Brugg
Die Pfadis erleben fantastische Abenteuer – trotz Behinderung

«Pfadi trotz allem» bietet behinderten Kindern Abenteuer und Spass – ein Augenschein in der letzten Übung in Brugg.

Vera Frey
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In der «Pfadi trotz allem» erleben behinderte Kinder eine Pfadi-Übung. Hier kommt die Prinzessin in Begleitung von König Brumm und überbringt den Kindern gute Neuigkeiten.
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Letzte Übung der «Pfadi trotz allem» in Brugg
Im Wald unterwegs

In der «Pfadi trotz allem» erleben behinderte Kinder eine Pfadi-Übung. Hier kommt die Prinzessin in Begleitung von König Brumm und überbringt den Kindern gute Neuigkeiten.

Vera Frey

Es ist Samstagnachmittag und der Wald im Brugger Schachen erstrahlt bei schönstem Herbstwetter im farbigen Licht. Lautes Gelächter und aufgeregtes Stimmengewirr dringen von der anderen Seite der Aare über die Fussgängerbrücke. Abenteuer liegt in der Luft. Eine Gruppe gut gelaunter Kinder und Jugendlicher betritt über den langen Steg ein grosses Schiff. In der Mitte steht bereits die Matrosin und kontrolliert, ob auch jeder sein Ticket dabei hat. «Los, wir müssen schnell weiter, die Uhr tickt!», ruft Phileas Fogg von hinten und zeigt auf seinen grossen Wecker.

Es ist die letzte Etappe auf der Reise «In 80 Tagen um die Welt», welche die Gruppe der «Pfadi trotz allem» an diesem Samstag in Angriff nimmt. Die Kinder wissen: Jetzt geht es um alles. Wenn sie zu spät kommen, verliert Phileas die Wette und vielleicht auch das Herz der Prinzessin.

«Trotz engem Zeitplan – Sicherheit geht vor!», mahnt die Matrosin. «Ihr braucht Rettungsboote!» Das Material für die Boote ist zum Glück schnell gefunden: eine Nussschale mit etwas Knete, ein Zahnstocher und ein Stück Papier für das Segel.

Hoch konzentriert machen sich die Kinder zwischen 8 und 18 Jahren ans Werk. Es wird geklebt, gemalt und zusammengesetzt. Einige brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit als andere: Wara beispiels-weise sitzt normalerweise im Rollstuhl. Heute klammert sie sich voller Freude an ihre Begleiterin und möchte sie kaum loslassen. Aber auch sie hat am Ende mit ein wenig Unterstützung ein Boot.

Schiffe und U-Boote

Als die Boote schliesslich ins Wasser gelassen werden, gibt es einen Aufschrei: «Oh nein, schau, das Boot sinkt!», ruft Litschi und zeigt auf die Stelle, wo das kleine Segel eben im Wasser verschwunden ist. «Einige sind halt U-Boote, die können unter Wasser schwimmen», klärt Leiter Snoopy auf.

Freudenschreie erfüllen die Luft

Nachdem das letzte Schiffchen entweder auf oder im Wasser davongeschwommen ist, zerreisst plötzlich das schrille Geräusch des Weckers die Stille. «Oh nein, wir sind zu spät! Die Zeit ist um und die Wette verloren», ruft Phileas und schaut betrübt in die Runde. Die Kinder stehen daneben und versuchen zu verstehen, was das bedeutet. Ist das etwa schon das Ende des Abenteuers? Glücklicherweise kommt in diesem Augenblick die Prinzessin in Begleitung von König Brumm um die Ecke und klärt auf, dass sie noch einen Tag länger hätten und die Wette deshalb gewonnen ist. Nun erfüllen Freudenschreie die Luft. «Wir haben es geschafft, Juhuuu!», ruft Talgo und hüpft vor Freude auf und ab.

Nach einer kleinen Schnitzeljagd zum Schloss der Prinzessin und der freudigen Verkündung, dass Phileas sie bald heiraten wird, geht das Fest so richtig los. Es wird ausgelassen getanzt, gelacht und umhergetobt – und die Leiter sind mittendrin. «Auch wir haben an diesen Samstagnachmittagen einen Riesenspass», sagt Snoopy und schaut gleichzeitig etwas betrübt. «Leider sind wir im Moment nur noch zwei ständige Leiter – für die etwa 15 Kinder und Jugendlichen mit Behinderung zu wenig. Wenn wir bis Ende Jahr keine neuen Leiter gefunden haben, war das wohl die letzte Übung der ‹Pfadi trotz allem›.» Die Mitglieder der Pfadi selbst sind sich einig, dass das nicht geschehen darf. Schliesslich wollen sie noch mehr fantastische Abenteuer erleben – trotz allem.

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