Die Halle in Hausen ist vollbesetzt, die Szenerie erinnert an den Abend vor rund einem Monat, als es um die Zukunft des Dahlihauses ging. Nur sind die Vorzeichen diesmal anders: Geschlossen setzt sich die Bevölkerung für die Poststelle ein, die diesen Herbst dichtgemacht werden soll.

Eine Partnerlösung – das bedeutet eine Postagentur im Volg beispielsweise – ist für die Bevölkerung keine Alternative. Das eigens für den Erhalt der Poststelle gegründete Komitee «Pro Post Hausen» wird von allen Lokalparteien, dem Gewerbe und Einzelpersonen unterstützt.

Fast 4000 Unterschriften

3912 Unterschriften gegen die Schliessung wurden in einem Monat gesammelt und am Donnerstagabend an Gemeindeammann Eugen Bless übergeben. Dieser versicherte: «Wir haben euren Auftrag verstanden und werden mit der Post intensiv diskutieren.»

Wie schon an der Informationsveranstaltung des Pro-Post-Komitees im Huserhof vor einem Monat, erklärte der Gemeindeammann, dass die Argumente der Hausener direkt an die Post vonnöten seien. Die Post werde den Gemeinderat über ihre Lösung informieren, erst dann könne die Gemeinde dazu Nein sagen und den rechtlichen Weg einschlagen. Der Gemeinderat könnte dann bei der «PostCom» Einsprache erheben.

Post stellte ihre Sicht dar

Zu Beginn des Abends machte André Aregger, Spezialist Netzentwicklung, auf die heutigen Herausforderungen der Post aufmerksam. Mittels Film wurden die verschiedenen Kunden-Bedürfnisse aufgezeigt. «Was mach ich on-, was offline? Benutze ich Brief oder elektronische Medien? Im Kommunikationsmarkt muss man breit abgestützt sein. Wenn wir es nicht machen, machts jemand anderes», erklärte er.

Matthias Fässler, Leiter Poststellengebiet Brugg, erläuterte die Situation in Hausen. Die Gemeinde habe rund 20% mehr Einwohner, aber weniger Postkunden. Fässler wies auf die Folie hin mit den Zahlen der Jahre 2010 bis 2017: 10% weniger Einzahlungsbelege, 12% weniger Sendungsabholungen, 12% mehr Pakete.

Der Satz: «Die Nutzung der Filiale Hausen ist vergleichsweise gering, teilweise gar rückläufig», stand ebenfalls drauf. Als eine «heisse Kartoffel» erwies sich die Nicht-Darlegung der konkreten Zahlen, welche ein Defizit oder die rückläufige Nutzung bestätigen würden.
Bereits vor einem Monat hatte das Pro-Post-Komitee danach gefragt und keine Antwort darauf erhalten. Dies bewog das Komitee dazu, selbst Nachforschungen anzustellen: «Rund 200 Personen waren pro Tag auf der Post», sagte Komitee-Mitglied Reto Blumer.

Matthias Fässler meinte dazu, dass die Post die konkreten Zahlen an den Gemeinderat geliefert habe. «Andere Firmen machen diese Zahlen auch nicht öffentlich.» Flugs wurde bei Eugen Bless nachgefragt: «Ob die Post in Hausen rentiert oder nicht, dazu gab es keine Zahlen. Doch das spielt auch keine Rolle, Hausen ist einfach nicht mehr auf dem Poststellennetz vertreten», sagte der Gemeindeammann. Rund 250 000 Franken will die Post mit der Schliessung jährlich einsparen.

Emotionales Seilziehen

Die anschliessende Fragerunde war ein emotionales Seilziehen, die Meinungen sind auf beiden Seiten gemacht. Bevölkerung und Gewerbe befürchten einen Leistungsabbau des Service public, insbesondere, was das Einzahlen mit Bargeld und den Münzwechsel anbelangt. Postgeheimnis, Privatsphäre, Kompetenz der Partnerfiliale waren weitere Schlagworte, die fielen. «Die ganze Präsentation war eine Farce. Sie sind hierher gekommen, um die Post zu schliessen», lautete das Fazit von Urs Weilenmann, SP Hausen.