Brugg-Windisch
Die Schweiz ist Spitze im All – und fast keiner weiss es

Am ersten öffentlichen Anlass zum Thema «Leben und Arbeiten im All» werden am Samstag vier hochkarätige Referenten an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch auftreten.

Michael Hunziker
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Der bisher einzige Schweizer Astronaut Claude Nicollier bei einem Weltraumspaziergang.

Der bisher einzige Schweizer Astronaut Claude Nicollier bei einem Weltraumspaziergang.

zvg/Nasa

Der Weltraum, unendliche Weiten . . . und unendlich weit weg? Von wegen! «Leben und Arbeiten im All» heisst der Titel des Anlasses an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch. Selbst Astronaut Claude Nicollier gibt sich ein Stelldichein.

Für Organisator Guido Schwarz, Gründer und Projektleiter des Swiss Space Museum, ist der Weltraum ein Riesenthema – überall präsent, genauso faszinierend und spannend wie inspirierend und berührend. «Jeder hat einen Bezug zum Weltall», stellt er fest und nennt als Stichworte das Erlebnis in der Natur beim Betrachten des eindrücklichen Sternenhimmels, die unzähligen Science-Fiction-Filme oder die Erinnerungen an die Mondlandung.

Nicht nur Popstar und Model

Am Anlass «Leben und Arbeiten im All» werden, verspricht Schwarz, «aufregende Aspekte beleuchtet». Der Themenmix sei bewusst breit gewählt, es seien nicht etwa trockene Vorträge für ein ausgewähltes Fachpublikum zu erwarten. Im Gegenteil: Für alle bestehe die einmalige Gelegenheit, an einem einzigen Tag am gleichen Ort vier hochkarätige Referenten kennen zu lernen. «Sie verfügen über fundierte Kenntnisse und werden aus erster Hand einen Einblick geben in ihre Tätigkeiten», sagt Schwarz. Kurz: «Die Zuhörer dürfen gespannt sein.»

Die Weltraumforschung widme sich den essenziellen Fragen der Menschheit, führt der Organisator aus und nennt Beispiele: «Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Gibt es Leben ausserhalb der Erde?» Praktische Anwendungen aus der Weltraumforschung würden tagtäglich direkt genutzt und die Arbeit in diesem Bereich sei hochspannend, fährt Schwarz fort. «Die Jüngeren erfahren zudem, dass es durchaus Alternativen gibt zu den Berufswünschen Popstar oder Model.» Die Schweiz gehöre in der Weltraumforschung zur Weltspitze.

Diese Aussage bestätigt André Csillaghy, Professor und Leiter des Instituts für 4D-Technologien der Fachhochschule Nordwestschweiz. Aktuell beteiligt sei die FHNW mit einem Instrument an der Solar-Orbiter-Raumsonde der Europäischen Weltraumagentur ESA. «Das ist eine grosse Ehre für uns», sagt Csillaghy. Schliesslich handle es sich um eines der derzeit grössten wissenschaftlichen Weltraum-Projekte in der Schweiz. «Es ist das erste Mal, dass eine Sonde so nahe zur Sonne geschickt wird.»

Satelliten immer wichtiger

Auch an Vorgänger-Missionen war die FHNW beteiligt, als es darum ging, Daten von Raumsonden zu speichern oder auszuwerten. In Brugg-Windisch ist in den letzten Jahren, führt Csillaghy aus, ein Kompetenzzentrum für Weltraumforschung entstanden, bestehend aus einer Forschungsgruppe im Bereich Sonnenphysik, einem Informatikteam, das auf Weltraumdaten spezialisiert ist sowie einem Team von Ingenieuren für die Entwicklung von Beobachtungsinstrumenten. Dieser Tätigkeitsbereich der FHNW sei noch nicht überall bekannt. Der Anlass «Leben und Arbeiten im All» sei eine Gelegenheit, ihn vorzustellen.

Weltraumforschung, davon ist Csillaghy überzeugt, betrifft jedermann, die Abhängigkeit von verschiedenen weltraumbasierten Technologien steige. Er erwähnt die weltweite Kommunikation oder das Positionsbestimmungssystem GPS. «Satelliten spielen eine immer wichtigere Rolle. Wir können bei uns einen Beitrag leisten zur reibungslosen Nutzung dieser Technologien ausserhalb der Erde.»

Er erzählt vom Weltraumspaziergang

Claude Nicollier, der in den Neunzigerjahren viermal mit dem Space Shuttle in die Erdumlaufbahn flog, wird am Anlass «Leben und Arbeiten im All» in Brugg-Windisch von seinem Weltraumspaziergang berichten, bei dem er Servicearbeiten am Hubble-Weltraumteleskop ausführte. Der einzige Schweizer Astronaut geht auch der Frage nach, ob die bemannte Raumfahrt eine Zukunft hat. Lukas Viglietti, Präsident der Schweizerischen Raumfahrt-Vereinigung, erinnert an die Apollo-Missionen und geht darauf ein, was auf dem Mond passierte. Vieles sei der Öffentlichkeit bis heute kaum bekannt

Oliver Ullrich, Professor für Anatomie an der Universität Zürich, referiert über Biowisseinschaft im All. Er untersucht unter anderem die Auswirkungen der fehlenden Schwerelosigkeit – und präsentiert die neuen Chancen, die sich für die Erde ergeben. Mit aussergewöhnlichen Klängen untermalt wird der Anlass am Samstag von Bruno Spoerri, dem Schweizer Pionier der elektronischen Musik.

«Leben und Arbeiten im All» Samstag, 28. Februar, 14.30 bis 17 Uhr, Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch; der Eintritt ist frei.