Bei den Psychiatrischen Diensten Aargau AG (PDAG) in Windisch werden die Kantonspolizei (Kapo) Aargau und die Regionalpolizei (Repol) Brugg regelmässig um Hilfe gerufen. Manchmal steht die Polizei sogar mehrmals pro Tag für den gleichen Patienten im Einsatz. Eine Delegation der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter kritisierte die häufigen Polizeieinsätze in ihrem Bericht, der letzten Herbst veröffentlicht wurde. Darin hiess es, dass zwischen September 2016 und März 2017 die Polizei 82 Mal beigezogen wurde. Die Kommission empfahl, das Pflegepersonal der PDAG stattdessen in Deeskalationstechniken zu schulen.

Am 1. November letzten Jahres hat ein interner Sicherheitsdienst in der Klinik für Forensische Psychiatrie (Station P7) seine Tätigkeit aufgenommen. Wie hat sich die Anzahl der Polizeieinsätze in der PDAG entwickelt? Bedeutet der interne Sicherheitsdienst auch eine Entlastung für die Polizei? Die Anfrage der AZ beim Kanton zeigt, dass sich die Anzahl der Polizeieinsätze in den letzten eineinhalb Jahren etwas reduziert hat.

Selten Einsätze in der Forensik

«Die Lancierung des internen Sicherheitsdiensts in der PDAG hat jedoch keine grossen Auswirkungen auf die Anzahl Einsätze der Polizei, da der interne Sicherheitsdienst nur auf der Forensik zum Einsatz kommt», sagt Sprecher Samuel Helbling vom Departement Volkswirtschaft und Inneres, das für die Kapo zuständig ist. Die meisten Einsätze der Polizei fänden aber bei Behandlungen ohne Zustimmung des Patienten in anderen Stationen statt. Der Einsatz der Polizei in der Station P7 sei sehr selten. Daher sei eine Entlastung der Polizei durch den Sicherheitsdienst kaum spürbar. 

Die Polizei werde in der Regel bei bedrohlichen respektive eskalierenden Situationen auf den Stationen alarmiert und beigezogen, sagt Wolfram Kawohl, Chefarzt und Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. «Ausgangslage der Bedrohung sind häufig Behandlungen ohne Zustimmung der Patientinnen und Patienten.»

Daneben werde die Unterstützung der Polizei bei Verlegungen und medizinischen Notfällen benötigt. Insgesamt ist dies laut Kawohl aktuell rund zehnmal pro Monat der Fall. Die Erhebung der Einsätze wird jeweils über einen Zeithorizont von sechs Monaten gemacht. «Von März bis August 2018 gab es gemäss der Einsatzstatistik der Polizei eine Reduktion um 30 Prozent», fährt Kawohl fort. «Von September 2018 bis Februar 2019 gehen wir von einer Reduktion um 25 Prozent aus.» Für diese Periode lägen allerdings erst die Zahlen bis Mitte Januar vor, der Rest sei hochgerechnet.

Mobile Equipe ab Ende Juni 2019

Zur Reduktion der Polizeieinsätze verweist Kawohl auf drei bereits umgesetzte resp. geplante Massnahmen: erstens den internen Sicherheitsdienst für die Klinik für Forensische Psychiatrie. Zweitens die Schulungen im Deeskalationsmanagement. Hier wurden durch den Leiter Deeskalationsmanagement im letzten Sommer das Konzept überarbeitet sowie die Schulungen angepasst. Die Umsetzung erfolgt seither laufend. Als dritte Massnahme nennt Kawohl den Aufbau einer mobilen Equipe (internes Interventionsteam), die zur Bewältigung von Zwischenfällen als zweite Instanz nach dem Stationsteam beigezogen werden soll. Diese Umsetzung sollte bis Ende Juni 2019 erfolgen. «Wir sind bestrebt, dass so wenige Polizeieinsätze wie möglich nötig sind, und werden uns weiter dafür engagieren», so der Chefarzt. «Wir müssen aber auch die Sicherheit der Mitpatienten und des Personals auf den Stationen gewährleisten.»

31 Vorkommnisse im Januar

Bereits heute können viele Zwischenfälle durch erfahrene und im Deeskalationsmanagement geschulte Fachpersonen der PDAG gelöst werden. Bei den 31 besonderen Vorkommnissen im Januar war laut Kawohl in 9 Fällen die Unterstützung der Polizei nötig.

Für die Mitarbeitenden der Stationen, auf denen die meisten Polizeieinsätze nötig waren, gab es «eintägige Kompaktschulungen». Bis Ende März werden total über 220 Mitarbeitende geschult sein. In diesem Jahr werden auch viertägige Kurse angeboten für die interdisziplinären Behandlungsteams.