Zahlreiche Besucherinnen und Besucher haben am Donnerstagabend bei der Vernissage im Brugger Zimmermannhaus die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Jubiläumsausstellung mit 13 Künstlern aus der Region Brugg/Windisch wahrgenommen. «Mir ist es sehr wichtig, die Brugger Kunstszene mit ihren ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und Positionen zu zeigen», so Galerieleiterin Drahu Kohout.

Davon, dass diese regionale Kunstszene nicht nur in der Region selbst interessiert, ist Stadtrat Leo Geissmann überzeugt: «30 Jahre, in denen sich die Ausstrahlung der Galerie vom Regionalen zum Kantonalen und Nationalen ausgedehnt hat», fasste er denn auch die Geschichte von Kunst und Musik im Zimmermannhaus zusammen.

Eva Bechstein, Vizepräsidentin des Aargauer Kuratoriums, lobte vor allem die vielseitige kulturelle Ausrichtung des Hauses. Es sei «nicht selbstverständlich, dass ein Haus sich der Vermittlung von gleich zwei Kultursparten verschreibt und noch weniger selbstverständlich, dass dies so gut funktioniert wie hier». Und dies nicht nur bei den Konzerten mit professionellen Musikern, welche regelmässig stattfinden, sondern auch bei der musikalischen Umrahmung der Vernissage durch Schülerinnen und Schüler der Musikschule Brugg.

Kunst braucht einen Stuhl

Mit gesellschaftlichen und künstlerischen Fragen beschäftigte sich Rudolf Velhagen, Leiter der Galerie Gluri-Suter-Huus in Wettingen, bei seiner Einführung. Er hoffe «in der Beschäftigung mit der Kunst Antworten auf diese Fragen zu finden». Dafür stellt er an die Künstler als «Entdecker der verschiedenen Realitäten unserer Gesellschaft» hohe Ansprüche. Schliesslich sei es aber nicht nur an den Künstlern, mit ihren Werken zu überzeugen, sondern auch am Kunst-Konsumenten selbst, eben nicht nur zu konsumieren, sondern sich die Zeit zu nehmen, sich hin- und damit auseinanderzusetzen. «Kunst braucht einen Stuhl», so habe dies sein Professor treffend zusammengefasst.

Einen Stuhl hätten in diesem Moment auch einige der Besucherinnen und Besucher gebrauchen können. Halb erschlagen von den geistreichen Ausführungen von Rudolf Velhagen, aber auch von der im Dachstock angestauten Hitze, war ihnen die Erleichterung ob des nahenden Apéros ins Gesicht geschrieben. Velhagen verabschiedete sich mit einem Aufruf an die Politik: «Nehmt Künstler in eure Gremien auf! Sie geben eine andere, manchmal zwar etwas schräge, aber sicher bereichernde Optik.»

Die Jubiläumsausstellung im Zimmermannhaus in Brugg ist noch bis zum 21. September öffentlich zugänglich, der Eintritt ist kostenlos. Umrahmt wird sie von Künstlergesprächen am 5. und 12. September sowie am Samstagmorgen, 30. August, von Konzerten der Musikschule Brugg im Neumarkt.

Abschliessend findet am 21. September um 17 Uhr das erste Kammerkonzert der Reihe mit Urs Gloor, Klarinette und dem Arion Quartett statt, bei dem als Highlight ein Werk des Brugger Komponisten Friedrich Theodor Fröhlich zur Aufführung kommt.