermutet Daniel Dunkel, Chefredaktor der Zeitschrift. Denn nur wenige würden den Aargau als Wanderkanton kennen.

An dieser Stelle kommt Andrea Lehner von Aargau Tourismus ins Spiel. Sie möchte den Ruf des Kantons aufpolieren, «denn das Image vom Durchfahrtskanton wird dem Aargau nicht gerecht». So stellten ihre Mitarbeiter zusammen mit 250Freiwilligen den Nationalen Wandertag auf die Beine. Sie hoffen, dass sich möglichst viele der 3000 Wanderer den Aargau auf der Landkarte dick anstreichen.

«Ein ungeschliffener Diamant»

Leute, die des Sportes wegen wandern, gehen nicht an den Nationalen Wandertag. Vielmehr sind es die Geniesser und die Geselligen. Sie verbindet die Hingabe zur Natur. Dass 3000 Menschen aus allen Winkeln der Schweiz nach Brugg reisten, ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Aargauer Natur. Dies würdigte auch Regierungsrat Urs Hofmann in seiner Ansprache: «Unser höchster Berg erhebt sich zwar nur 908 Meter in die Höhe, doch die wahre Wanderlandschaft sind die Flüsse und Seen – und diese gibt es hier im Überfluss. Der Kanton Aargau ist ein noch wenig bekannter, ungeschliffener Diamant.»