Windisch

Die Römerlampen sind ein Bijou im Motocenter

Die Bodenvitrine wird mit Öllampen bestückt (von links): Max Urech, Georg Matter, Sonja Streit, Hanni Urech und Hermann Huber.

Die Bodenvitrine wird mit Öllampen bestückt (von links): Max Urech, Georg Matter, Sonja Streit, Hanni Urech und Hermann Huber.

Der spektakuläre Öllampenfund ist dank Privatinitiative als Nachbildung am Fundort ausgestellt.

Zu einer besonderen Einweihung lud die Kantonsarchäologie ein. Vor drei Jahren kam bei Ausgrabungen, die im Rahmen des Ausbauprojekts von Urech Motocenter AG ausgeführt wurden, ein aussergewöhnlicher Fund zum Vorschein. Ein unversehrt erhaltener Kochtopf eines Legionärs war prall gefüllt mit 22 Öllampen, und auf jeder lag eine Bronzemünze, hinzu kamen verbrannte Lammkeulen. Der Fundort liegt etwas ausserhalb des Legionslagers in einer damaligen zivilen Siedlung. Warum ein solcher Schatz um 66/67 n. Chr. hier vergraben wurde, gab und gibt Rätsel auf.

2017 wurde das Lampendepot in der Aktuell-Vitrine des Vindonissa-Museums ausgestellt. An der Vernissage waren auch Max und Hanni Urech, Inhaber des Motocenters, zugegen. Dabei erfuhren sie, dass die Windischerin Kathi Zimmermann unter anderem für Museumsshops im In- und Ausland römische Öllampen originalgetreu herstellt. Und da reifte bei ihnen die Idee, im neuen Verkaufsladen eine Vitrine im Boden einzubauen und darin den spektakulären Fund am Fundort und im neuen Laden zu inszenieren.

Grosse Wertschätzung

Sie stiessen bei der Öllampenmacherin auf offene Ohren, sie fertigte den Hauptteil der 22 Lampen und beschaffte zudem die passenden Geldrepliken. Im Neubau wurde eine (begehbare) Vitrine integriert. Gestern nun ist diese im Rahmen einer kleinen Einweihung mit den Lampen und Münzen bestückt worden.

Zu diesem Akt fanden sich unter anderen Gemeindepräsidentin Heidi Ammon und seitens der Kantonsarchäologie Georg Matter, Manuela Weber, Jürgen Trumm, Hermann Huber, welcher als Grabungsleiter den Schatz entdeckt hatte, und die Mitarbeiterin Sonja Streit ein. Ammon gab ihrer grossen Freude über die Privatinitiative der Familie Urech Ausdruck, welche mit dieser Inszenierung die Beziehung der Gemeinde zur römischen Vergangenheit auf besondere Weise dokumentiert, den Fund öffentlich zugänglich macht und einen Blick in damalige Handlungen erlaubt. Dafür gebühre ihr ein herzliches Dankeschön. Kantonsarchäologe Matter schloss sich diesem Dank an: «Ich finde es super, dass diese Realisierung auf privater Basis zustande kam. Es ist dies auch eine Hommage an unsere Vorfahren. Dass heute wie damals auf diesem Areal gewerblich gearbeitet wurde, passt ebenfalls.» Nach wie vor gehe man davon aus, dass der Fund zu einer rituellen Handlung gehörte. Religion hatte damals den Alltag stark geprägt – möglicherweise erhoffte man sich von diesen, den Göttern dargebrachten Opfern Glück im Leben. «So hoffen wir», so Matter schmunzelnd, dass der rekonstruierte Fund auch dem Motocenter Glück bringen wird.»

Die Vitrine präsentiert sich als eigentliches Bijou – zur hellen Freude auch der Bauherrschaft, der Familie Urech. Die prächtigen Lampen schmücken Motive wie Gladiatoren, Trauben, Pfau, Löwe, Muschel, Altar, Rosetten sowie eine erotische Darstellung. Und bei den aufliegenden Münzen handelt es sich um damals gängige Nero-Asse.

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